Nach Hamiltons Sieg: Rosbergs WM-Traum endgültig geplatzt?

, 29.09.2015

Nico Rosberg erlebt in Suzuka eine weitere Schlappe und verliert Lewis Hamilton in der WM mehr und mehr aus den Augen - Selbst die Pole-Position hilft nicht weiter

Die Vergangenheit beweist, dass man in der Formel 1 niemals nie sagen sollte. Auf und auch neben der Strecke hat es bereits viele Fälle gegeben, in denen nicht für möglich geglaubte Szenarien doch noch eingetreten sind. Trotzdem muss sich Nico Rosberg wohl langsam aber sicher an den Gedanken gewöhnen, dass es mit dem WM-Titel vermutlich auch in diesem Jahr wieder nicht klappen wird. Zu dominant und vor allem zu konstant ist Teamkollege Lewis Hamilton momentan.

Auch zuletzt in Suzuka hatte der amtierende Champion die Nase am Ende wieder vorne - obwohl Rosberg sich am Samstag endlich einmal wieder gegen seinen Teamkollegen durchsetzen konnte. 2:12 steht es im Qualifyingduell nun "nur noch" aus Sicht des Deutschen. Doch auch dieses kleine Erfolgserlebnis half in Japan wenig: Gleich beim Start zog Hamilton vorbei und fuhr anschließend das wohl beste Suzuka-Rennen seiner Karriere.

"Er wird sich ärgern, denn er hatte mit der Pole-Position die besten Voraussetzungen", weiß auch Niki Lauda. Er erklärt bei 'RTL': "Der Start ging nicht so glatt, wie er sich das vorgestellt hat. Damit wird das Rennen meist schon entschieden - vor allem, wenn man gegen Lewis fährt. Er kann nur immer wieder ansetzten, was er ja auch macht. In Sotschi werden wir dann sehen, ob er das im Training und in der ersten Runde schafft."

"Man kann es nicht erzwingen"

Doch langsam aber sicher läuft Rosberg die Zeit davon. Fünf Rennen sind es nur noch und sein Rückstand in der WM liegt mittlerweile bei 48 Zählern. Pro Rennen müsste er Hamilton also rund zehn Zähler abnehmen. "So oder so brauche ich auch ein bisschen Glück - oder Pech auf seiner Seite. Natürlich wünsche ich ihm das nicht, also eher Glück auf meiner Seite, sagen wir es mal so", erklärt Rosberg, der den Titel aus eigener Kraft bereits nicht mehr gewinnen kann.

"Es war ein Riesenschritt für Lewis, hier wieder mehr Punkte zu machen", weiß auch Lauda und erklärt: "Jeder will natürlich Weltmeister werden, aber es gibt ja noch andere, die das mitbestimmen. Jeder Rennfahrer weiß, was er machen muss, wenn's eng wird. Das sind Profis. Und man kann einen Titel nicht erzwingen oder herbeibeten. Im Moment sieht es aus, als wenn Lewis der Stärkere ist."

Das alte Sprichwort "knapp daneben ist auch vorbei" beschreibt Rosbergs Situation wohl am besten. Der Deutsche ist auch 2015 schnell und häufig nah an der Perfektion - doch Hamilton ist meistens eben noch einmal ein paar Hundertstel schneller. "Ich muss gestehen, dass das in diesem Jahr einige Male passiert ist. Ich habe eine Runde perfekt hingebracht und Lewis war trotzdem ein Zehntel oder so schneller. Das ist dann natürlich frustrierend", gesteht Rosberg bei 'Sky Sports F1'.

Rosberg gibt nicht auf

"Die einzige Möglichkeit, die Lücke zu Lewis zu schließen, ist es, Rennen zu gewinnen. Das ist mein Ziel", gibt sich der WM-Zweite kämpferisch. Seine Herangehensweise möchte er allerdings nicht ändern. "Ich werde so weitermachen und muss einfach noch etwas mehr finden. Wenn Lewis kein perfektes Wochenende hat und ich schon, dann können sich die Dinge schnell ändern."

