Formel-1-Qualifying Bahrain 2015: Hamilton vor Vettel

, 18.04.2015

Mercedes vs. Ferrari im Nacht-Qualifying in Bahrain: Böse Klatsche für Nico Rosberg, Pole für Lewis Hamilton und intakte Siegchancen für Sebastian Vettel

Lewis Hamilton ist seiner Favoritenrolle auf die Pole-Position im Qualifying zum Grand Prix von Bahrain Formel 1 2015 live im Ticker voll gerecht geworden, doch Mercedes darf im Rennen nicht mit einem Solo für Zwei rechnen. Denn neben Hamilton steht nicht Teamkollege Nico Rosberg in der ersten Startreihe, sondern Sebastian Vettel (Ferrari).

Hamilton sicherte sich die vierte Pole-Position im vierten Rennen der Formel-1-Saison 2015 erneut in souveräner Manier: Bestzeit in Q1 (0,470 schneller als Rosberg), Bestzeit in Q2 (1,209), Bestzeit in Q3 (0,558). Besonders demütigend: Als er nach dem ersten Q3-Run "nur" drei Zehntelsekunden Vorsprung auf Rosberg hatte, monierte er am Funk selbstkritisch, das sei "keine besonders gute Runde" gewesen.

Rosberg setzte in Q2 auf die Taktik, seinen Reifen für den Rennstart zu schonen - verlor dadurch aber den Rhythmus bei der Jagd nach der schnellsten Runde: "Ich habe zu sehr ans Rennen gedacht und Sebastians Speed unterschätzt. Dritter zu sein ist wirklich nicht ideal", seufzt er - während Hamilton strahlt: "Ich fühle mich großartig, bin sehr glücklich. Meine Runden waren ziemlich gut." Aber er lächelt selbstbewusst: "Es geht immer noch besser."

Mercedes tut nur weh, dass Vettel im letzten Run noch in die erste Startreihe gefahren ist. "Ich bin sehr zufrieden mit dem zweiten Platz und ganz besonders stolz, die Mercedes getrennt zu haben. Das ist ein großer Schritt für uns", freut sich der Ferrari-Pilot, dem in der Entscheidung 0,411 Sekunden fehlten. Dass er Rosberg um 0,147 Sekunden geschlagen hat, ist für Mercedes-Sportchef Toto Wolff keine Überraschung: "Das sind die neuen Machtverhältnisse."

Bisher galt die Faustregel: Mercedes im Qualifying-, Ferrari im Renntrimm schneller. Was Vettel für das zweite Hitzerennen der Saison (nach dem Sieg in Malaysia) zuversichtlich stimmt: "Ich denke, wir sind ganz flott unterwegs, und hoffe, dass wir ein bisschen näher dran sein können." Aber Wolff entgegnet kämpferisch: "Ferrari hat auf den Longruns stark ausgeschaut. Ich denke jedoch, dass wir unser Setup in die Richtung verändert haben, dass wir das morgen hinkriegen."

Grundsätzlich präsentierte sich das Kräfteverhältnis genau wie erwartet: Mercedes und Ferrari im Duell um die ersten beiden Startreihen, Williams unmittelbar dahinter. Felipe Massa blieb nach einer fehlerhaften Vorstellung 0,363 Sekunden hinter Valtteri Bottas zurück. Daniel Ricciardo (Red Bull/+1,261) rutschte im zweiten Q3-Run noch vom zweiten auf den siebten Platz ab; im ersten hatte er als einziger Topfahrer brandneue Soft-Pneus aufgezogen.

Die große Überraschung in den Top 10 war zweifellos Nico Hülkenberg (Force India/+1,879), der heute die Tausendstelsekunden auf seiner Seite hatte: 24 in Q1 um den Cut gegen Pastor Maldonado (Lotus), 91 vor Teamkollege Sergio Perez in Q2, zwölf vor Carlos Sainz (Toro Rosso) und 34 vor Romain Grosjean (Lotus) in Q3. "Ich habe keine Erklärung dafür", freut er sich über das überraschende Ergebnis. "Aber wir sind nicht geheilt."

Nach einer bisher starken Vorstellung an diesem Wochenende schrammten die Sauber-Fahrer Felipe Nasr (12.) und Marcus Ericsson (13.) knapp an den Top 10 vorbei, sicherten sich aber eine gute Ausgangsposition für das Rennen - und blieben vor Fernando Alonso (McLaren-Honda) und Max Verstappen (Toro Rosso), die ihre teilweise starken Trainingsleistungen im entscheidenden Augenblick nicht so optimal umsetzen konnten.

Im Pech auch Maldonado, der wegen eines Problems mit dem Mercedes-Antrieb schon in Q1 knapp scheiterte, und Jenson Button (McLaren-Honda), dessen Defektserie vom Freitag sich heute nahtlos fortsetzte: "Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Es war aber ähnlich wie am Freitagmorgen, wo alles plötzlich mit einem lauten Knall abgeschaltet war. Danach konnte ich nur noch ausrollen und aussteigen", bedauert er.

Für das Nachtrennen in Bahrain wird nun ein echter Thriller erwartet, denn Ferrari war in den Longruns am Freitag besonders konkurrenzfähig. "Sie sind sehr stark, vielleicht stärker als im Qualifying", weiß Polesetter Hamilton. Die besten Reifen für den Start könnte Rosberg haben, weil er in Q2 besonders schonend gefahren ist. Aber auch Räikkönen, früher als "Reifenflüsterer" bekannt, darf sich Außenseiterchancen ausrechnen.

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