Michael Schumacher 1998 um ein Haar im McLaren-Mercedes

, 28.05.2016

Man war sich schon einig: Michael Schumacher und Ron Dennis vereinbarten 1997 in einem Hotelzimmer einen Wechsel von Ferrari zu McLaren

Michael Schumacher und Mika Häkkinen waren in den Jahren von 1998 bis 2001 die großen Erzrivalen der Formel 1, aber beinahe wären sie Teamkollegen geworden! Das verraten fast 20 Jahre später die Chefs des damaligen McLaren-Mercedes-Teams, Ron Dennis und Norbert Haug.

Schon seit Jahren macht auf YouTube ein Video die Runde, das Schumacher, seinen Manager Willi Weber und Dennis in einem angeregten Gespräch über eine mögliche gemeinsame Zukunft zeigt. Das war im Jahr 1995, als Schumacher noch für Benetton fuhr. 1996 wechselte er zu Ferrari statt zu McLaren, doch nach Ablauf seines ersten Vertrags wäre es beinahe zu einer Einigung mit McLaren-Mercedes gekommen.

Schumacher stieg 1991 auf Jordan nicht zuletzt dank finanzieller Unterstützung von Mercedes in die Formel 1 ein. Der eigentliche Plan war, dass er 1993 für das neue Sauber-Mercedes-Team fahren sollte. Aber der junge Deutsche unterschrieb stattdessen bei Benetton, wurde dort 1994 und 1995 unter Flavio Briatore Weltmeister und begann 1996 seine einmalige Ferrari-Karriere. Zu Mercedes kehrte er erst 2010 zurück.

Rückkehr zu Mercedes war immer geplant

"Wir hatten immer die lockere Abmachung, dass wir noch einmal zusammenarbeiten wollen", erinnert sich Haug in einem Interview mit der 'WAZ'. "1998 wäre es fast soweit gewesen, die weit gereiften Verhandlungen mit McLaren-Mercedes gerieten dann allerdings ins Stocken." Die Verhandlungen führte Dennis, und bei einem Treffen in Monaco 1997 wurde angeblich sogar eine grundsätzliche Einigung erzielt.

"Als er bereits für Ferrari fuhr", erinnert sich Dennis, "einigten sich Michael und ich darauf, dass er zu McLaren kommen würde. Unser Treffen fand nicht am Grand-Prix-Wochenende statt, sondern wir trafen uns geheim in Monaco, in einem Hotel." Wie ernst es Schumacher mit den Wechselgedanken war oder ob er mit den Verhandlungen nur seine Ferrari-Gage in die Höhe treiben wollte, ist heute freilich nicht bekannt.

Am Ende scheiterte der Wechsel jedenfalls: "Es hat nicht geklappt, weil sein Management darauf bestanden hat, seine Fotorechte komplett zu kontrollieren", erklärt Dennis. "Sie wollten alles selbst behalten, und sie wollten natürlich sehr viel Geld. Das war eine Enttäuschung. Ich denke, Mika und Michael wären eine wirklich fantastische Fahrerpaarung gewesen!"

Schumacher: Mitverantwortlich für Mercedes-Erfolge

Gut zehn Jahre später klappte es dann doch noch mit dem Mercedes-Vertrag, als Schumacher nach drei Jahren Formel-1-Pause für das neue Silberpfeil-Werksteam engagiert wurde. "Wir waren damals ein kleines Team im Aufbau", erinnert sich Haug an 2010. "Michael hat sehr geholfen, die Weichen so zu stellen, dass unsere späteren Erfolge möglich wurden. Bei all der Aufbauarbeit hat Michael sehr stark geholfen, mit den Qualitäten eines Topmanagers."

"Klar ist es hypothetisch zu vermuten, was gewesen wäre, wenn er weitergefahren wäre", sagt Haug. "Mein Plan war eigentlich, mit Michael Schumacher im Mercedes-Silberpfeil noch einmal die ganz großen Erfolge einzufahren - also das zu erreichen, was mittlerweile seit 2013 passiert - und ihn dann seine Karriere auf diesem Hoch beenden zu lassen. Aber der Durchbruch als Spitzenteam verzögerte sich um ein Jahr, weil wir alles auf eine große Zukunft setzten."

Gestern schloss sich übrigens der Kreis, und zwar am Rande des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring: Bei der erstmals abgehaltenen Nürburgring-Award-Night sprach Haug die bewegende Laudatio auf Schumacher, der mit dem Ehrenpreis für das Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Managerin Sabine Kehm nahm den sogenannten "Lifetime-Achievement-Award" im Rahmen einer emotionalen Gala stellvertretend entgegen.

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