"Nicht konstant": Kupplung die größte Gefahr für Hamilton?

, 05.09.2016

(Noch-)WM-Leader Lewis Hamilton fordert nach seinem schlechten Monza-Start, dass die Kupplung verbessert wird, doch Mercedes verteidigt die Technik

Wird der Titelkampf auf den ersten Metern des Rennens entschieden? Immer wieder in dieser Saison kommt einer der Mercedes-Stars nicht gut vom Fleck und bringt sich somit um seine Siegchance. In Hockenheim war es Nico Rosberg, in Monza Lewis Hamilton - obwohl er bis dahin das Wochenende dominiert und den Stallrivalen mit seinem Tempo demoralisiert hatte.

Obwohl Hamilton nach dem Rückfall von der Pole auf Platz sechs noch aus dem Cockpit funkte, "macht euch keine Sorgen, das war mein Fehler", wollte er nach dem Rennen von einem Eigenverschulden nichts mehr wissen. Das habe er nur gesagt, um seine Mannschaft zu beruhigen.

"Diese Kupplung funktioniert nach wie vor nicht konstant", hatte der WM-Leader das Problem nach dem Rennen rasch ausgemacht. "Das haben wir auch bei Nico in Hockenheim gesehen. Ich habe alles exakt genau so gemacht wie immer und wie vorgesehen, hatte aber durchdrehende Räder."

Schwierigeres Startprozedere

Dass trotzdem kein weißer Rauch wie bei einem Burnout zu sehen war, erklärt Hamilton so: "Wenn die Räder sanft durchdrehen, dann sieht man keinen Rauch, aber man hat Schlupf. Der Rauch kommt erst bei einer höheren Geschwindigkeit des Reifens, wenn Gummi verbrannt wird."

Ursache für die enormen Schwankungen bei den Starts in dieser Saison ist eine Reglementänderung: Die Ingenieure dürfen den Piloten in der Aufwärmrunde keine Anweisungen mehr geben, wie man den idealen Druckpunkt findet, außerdem verfügen die Piloten nur noch über einen Kupplungshebel, während es im Vorjahr noch zwei waren.

Wolff: Schlechter Start lag an Auto und Hamilton

Es kommt also wieder mehr auf den Fahrer an - und Rosberg rühmt sich damit, in der Sommerpause gezielt an seinen Starts gearbeitet zu haben. Am Rennwochenende selbst könne man das kaum noch üben, obwohl die Piloten regelmäßig am Ende der Boxengasse Starttests machen.

"Aber das ist eine ganz andere Welt als in der Startaufstellung", sagt der Monza-Sieger. "Am Ende geht es darum, die beste Schätzung zu machen. Das macht es so schwierig." Aussagen, die darauf hindeuten, dass nicht die Kupplung an sich problematisch ist, sondern man einen Weg finden muss, sie richtig zu bedienen.

"Heute haben es Mensch und Maschine eben nicht richtig hinbekommen", ist auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff der Meinung, dass man das Problem nicht komplett auf die Technik schieben kann. Die Mercedes-Kupplung sei nicht fehleranfälliger als die der Konkurrenzteams. "Ich finde sogar, dass wir unser System deutlich verbessert haben", ergänzt der Österreicher. "Wir sind aber sehr pominent mit unseren Starts, da unsere Fahrer sehr oft in der ersten Reihe stehen."

Nur keine Schuldzuweisungen: Wolff sorgt sich um Teamgefüge

Dass Hamilton mit dem Finger auf die Technik zeigt, sieht er dem Briten nach: "Ein Fahrer sagt in der Hitze des Gefechtes manchmal Dinge, vor allem, wenn er ein Rennen gegen den Teamkollegen verloren hat." Allgemein bemüht er sich aber darum, dass gegenseitige Schuldzuweisungen nicht zu Lagerbildung und Versagensängsten führt.

"In diesem Team wird niemandem die Schuld gegeben - nicht dem Fahrer, nicht dem Ingenieur", betont Wolff. "Wenn man damit anfängt, dann geht es bergab. Dann versuchen die Leute nur noch, ihren Arsch zu retten. Sie beginnen, konservativ zu denken anstatt die besten Entwicklungen einzubauen."

Sicher ist jetzt schon, dass die Kupplung am Dienstag bei der traditionellen Mercedes-Nachbesprechung des Rennens in Brackley das Hauptthema wird. "Daran müssen wir arbeiten", fordert Hamilton, der zwar meist schneller ist als Rosberg, aber die Kupplung als größte Gefahr für seine Titelverteidigung ausmacht.

Wolff wünscht sich eine konstruktive Herangehensweise: "Wir müssen uns der Sache ordentlich annehmen, weil es Lewis das Rennen gekostet hat. Und wir müssen alle zusammenhelfen, dass das nicht mehr passiert. Für ihn und für Nico."

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