"Irrational": Wolff warnt vor überstürzten Regeländerungen

, 12.03.2015

Toto Wolff glaubt, dass viele Teams in der Formel 1 neue Regeln fordern, nur um Mercedes zu schaden - Er mahnt zu mehr Bedacht und fordert gründliche Studien

Neue Motoren, breitere Reifen, imposantere Autos: In der Formel 1 geistern momentan eine Menge Ideen durch die Gegend, wie man die Königsklasse für die Zuschauer wieder attraktiver machen könnte. Mercedes-Teamchef Toto Wolff warnt die Teams allerdings davor, in Panik zu verfallen und einige nicht überdachte Schnellschüsse zu unternehmen. Zwar sei auch Mercedes offen für Regeländerungen, allerdings müsse man dabei in erster Linie das Wohl der Serie im Sinn haben.

"Viele der anderen Teams meinen, wenn sie die Regeln verändern, tun sie sich einen gefallen, und uns schaden sie. Das ist für mich nicht ganz nachvollziehbar", erklärt Wolff und präzisiert: "Seit einem halben Jahr merke ich eine Irrationalität - dass es nur darum geht, Dinge zu ändern, ohne dass sich derjenige überlegt, ob er damit wirklich zurechtkommt. Da kommen Ideen wie den Motor, den wir nun gerade mal ein Jahr haben, zu verändern."

"Dabei ist die ganze Story der Formel 1 darauf aufgebaut, die Königsklasse zu sein. Du kannst doch nicht aus der Formel 1 eine GP2 machen", warnt der Österreicher und erklärt auch gleich, warum viele Ideen der vergangenen Wochen und Monate auf ihn einen unausgereiften Eindruck machen: "Längst gibt es die nächsten Ideen für 2016. Breites Bodywork: die Autos zwei Meter breit machen, die Reifen von 360 Millimeter auf 420 Millimeter."

"Wenn du dann aber in die Runde fragst, ob irgendeiner auch mit Pirelli gesprochen hat, dann hat das keiner. Grundsätzlich geht es nur darum, in einer irrationalen Manie, Regeln zu ändern, um sich einen Vorteil zu holen. Und die Schwierigkeit ist nun für uns, zu beurteilen: Was ist gut, was ist schlecht? Und dabei dürfen wir nicht nur auf den eigenen Wettbewerbsvorteil schauen, obwohl wir eigentlich dafür bezahlt werden."

Offen für neue Regeln, aber...

Die Formel 1 müsse sich "immer wieder neu erfinden": "Deshalb sind wir auch Befürworter von 1.000-PS-Motoren. Die kosten viel Geld, aber wenn sie eine starke Message haben, dann: ja! Genauso wie Autos aggressiver aussehen sollen. Was wir aber auch sagen: Bitte keine Hüftschüsse! Es gibt Ideen von Red Bull und McLaren. Da hat jemand auf ein Blatt ein Auto gezeichnet, das aussieht wie ein McLaren von 1989. Wer sagt, dass das das Auto ist, das die heutigen Fans attraktiv finden?"

Seine persönliche Meinung sei, "dass der Sport keine Veränderung braucht. Wir reden davon, die Regeln oder die Autos oder die Motoren zu verändern. Vielleicht sollte das aber gar nicht das Hauptziel sein. Wir sind als Weltmeister in der glücklichen Situation, dass wir mit den Regeln klarkommen. Aber wir müssen offen für eine Diskussion sein und uns daran beteiligen."

Jüngst hatte Ferrari mit einer Konzeptstudie eines zukünftigen Formel-1-Autos für Aufsehen gesorgt. "Persönlich gefiel mir das Aussehen das Autos, aber ich bin mir nicht sicher, ob das noch die Formel 1 ist. Trotzdem müssen wir uns zusammensetzen und schauen, wie wir die Formel 1 insgesamt verbessern können", erklärt Wolff, der allerdings davor warnt, dass die Autos in der Königsklasse "keine Sportwagen" sein dürften.

"Lasst uns das lieber sauber analysieren, mit den Fans, über Social Media. Gebt uns vier Monate Zeit, lasst uns das in einer Arbeitsgruppe rund um Claire Williams entscheiden", fordert Wolff und spielt damit auf die 2014 ins Leben gerufene Promotional Working Group der Königsklasse an. Er mahnt: "Lasst uns an alles denken. Denn was, wenn die Autos dann gut ausschauen, aber nicht mehr überholen können? Lasst uns was Gescheites machen."

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