Grand Prix von China: Nächster Nackenschlag für Red Bull

, 12.04.2015

Ein verpatzter Start, ein Motorschaden und Zoff nach einem Teamduell: Der Absturz von Red Bull ging auch beim Formel-1-Rennen in China weiter

Platz neun für Daniel Ricciardo, erneuter Ausfall für Daniil Kwjat: Der freie Fall von Red Bull in der Formel 1 fand auch beim Grand Prix von China in Schanghai seine Fortsetzung. Nach einem vollkommen verkorksten Rennen reist das frühere Weltmeisterteam fast mit leeren Händen aus China ab und steht motorenseitig schon nach dem dritten von 19 Saisonrennen mit dem Rücken zur Wand.

Gipfel des für Red Bull desaströsen Rennens war ein Teamduell der beiden Fahrer, welches für Unstimmigkeiten sorgte. In Runde 5 ereilte Kwjat ein Funkspruch vom Kommandostand, der ihn mehr oder weniger offen aufforderte, den hinter ihm fahrenden Teamkollegen vorbeizulassen. "Du hast Ricciardo hinter dir. Kämpfe nicht gegen ihn. Er ist auf einer anderen Strategie", teilte man dem Russen mit, der im Gegensatz zu seinem Teamkollegen auf Medium-Reifen ins Rennen gestartet war.

Trotz dieser klaren Aufforderung wehrte sich Kwjat zwei Kurven lang entschieden gegen den Überholversuch Ricciardos, ehe er den Australier vorbeiließ. "Ich denke, es war okay", blickt Kwjat nach dem Rennen bei 'Sky Sports F1' auf die Situation zurück. "Wie haben zwei Kurven lang miteinander gekämpft. Er war nicht dicht genug hinter mir. Als er es war, habe ich ihn vorbeigelassen."

Teamduell: Ricciardo hat Gesprächsbedarf

Ricciardo schätzte die Situation allerdings etwas anders ein und sieht Klärungsbedarf: "Darüber werden wir im Team-Meeting sprechen. Ich denke, ich hätte schon früher an ihm vorbeikommen können", sagte der Australier bei 'Sky Sports F1'. Teamchef Christian Horner bemühte sich nach dem Rennen um Deeskalation: "Daniil hat das so gut gelöst, wie er konnte", sagt er.

Dass Ricciardo überhaupt hinter seinen Teamkollegen zurückgefallen war, lag ein einem völlig miserablen Start. "Der Start hat mein Rennen ruiniert. Das Auto hat in den 'Anti-Stall' gewechselt", berichtet Ricciardo. Dieses System soll ein Absterben des Motors verhindern, warf Ricciardo in diesem Fall von Position sieben fast bis ans Ende des Feldes zurück. "Wir wissen nicht genau, was passiert ist", sagt Horner. "Offenbar funktionierten aber nicht alle Leuchten auf den Armaturen, woraufhin er nicht mehr wusste, wie weit er auf dem Pedal stand."

Unterdessen kämpfte Teamkollege Kwjat in den Anfangsphase mit seinen härteren Reifen. "Der Prime-Reifen war offensichtlich nicht so schnell die der Option, was allerdings zu erwarten war", sagt er Russe. "Daher war es in den ersten Runden ziemlich schwierig, die auf den Options-Reifen fahrenden Autos hinter mir zu halten." In Runde 16 waren dann alle strategischen Überlegungen von Red Bull für Kwjat Makulatur, denn der Russe musste seinen Red Bull mit einem Motorschaden abstellen. "Ich sah plötzlich Rauch aus dem Heck des Autos aufsteigen und musste sofort anhalten", sagt er.

Erneuter Motorschaden bei Kwjat

Renault-Mann Thierry Salvi bestätigte nach dem Rennen einen Motordefekt. "Daniil hatte ein Problem mit dem Verbrennungsmotor, das wir nun untersuchen, denn bis zum nächsten Rennen müssen wir verstehen, wo genau das Problem liegt." Teamchef Horner versuchte nach dem Rennen, seinen jungen Piloten aufzubauen. "Es war ein hartes Wochenende für ihn. Er und Carlos Sainz hatten auffällige Probleme damit, den härteren Reifen zum Arbeiten zu bekommen. Seine Rennhälfte wäre die zweite gewesen, aber dazu kam es nicht."

Ricciardo kämpfte sich unterdessen mühsam durchs Feld und war dabei mit den strategischen Entscheidungen seines Teams nicht hundertprozentig einverstanden. "Ich hatte das Gefühl, dass wir die Options-Reifen nicht zum Arbeiten bringen und wollte auf den Prime wechseln. Dann sagte mir das Team aber, dass der Prime nicht so gut aussieht, also sind wir auf die Options-Reifen zurückgegangen." Aus Sicht des Australiers war das möglicherweise ein Fehler. "Am Rennende war meine Pace besser, und da bin ich auf dem Prime-Reifen gefahren. Wir müssen uns anschauen, ob wir da nicht etwas hätten besser machen können."

So kam Ricciardo trotz einer starken Aufholjagd nicht über Rang neun hinaus. Zu wenig für ein Team wie Red Bull. "Das war ein frustrierende Nachmittag für uns", sagt Teamchef Horner. "Daniel hat sich gut zurückgekämpft und wurde nach einigen guten Überholmanövern Neunter, aber natürlich ist das nicht das Resultat, das uns vorschwebt."

Red Bull drohen frühe Strafen

Durch die weiterhin schlechte Standfestigkeit der Renault-Antriebe steht Red Bull zudem nach drei Saisonrennen schon unter Druck. Für Kwjat war es nach Melbourne bereits der zweite kapitale Motorschaden, und auch Ricciardo hat bereits zwei von derzeit pro Saison vier erlaubten Verbrennungsmotoren verschlissen. Es droht daher schon früh eine Überschreitung des Kontingents, was eine Rückversetzung zur Folge hat.

"Wir werden mit einer Strafe leben müssen", so Ricciardo. "Hoffentlich steigert sich die Zuverlässigkeit. Bei mir war heute alles in Ordnung, aber Dani und Max (Verstappen; Anm. d. Red.) sind rauchend ausgerollt. Da liegt viel Arbeit vor uns, aber wir müssen den Kopf oben halten und weiter pushen."

Vor dem Hintergrund der massiven Probleme klingen die Aussagen von Renault-Mann Salvi allerdings fast schon wie Durchhalteparolen. "In Sachen Zuverlässigkeit war das ein schwieriges Wochenende. Wir müssen uns weiter auf die Zuverlässigkeit konzentrieren und unsere Probleme so schnell wie möglich beheben", sagt er.

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