"Momentan habe ich die schlechteren Chancen, das ist klar, das ist mir bewusst. Ich kämpfe aber bis zum Ende, genau wie im vergangenen Jahr. Obwohl mein Auto im letzten Rennen (Abu Dhabi; Anm.d . Red.) total kaputt war, wollte ich es ins Ziel schaffen, weil ich noch immer eine minimale Chance hatte. So wird es immer bleiben. Mein Fokus liegt allerdings auf den individuellen Rennwochenenden. Ich muss gewinnen", so Rosberg.

Die Frage ist allerdings, wie ihm das gelingen soll. Hamilton befindet sich in diesem Jahr in der Form seines Lebens, was vor allem das Rennen in Suzuka beweist. "Es war für viele Jahre nie ein besonders guter Kurs für mich", erinnert der Brite und verrät nach seinem Sieg: "Ich habe allerdings das Gefühl, dass ich heute und gestern den Schritt gemacht habe, für den ich so lange gebracht habe. Ich fühlte mich heute auf dieser Strecke besser als je zuvor."

Zuspruch vom Team

Wie also soll Rosberg Hamilton schlagen, wenn dieser jetzt selbst auf den Strecken schon gewinnt, die ihm eigentlich überhaupt nicht liegen? "Er wird deswegen nicht langsamer, demotivierter oder hört auf", ist sich Lauda allerdings sicher. "Im Gegenteil: Er wird es wieder versuchen, beim nächsten Rennen Punkte aufzuholen. Irgendwann kommt der Moment, wo er nicht mehr Weltmeister werden kann."

"Aber der Trieb, Lewis zu schlagen, auch ohne Weltmeister zu werden, muss aufrecht erhalten bleiben und das ist auch so bei Nico. Das gehört zum Sport dazu. Wenn man als Sportler realistisch ist, dann gehört dazu, dass man nicht immer gewinnen kann, sondern auch damit fertig werden muss, wenn ein anderer gewinnt. Für Sotschi muss er sich was neues überlegen", so der Österreicher.

"Er hat hier ja auch die Pole-Position geholt, was ja schon ein Erfolg war. Wenn er das jetzt in Sotschi wieder schafft und die erste Kurve dazu, dann kann es sich wieder umdrehen. Davon lebt man als Sportler, dass man sich immer wieder beweisen muss, dass es geht", weiß er und auch Teamchef Wolff gibt Rosberg "jede Chance, solange die WM mathematisch nicht entschieden ist."

Rosberg fehlt das nötige Glück

Ohne Frage ist Hamilton in diesem Jahr schneller als der Deutsche. Fakt ist allerdings auch, dass Rosberg in wichtigen Momenten häufig das Glück fehlte. In Monza - aufgrund der Charakteristik durchaus als Mercedes-Paradestrecke zu bezeichnen - flog ihm der Motor um die Ohren. Statt eine sichere Podiumsplatzierung einzufahren, ging er so komplett leer aus.

Als Hamilton im folgenden Rennen in Singapur seinen einzigen Nuller der Saison schrieb, konnte Rosberg das nicht nutzen und holte als Vierter nur zwölf magere WM-Punkte. Ähnliches Szenario auch in Ungarn: Der Weltmeister kam mit Problemen nicht über Rang sechs hinaus, doch auch hier konnte Rosberg nicht zuschlagen. Stattdessen erwischte es ihn mit Rang acht sogar noch schlimmer als seinen Teamkollegen.

Das sah im vergangenen Jahr noch ganz anders aus: Da nutzte Rosberg Hamiltons Schwächen und Pannen wesentlich konsequenter aus, was dazu führte, dass er die Weltmeisterschaft bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi offen halten konnte. In diesem Jahr scheint es hingegen sehr wahrscheinlich zu sein, dass der Weltmeister der Saison 2016 bereits vor dem Saisonfinale feststehen wird - und dass sein Name erneut nicht Nico Rosberg lauten wird.

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