Niki Lauda stellt klar: Keine Sanktionen gegen Lewis Hamilton

, 05.12.2016

Während Niki Lauda Lewis Hamilton für seine Blockade in Abu Dhabi freispricht, erklärt Paddy Lowe, was in den Schlussrunden wirklich am Kommandostand lief

Lewis Hamilton kommt nach der Missachtung der Teamorder beim Titelfinale in Abu Dhabi mit einem blauen Auge davon. "Wir haben unter die Angelegenheit einen Schlussstrich gezogen", sagt der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda gegenüber 'Mail on Sunday', obwohl dem Briten interne Konsequenzen angedroht wurden. Das Team hatte ihm vorgeworfen, beim Titelfinale auf dem Yas Marina Circuit mit seiner Blockadetaktik gegen Nico Rosberg den Mercedes-Sieg aufs Spiel gesetzt zu haben.

Doch jetzt reagiert Lauda mit einer überraschenden Kehrtwende: "Wir haben kein Problem mit der Art und Weise, wie Lewis in Abu Dhabi gefahren ist." Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte das kürzlich noch anders gesehen, kündigte aber an, die internen Spielregeln, wonach man den Teamkollegen vorbeilassen müsse, wenn man selbst nicht schnell genug ist für den Rennsieg, überdenken zu wollen.

Der Technikverantwortliche Paddy Lowe war es, der Hamilton in der Endphase den Befehl gab, das Tempo zu steigern, doch Hamilton ignorierte das, weil er den Titel nur gewinnen hätte können, wenn der direkt hinter ihm fahrende Rosberg aus den Podesträngen gefallen wäre.

Lowe verrät: Wolff wollte weitere Anweisung an Hamilton

Nun gibt Lowe Preis, dass er von Wolff nach dem wirkungslosen ersten Funkspruch erneut gebeten wurde, Hamilton zu ermahnen, doch der Brite hielt dies für keine gute Idee. "Nachdem ich Lewis gesagt hatte, er solle das Tempo steigern, da sorgte Toto bereits für die nächste Diskussion am Kommandostand, als er meinte: 'Sag es ihm noch einmal, er hat es nicht umgesetzt'", so Lowe, der verneinte und als Erklärung nachlieferte: "Wenn ich das noch einmal mache, dann sehe ich doch wie ein kompletter Schwachkopf aus."

Während Hamilton erklärte, dass der Sieg zu keinem Zeitpunkt auf dem Spiel gestanden wäre und er die Situation völlig im Griff gehabt habe, sah das vor allem Mercedes-Chefstratege James Vowles, der Einblick in alle Daten hat und rechts neben Lowe sitzt, etwas anders.

Meinungsverschiedenheiten am Kommandostand

"Es hat nicht mit seinen Berechnungen übereingestimmt, dass der Fahrer nicht das richtige Tempo vorlegte, damit hatte er ein Problem", schildert Lowe. "Er hat also gemeint: 'Sorge dafür, dass er Gas gibt, denn die Graphik sagt uns sonst, dass wir das Rennen verlieren werden'."

Lowe argumentierte mit gesundem Menschenverstand und meinte laut eigenen Angaben: "Glaubst du nicht, dass er das Gaspedal ein bisschen mehr durchdrücken würde, sobald er ein rotes Auto im Rückspiegel sieht?" Dennoch setzte er sich daraufhin direkt mit Hamilton in Verbindung, schließlich hatte Rosberg dem Befehl des Teams sofort Folge geleistet.

Wolff bereut Anweisung

Heute sieht Lowe die Angelegenheit deutlich gelassener: "Was passiert ist, ist in Ordnung, obwohl ich Lewis die Anweisung gegeben hatte, schneller zu fahren." Das Saisonfinale in Abu Dhabi war "ein großartiges Ende der Saison - nicht nur für das Team, sondern auch für den Sport. Dadurch haben wir sicher neue Fans gewonnen."

Interessant ist, dass auch Wolff inzwischen bereut, Lowe auf Hamilton losgelassen zu haben. "Im Nachhinein hätte ich den letzten Call nicht mehr gemacht und hätte damit den Paddy weniger exponiert", sagt der Mercedes-Motorsportchef.

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