Hamilton versöhnt sich mit Mercedes: Tränen lügen nicht

, 02.10.2016

Emotionale Geste: Hamilton ließ seine Presserunde wiedereinberufen, um sich hinter das Team zu stellen, Verschwörungen zu dementieren und Gott ins Spiel zu bringen

Lewis Hamilton hat nach seinen zweideutigen Kommentaren bezüglich der Hintergründe seines Motorschadens beim Malaysia-Grand-Prix zurückgerudert. In seiner Presserunde distanziert sich der Weltmeister davon, eine Verschwörung des Mercedes-Teams gegen ihn zu wittern: "Der Mann da oben oder höhere Gewalt spielen mit rein", erklärt er Aussagen in ersten TV-Interviews, wonach etwas oder jemand ihn am Gewinn des WM-Titels hindern wollte. Hamilton demonstriert Loyalität.

Statt die Silberpfeile anzuklagen, lobt er sie: "Ich muss dankbar sein, auch wenn sich das gerade nicht gut anfühlt", erinnert er an die dominanten Jahre 2014 und 2015 sowie an die Höhepunkte des bisherigen Saisonverlaufs. Zweifel oder Skepsis gäbe es nicht, versichert Hamilton. "Ich habe 100-prozentiges Vertrauen in die Jungs an der Box und in der Fabrik. Ich liebe es hier. Ohne sie hätte ich die jüngsten zwei Titel nicht geholt. Ich habe Tränen in den Augen der Mechaniker gesehen."

Auch Toto Wolff hat seinem Starpiloten schon verziehen - sofern er ihm überhaupt einen Vorwurf gemacht hatte, schließlich äußert er sein Verständnis für die emotionale Reaktion, die Hamilton wenige Minuten nach seinem Ausfall von sich gab. "Wenn er dann ein Mikrofon unter die Nase gehalten bekommt, darf er alles sagen, was er möchte", äußert sich der Sportchef nachsichtig. "Klar, dass er nach einer Erklärung sucht. Es ist völlig akzeptabel, ich kann den ersten Frust verstehen."

Toto Wolff verständnisvoll: "Er darf sagen, was er will"

Besagte Erklärung war nicht die, als die sie Konspirationstheoretiker interpretieren wollten. "Er versteht, dass es solche Dinge nicht gibt und dass da niemand seine Finger im Spiel hat", wiegelt Wolff ab. In der Tat sprach Hamilton in den gleichen Interviews seiner Truppe das Vertrauen aus und dem Team Mut zu, er lobte seine Mechaniker. "Diese aufrichtenden Worte an das Team waren der Wahnsinn", unterstreicht Wolff. Auch ein Durcheinander um seine Presserunde ist erklärbar.

Nachdem der obligatorische Talk mit Print- und Onlinejournalisten - nach Aussage der Mercedes-PR in einer "einvernehmlichen Entscheidung" - abgesagt worden war, fand er kurze Zeit später doch statt. Auf den persönlichen Wunsch Hamiltons hin. Offenbar wollte er sich nochmals zu den gemachten Andeutungen äußern und seine Sicht der Dinge erklären. Er tat es demütig, geknickt und mit einer noch leiseren Stimme, als es die Weltpresse nach Niederlagen sonst von ihm gewohnt ist.

"Man muss meine Sicht der Dinge verstehen", verteidigt sich Hamilton, als er auf seine Reaktion angesprochen wird. "Die Jungs arbeiten so hart und wir gehen auf dem Zahnfleisch. Das Gefühl in Führung liegend auszufallen ist so schmerzhaft, dass es schwerfällt, etwas Positives zu sagen." Es folgen Bekundungen seines Optimismus und weitere Loyalitätszusagen an die Silberpfeile. Doch in seinen Worten schwingt etwas mit, das man von Hamilton nicht kennt. Ein Hauch von Resignation.

Er schnauft: "Es ist eine ständige Probe für den Willen, den Geist und mich als Menschen. Es geht darum, wie man sich wieder aufrichtet." Nur wie oft klappt das noch nach den vielen Defekten im Jahre 2016? Wolff verspricht, der Defektursache auf den Grund zu gehen und glaubt, dass es sich um eine neue Fehlerquelle am Antriebsstrang handeln würde

Die Mysterien reißen nicht ab. "Wenn die höhere Macht nicht will, dass ich Weltmeister werde, muss ich es akzeptieren", meint Hamilton und distanziert sich von Kommentaren, nach denen er kritische Fragen stellen will: "Habe ich nicht gesagt. Ich will verstehen, wieso es passiert und sicherstellen, dass sie sich nicht wiederholen."

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