Rosberg tröstet Hamilton: "Schlimmer Moment seiner Karriere"

, 24.05.2015

Der Monaco-Sieger war dank "Eisreifen" überzeugt, gegen Hamilton den Kürzeren zu ziehen und glaubt, seinen Erfolg in zehn Jahren "ziemlich cool" zu finden

Nico Rosberg hat in seinem Leben angenehmere Podiumszeremonien als die nach dem Monaco-Grand-Prix am Sonntag hinter sich gebracht. Das lag nicht an der royal-gediegenen Atmosphäre vor der Fürstenloge, sondern an seinem am Boden zerstörten Teamkollegen Lewis Hamilton, der Größe bewies und dem Rivalen gratulierte. "Für das ganze Team ist es merkwürdig", sagt Rosberg bei 'Sky Sports F1'. "Sie wissen, dass Lewis es verdient hätte, zu gewinnen. Manchmal ist Sport brutal und der Horror."

Er selbst hätte so viel Glück wie nie zuvor in seiner Karriere gehabt, räumt der Wiesbadener vor dem Hintergrund des Strategiefehlers beim Stallgefährten ein. Nicht jedoch, dass die Umstände des zehnten Grand-Prix-Erfolgs seiner Laufbahn die Freude hemmen würden. "Monaco zu gewinnen ist Monaco zu gewinnen. Ich freue mich", so Rosberg. Er beweist, dass Hamilton trotz der abgekühlten Atmosphäre weiter nicht nur Gegner, sondern auch noch ein Monaco-Nachbar und ein Freund aus Kindheitstagen ist.

Rosberg fühlt mit: "Das ist einer der schlimmste Momente seiner Karriere", sagt er und stellt nur die im Jahr 2007 beim Saisonfinale in Brasilien verlorene WM-Krone darüber. "Weit weg ist es aber nicht, zumal er so einen tollen Job gemacht und sich nicht den kleinsten Fehltritt geleistet hat." Denn auf der Strecke war Rosberg gegen den amtierenden Champion ohne jede Chance, er hatte sich nach gut zwei Dritteln des Rennens mit dem Silberrang und dem missglückten Fürstentum-Hattrick abgefunden.

In zehn Jahren ist alles "ziemlich cool"

Doch dann kamen das Safety-Car und der verhängnisvolle Boxenstopp: "Ich brauchte erst einen Moment, weil ich nicht kapiert habe, was los war", sagt Rosberg über die plötzliche Führung. "Ich sah das Safety-Car, aber keinen Lewis vor mir. Ich dachte nur als sie Reifen an Reifen hinter mir waren : 'Was zur Hölle...'" Wie gut es Fortuna mit ihm meinte, war ihm gar nicht klar, schließlich bereiteten die Pneus wie schon in den Tagen zuvor Probleme. Die lange Schleichfahrt drohte zum Waterloo zu werden.

Rosberg war innerlich auf Rang zwei eingestellt: "Ich war mir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass Lewis gewinnen würden. Diese Reifen waren wie Eis, sie waren gefroren. Meine Ingenieure haben mir Temperaturen genannt, die ich noch nie zuvor gehört habe." Doch das Gegenmittel Bodenblech-Kontakt im Fußraum rechts wirkte wie so oft in der Formel-1-Geschichte wahre Wunder, die rote Panzersperre Sebastian Vettel tat ihr Übriges hinzu: "Ich habe Druck gemacht wie ein Verrückter, dann ging es wieder."

Keine Partynacht ohne Sondererlaubnis der Ehefrau

Der fade Beigeschmack des Erfolges wird vergehen, meint Rosberg: "In zehn Jahren denke ich zurück und denke mir: 'Ziemlich cool!'" Neben dem Comeback auf der Strecke feiert er auch eine Wiederauferstehung in der WM-Gesamtwertung und verkürzt den Rückstand auf Hamilton auf zehn Zähler. "Der Zweifel ist ein ständiger Begleiter, aber ich verjage ihn mit Zuversicht", merkt Rosberg vor dem Hintergrund seiner jüngsten Schlappen an.

Das liegt vielleicht auch am "Glücksbauch" seiner schwangeren Ehefrau Vivian, die das heimische Monaco beim Feiern nicht unsicher machen wird: "Ich muss meine Frau um eine Sondererlaubnis fragen. Sie geht um zehn Uhr ins Bett" mimt Rosberg den braven Gatten, wenn es um die Siegerparty nach dem Besuch beim Fürsten geht.

Auf seinen angeheirateten Talisman will der 29-Jährige aber nicht bis zum Saisonende vertrauen: "Nicht, dass sie noch alle Rennen mitmachen muss...", sagt Rosberg schmunzelnd. Die angesprochene Vivian ist im Gespräch mit 'RTL' überzeugt, dass die nächste Generation der Rosbergs auch mitfieberte: "Ja natürlich, es ist unglaublich! Ich kann es noch gar nicht realisieren! Es war bis zur letzten Sekunde sehr, sehr spannend, und ich glaube, die Kleine hat auch schon ordentlich getreten."

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