Mercedes: "Haben auf keinste Weise versucht, zu spielen"

, 06.09.2015

Bei Mercedes betont man unter dem Damoklesschwert der Disqualifikation von Lewis Hamilton, dass man den Reifendruck nicht absichtlich zu niedrig eingestellt hat

Laut Mitteilung der FIA lag der Luftdruck in den linken Hinterreifen der Mercedes-Boliden von Lewis Hamilton und Nico Rosberg kurz vor dem Start zum Grand Prix von Italien 0,3 psi (Hamilton) beziehungsweise 1,1 psi (Rosberg) unter dem für dieses Wochenende vorgeschriebenen Minimum von 19,5 psi. Hamilton gewann das Rennen und muss um seinen Sieg zittern. Rosberg fiel drei Runden vor Schluss mit Motorschaden aus.

Nachdem man sich bei Mercedes in den ersten Reaktionen direkt nach dem Rennen noch unwissend gegeben hatte, betont man nun, die Reifendrücke nicht mit Absicht zu niedrig eingestellt zu haben. "Die Stewards werden sich das Ganze mit unseren Technikern, mit Paddy Lowe, anschauen. Dann wird darüber entschieden", sagt Niki Lauda gegenüber 'Sky'.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes-Teams verweist auf Grauzonen im Regelwerk: "Man kann nur vor dem Rennen prüfen, aber jetzt ist die Frage: Ist die Heizdecke drauf oder nicht? Das ist nicht definiert. So kann natürlich bei einem kalten Reifen, wenn die Decke weggenommen wurde, ein unterschiedlicher Druck vorliegen." Schließlich gelte die Vorgabe für den Reifendruck "für das Rennen", wie Lauda anmerkt.

Gegenüber 'RTL' präzisiert Lauda: "Jetzt ist die Frage, wo die 1,1 und 0,3 herkommen. War der Reifen von Nico länger ohne Decke und somit kalt? Die Argumentation wird dahin gehen. Ich sage, der Reifendruck muss stimmen, wenn du fährst - und nicht statisch in der Kälte steht. Und das ist nicht klar definiert in den Regeln."

Wie entscheiden die Kommissare?

Im Bulletin der FIA heißt es, dass die Temperatur der Lauffläche der linken Hinterreifen bei den weniger als fünf Minuten vor dem Start geprüften Autos - beide Mercedes und beide Ferrari - "innerhalb der Spezifikation vom offiziellen Formel-1-Reifenlieferanten" lag. Während der Luftdruck an den Ferrari-Boliden von Sebastian Vettel (2.) und Kimi Räikkönen (5.) laut FIA "über dem vorgeschriebenen Mindestmaß für den Start" lag, lag er bei den Mercedes-Boliden von Hamilton und Rosberg darunter.

"Weil keiner wusste, was herauskommt und es auch jetzt keiner weiß", gab Mercedes Hamilton kurz vor Schluss die Anweisung, noch einmal schneller zu fahren, wie Lauda nun doch zugibt. "Wir brauchen ja nicht um den heißen Brei herumzureden", sagt auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff mit etwas Abstand nach dem Rennen gegenüber 'RTL'. "Diese Strafe stand im Raum. Da gibt es dann vielleicht eine Durchfahrtsstrafe oder eine Strafe, die obendrauf gesetzt wird. Wir wissen das ja nicht. Es ist eine neue Situation. Deswegen wollten wir eine Lücke herausfahren."

Eines aber stellt Lauda im Zusammenhang mit der Reifendruck-Affäre klar: "Wir haben auf keinste Weise versucht, zu spielen. Das kann ich garantieren. Die Frage wird sein, wie man die Grauzonen interpretiert. Das müssen die Stewards entscheiden." Wolff merkt dazu an: "Es wurden von Pirelli Reifendrücke vorgegeben, an die man sich nach den Vorfällen in Spa halten sollte. Jetzt gibt es Gerüchte, dass verschiedene Teams offenbar - keine Ahnung, wie das gemessen wurde - diese Reifendrücke nicht hatten. Ich kann aber nicht mehr dazu sagen, mehr weiß ich nicht."

Hamilton: "Nicht der Grund, weshalb wir gewonnen haben"

Hamilton, dessen Sieg am seidenen Faden hängt, plädiert gegenüber 'Sky Sports F1' für Gnade seitens der Kommissare: "Die Zuschauer müssen einfach verstehen, dass es in der Formel 1 darum geht, das Maximum herauszuholen. Für jeden einzelnen Fahrer und für jedes einzelne Auto gibt es verschiedenste Limits, sei es hinsichtlich des Gewichts oder was auch immer. Dabei wird stets versucht, so knapp wie möglich über dem Minimum zu liegen. Wenn das Limit 20 ist, dann legen wir 20,001 an. Darum geht es in der Formel 1."

Die am linken Hinterreifen seines Mercedes gemessene Unterschreitung des Mindestluftdrucks um 0,3 psi sieht Hamilton nicht als entscheidenden Vorteil im Rennen: "Wenn es 0,3 waren, dann waren es 0,3. Das hatte unterm Strich aber keinen Einfluss auf das Auto. Dieser kleine Unterschied macht nichts aus. Um etwas zu bewirken, müsste der Unterschied schon deutlich größer sein, sagen wir mal 0,5 oder 1,0. Ich bin mir sicher, dass auch Pirelli beweisen wird, dass dies keinen Unterschied macht, zumal es nur ein Reifen war. Wären es alle Reifen gewesen, dann könnte man vielleicht argumentieren."

So kommt Hamilton unter dem Damoklesschwert einer Disqualifikation zum Schluss: "Es wäre eine Schande, aber das war nicht der Grund, weshalb wir heute gewonnen haben. Wir haben gewonnen, weil wir die Schnellsten waren."

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