Gegen das eigene Team gewettet: Niki Lauda verliert zehn Euro

, 08.04.2017

Eine "Spezialrunde" Hamiltons brachte Mercedes in China auf Pole und für manchen überraschend vor Ferrari - Bottas verliert Rang zwei wegen 5,91 Zentimetern

Trotz der Ferrari-Wiederauferstehung hat Mercedes 2017 weiter die Oberhand über das Starterfeld. Zumindest im Qualifying, wie der China-Grand-Prix am Samstag unterstrich. Zur Überraschung vieler foppte Lewis Hamilton in Schanghai mit einer Runde in 1:31.678 Minuten den 0,186 Sekunden langsameren Sebastian Vettel und sicherte sich die Pole-Position. Nicht schlecht staunte Team-Aufsichtsrat Niki Lauda, der mit Sportchef Toto Wolff gewettet und gegen Silber gesetzt hatte.

Der als knauserig bekannte Österreicher nahm die siegreiche Niederlage mit Humor: "Ich habe gerade zehn Euro verloren, weil ich zu Toto gesagt habe: 'Heute kriegen wir eine drüber!'", erzählt Lauda grinsend und ist bemüht, die Schlappe als Investition zu betrachten: "Gott sei Dank war es nicht so. Diese zehn Euro habe ich gerne ausgegeben." Wolff wundert sich nicht über den Ferrari-Tipp seines Kompagnons und erkennt in dessen Einstellung heilsame Wirkung: "Er ist immer pessimistisch. Aber das ist vielleicht die richtige Einstellung. Da kann man sich nur positiv überraschen."

Die Überraschung deutete sich lange nicht an. In den Abschnitten eins und zwei waren Mercedes und Ferrari weitgehend gleichauf. Erst im Schlusssegment lief Hamilton zur Galaform auf. "Er hat seine Spezialrunde wieder hingeknallt und es gerade noch gereicht", schwärmt Lauda. Der Brite, der bei seinem ersten Versuch in Q3 bei einem Quersteher viel Zeit verlor, stand mächtig unter Druck, als er mit einer tadellosen Runde seinen Bestwert setzte. Im Cockpit lief der Schweiß.

"Ferrari war wahnsinnig schnell und wir wussten, dass es knapp werden würde", erklärt Hamilton. "Wir mussten alle Register ziehen und eine perfekte Runde hinlegen." Eben das gelang, als er wenige Sekunden vor dem Ende seine Sahneform zeigte. Obwohl der erste Sektor nach eigener Aussage nicht gut angefangen hatte, steigerte sich Hamilton im Q3-Finale. "Vielleicht wegen der Reifentemperaturen", überlegt er. "Ich kam mit einigen Zehnteln Vorsprung in die letzte Kurve, was immer für Nervosität sorgt. Man will spät bremsen und noch etwas rausholen, aber auch nicht alles verlieren."

Bei Regen im Rennen: Mercedes traut sich keine Prognose zu

Der Kompromiss gelang, er tüte die 75. Pole-Position seiner Karriere ein und ist nun neben Ayrton Senna der einzige Pilot der Formel-1-Geschichte, der zweimal sechs Poles in Serie holte. "Es war auch der Hamilton-Faktor", weiß Wolff. "Lewis macht einfach den Unterschied, wenn es um die Wurst geht." Zu spüren bekam das auch Teamkollege Valtteri Bottas, der nur auf dem dritten Rang landete. 0,001 Sekunden hinter Vettel, die in Schanghai umgerechnet 5,91 Zentimeter bedeuten.

"Keine Ahnung", wundert sich Bottas darüber, wo er Zeit hat liegen lassen. "Eine Tausendstel ist so ..." sagt der Finne und schnippst mit dem Finger. Lauda könnte verstehen, sollte sich sein Pilot über das Verpassen des zweiten Starplatzes ärgern: "Bottas tut mir leid. Eine Tausendstel ist wenig." Im Rennen am Sonntag könnte es aber die Chance geben, für den Fauxpas zu entschuldigen. Im Regen, den die Wetterfrösche prognostizieren, tat sich Bottas als weitgehend unbekannter Youngster im unterlegenen Williams vor einigen Jahren beim Kanada-Grand-Prix hervor. Jetzt droht wieder Nässe.

Lauda traut sich deshalb keine Prognose zu und auch Wolff bläst nach dem ausgefallenen Freitagstraining die Backen auf: "Für Ingenieure sind mangelnde Daten eine Katastrophe. Und wir haben wenig Daten. Wir wissen gar nicht, wie wir mit dem Set-up dastehen." Der Grund dafür, dass Ferrari seine Silberpfeile unter Druck setzt, sei das aber nicht: "Sie waren vielleicht im Training einen Ticken schneller. Wir konnten im Qualifying zulegen. Das war schon in der Vergangenheit immer so."

Hamilton, der auf einen "Volltreffer mit der Balance" hofft, hat am Duell mit der Scuderia seine helle Freude und sinniert von einem "fantastischen" Duell, das spannender wäre als jemals zuvor: "Ich liebe das." Noch mehr als an der Pole-Position ergötzt sich Toto Wolff offenbar an seinem Wettgewinn: "Das ist für Niki ziemlich viel", wittert er fette Beute gemacht zu haben, die offenbar Schanghais Gastronomen zugute kommen sollen: "Die zehn Euro werde ich heute Abend mit großer Freude ausgeben."

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