Red-Bull-Teamchef vs. Renault: "Hatten nie den besten Motor"

, 25.09.2015

Teamchef Christian Horner verteidigt die Trennung von Renault und verweist auf wirtschaftliche Aspekte - Den Umgang mit den Franzosen findet er nicht zu hart

Red Bulls Trennung von Renault ist beschlossene Sache . Der viermalige Weltmeister wird ab der Saison 2016 nicht mehr mit den Aggregaten der Franzosen an den Start gehen. Das lässt viele Fragen im Hinblick auf die Zukunft offen. Kritisch wird von vielen vor allem die Tatsache gesehen, dass Red Bull sich von Renault trennte, obwohl noch kein Nachfolger gefunden ist. Während die Bullen weiterhin nach einem Motor für 2016 suchen, verteidigt Teamchef Christian Horner die Entscheidung.

"Sie hatten wahrscheinlich nie den besten Motor", erklärt Horner gegenüber 'Sky Sports F1', als er auf die gemeinsamen Jahre mit Renault zurückblickt. "Während der V8-Ära haben sie aber ein paar tolle Dinge gemacht, wie zum Beispiel mit dem angeblasenen Diffusor. Während dieser Zeit hat die Beziehung extrem gut funktioniert. Wir haben 50 Rennen und acht WM-Titel gewonnen."

"Seit sich die Antriebsregeln geändert haben, leben wir allerdings in einer anderen Welt", erklärt Horner den Grund, warum sich das Verhältnis nach dem Ende der Saison 2013 spürbar abkühlte. "Es gibt eigentlich nur zwei Motoren, mit denen man um Grand-Prix-Siege kämpfen kann. Leider ist Renault da zurückgefallen", sagt der Teamchef, der damit die Antriebe von Mercedes und Ferrari meint.

"Wir dürfen sauer sein"

"Es sieht so aus, dass es mindestens zwei oder drei Jahre dauern wird, bevor sie wieder in einer konkurrenzfähigen Position sind. Als zahlender Kunde können wir es uns nicht erlauben, so lange zu warten", erklärt Horner den Standpunkt seines Teams aus wirtschaftlicher Sicht. Red Bull ging 2007 erstmals mit Renault-Motoren an den Start, seit 2014 fährt auch Schwesterteam Toro Rosso mit Aggregaten der Franzosen.

Dass man in der Vergangenheit häufig zu hart mit Renault ins Gericht gegangen ist, glaubt Horner nicht. "Ich denke, dass wir einfach nur offen und ehrlich waren", erklärt der Red-Bull-Teamchef und ergänzt: "Man kann sich hinter PR-Texten verstecken, aber letztendlich geht es in diesem Business um Ergebnisse. Und Renault hat ehrlich gesagt einfach nicht abgeliefert."

Sein Fazit: "Sie haben ihr Ziel verpasst. Und wenn du für dieses Produkt bezahlst, dann hast du auch das Recht, deswegen etwas sauer zu sein." Offen bleibt aber noch immer, wer die Nachfolge der Franzosen antreten soll. Nachdem Mercedes bereits abgesagt hat, bleibt aus dem aktuellen Feld nur Ferrari als einzig verbliebene Alternative übrig. Doch warum sollte Ferrari einen direkten Konkurrenten stärken?

Ferrari oder Plan B?

"Ich denke, das Problem besteht darin, dass es viele verschiedene Interessen gibt. Man kann sich vorstellen, dass Teams den Erzrivalen natürlich nicht ausrüsten wollen", erklärt Horner und zieht einen Vergleich: "Das wäre so, als würde im Fußball Manchester United Spieler an Manchester City verleihen. Das würde normalerweise nicht passieren. Die Situation, die wir jetzt haben, ist aber viel größer als das."

"Es geht um die Zukunft der Formel 1 und um zwei konkurrenzfähige Teams", hält Horner fest und erklärt: "Der Sport braucht Teams wie Ferrari, Red Bull, Mercedes, McLaren oder Williams. Ich denke nicht, dass es sich die Formel 1 aktuell erlauben kann, diese zwei Teams zu verlieren." Obwohl mit Haas im kommenden Jahr ein weiteres Team in die Königsklasse einsteigt, wäre der Verlust von Red Bull und Toro Rosso extrem hart.

Allerdings scheint Ferrari nicht die letzte Hoffnung der Bullen zu sein. Möglicherweise gibt es einen geheimen Plan B , laut dem die beiden Teams in Zukunft mit Motoren eines unabhängigen Herstellers antreten wollen, der aktuell nicht in der Formel 1 vertreten ist. Technisch wäre es beispielsweise möglich, einen WEC-Motor entsprechend umzurüsten. Voraussetzung wäre die Einführung einer sogenannten "Balance of Performance" (BoP).

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