Mercedes: Benzintemperatur im Rennen "kein Problem mehr"

, 28.05.2016

Blaues Auge für Rosberg und Hamilton, die ein Motorproblem im Qualifying nur Zeit und Nerven kostete - Blutige Nase im Duell mit Red Bull ein Monaco-Spezifikum

Einige Journalisten dürften die ersten Anschläge ihrer neuesten "Pechvogel"-Schlagzeile im Kasten gehabt haben, als sie sahen, dass Lewis Hamilton im Monaco-Qualifying am Samstag wieder technische Probleme hatte. Was sie nicht wussten: Es sollte für den 2016 so gebeutelten Champion diesmal glimpflich ausgehen. Immerhin noch Rang drei. Nico Rosberg, am Ende Zweiter, hatte das gleiche Malheur zu beklagen, allerdings in der Box. Diagnose: Die Benzintemperatur war zu hoch.

Während das Hamilton-Auto startete, um gleich darauf per Notaus stehenzubleiben, konnte Rosberg gar nicht losfahren. Am Ende ging nur Zeit verloren, doch der Vorfall, der laut Mercedes nichts mit altbekannten MGU-H-Problemen zu tun hat, setzte neue Fragezeichen hinter die Zuverlässigkeit des Silberpfeil-Antriebs. Niki Lauda wiegelt ab: "Gar nicht beängstigend" sei die Sache mit Blick auf das Rennen am Sonntag, "weil es nur mit leerem Tank passiert, nicht mit vollem. Das Problem kann man lösen."

Also alles halb so wild? Nicht ganz. Sportchef Toto Wolff ist zwar ebenfalls überzeugt, dass nichts weiter passieren könne. Die Zwischenfälle seien im Kampf um die Pole-Position aber alles andere als förderlich gewesen. Hamilton machte nur einen Versuch in Q3, brach die erste schnelle Runde ab: "Der erste Sektor ist nicht gut gewesen. Um ihn mit den anderen zu synchronisieren, ist er zwei zusätzliche Runden gefahren", so Wolff. "Alles keine ideale Vorbereitung. Eine verhunzte Session für Lewis."

Hamilton selbst sieht die Sache ähnlich: "Schwierig, das zu kommentieren", seufzt er in der FIA-Pressekonferenz mit gesenktem Haupt. "Immerhin habe ich überhaupt eine Runde hinbekommen. Es war also nicht so schlimm wie bei den Rennen zuvor. Ich bin dankbar dafür, Dritter geworden zu sein." Er hätte die Pole-Position im Tank gehabt, beteuert der Brite, den am Ende 0,320 Sekunden von dem Tagesbesten Daniel Ricciardo (Red Bull) trennten - weil er Platz eins im dritten Sektor verlor.

Nico Rosberg, der mit dem Ablaufen der Uhr noch auf 0,169 Sekunden an den Australier herankam und ebenfalls im Schlussabschnitt mit dem Ausgang der Schwimmbad-Passage und der Rascasse Zeit einbüßte, gibt sich geschlagen: "Red Bull und Daniel waren einfach schneller. Nichtsdestotrotz habe ich aus der ersten Startreihe eine gute Chance", so der Wiesbadener, der ebenfalls infolge des Benzintemperatur-Problems Zeit verlor, aber nicht so aus dem Rhythmus geriet wie Hamilton. Die Session hätte für ihn schon viel früher beendet sein können, als er in Q2 in Kurve 15 innen anschlug und einen Aufhängungsbruch im Stile Max Verstappens knapp vermied.

Auch Toto Wolff zieht den Hut vor Ricciardo und seinem schon im Freien Training unglaublichen Sektor drei, sieht die neue Hackordnung aber auch als Relikt der Strecke. "Keine Ahnung, ob wir das wirklich hätten schlagen können. Sie verdienen diese Pole-Position. Würde man ein Formel-1-Auto nur für Monaco bauen wollen, dann sähe es ganz anders aus als für jede andere Bahn. Wir mussten den besten Kompromiss finden." Immerhin: Sechs Zehntelsekunden wie noch im Freien Training ließ sich Mercedes nicht mehr aufbrummen.

Rosberg schielt auf den vierten Monaco-Sieg in Serie: "Ich werde versuchen, einen guten Start zu erwischen und mit der Strategie etwas zu erreichen." Die Hoffnung teilt Hamilton nicht. Er kann sich nicht vorstellen, dass sich bei der Taktik große Abweichungen zeigen werden. "Ein Boxenstopp, ganz klar", stellt er fest. "Leider sind die Reifen so hart - ob jetzt Ultrasoft oder Supersoft -, dass das wahrscheinlich jeder locker hinbekommt. Da lässt sich nichts machen, man verliert mit einem zusätzlichen Halt nur Zeit." Nur ein Safety-Car könne die Karten neu mischen, glaubt Hamilton. Oder Regen? "Das wäre sicher ein gutes Rennen. Abwarten, ob mir das auch schmeckt."

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