Schumacher und der Mythos Ferrari: "Interessierte ihn nicht"

, 20.10.2015

Wie Michael Schumacher es schaffte, die Herzen anfangs pikierter Tifosi für sich zu gewinnen und wieso Sebastian Vettel es in dieser Hinsicht einfacher hat

Auch neun Jahre nach seinem Ausscheiden bei Ferrari ist Michael Schumacher noch immer Teil der roten Familie. Es ist fünf WM-Titeln für den Kerpener und einer Ära einer zuvor nicht gekannten Dominanz in der Formel 1 zu verdanken, dass sich gegenseitige Liebe entwickelte und Schumacher in Maranello bis heute vergöttert wird. Kurz nach seinem Wechsel von Benetton zu Ferrari stieß der damals 28-Jährige noch auf Skepsis - auch, weil er niemand war, der sich für die Scuderia-Historie begeisterte.

Managerin Sabine Kehm erinnert sich in der 'ARD': "Er war nicht als Kind unterwegs und hat die alten Formel-1-Rennen angeschaut, hätte Fangio oder Ascari bewundert. Er kam relativ unbelastet zu Ferrari. Die große Geschichte hat ihn gar nicht weiter interessiert." Mit dieser Herangehensweise steht Schumacher im krassen Kontrast zu Sebastian Vettel, der seit seinem Einstieg bei den Roten von einem Mythos und der Familienatmosphäre schwärmt: "Wie beim Italiener um die Ecke", sagt der Heppenheimer.

Schumacher hingegen hatte das Ziel vor Augen, Ferrari nach langer Durststrecke zurück zu alter Stärke zu führen. "Er hatte einen klaren Auftrag, er wollte sich selbst weiterentwickeln", betont Kehm. Doch das war gar nicht so einfach, schließlich standen selbst einem amtierenden Weltmeister Ressentiments im Weg. Erstens kam Schumacher mit Benetton ebenfalls von einem italienischen Team. Status damals: Lokalrivale. Zweitens war seine fehlende Vorliebe für Historisches vielen fremd.

Atmosphäre "wie beim Italiener um die Ecke"

"Was dann anfangs auch zu Missverständnissen führte", unterstreicht Managerin Kehm und denkt auch an negative Reaktionen: "Die italienischen Fans und auch die Ferrari-Leute waren ein bisschen pikiert und ein bisschen erstaunt." Doch Schumacher hätte im Laufe der Zeit bewusst versucht, sich anzupassen und sich diese Werte anzueignen. "Er hat das Beste aus zwei Welten zusammengeführt", so Kehm weiter.

Deutsche Zielstrebigkeit und italienische Leidenschaft in Kombination führten mit der Zeit und mit den Erfolgen dazu, dass Schumacher bei Ferrari zur Legende wurde. Das ist auch Vettel nicht verborgen geblieben: "Es ist toll zu sehen, dass Michael hier noch sehr lebendig ist", sagt der über die Fabrik in Maranello und denkt dabei an zahlreiche Fotos und Erinnerungsstücke, die die Wände schmücken. "Die Leute reden sehr, sehr gut über ihn. Er ist immer noch Teil dieses Teams", meint Vettel.

Er eifert bei Ferrari nicht nur dem Mythos des Springenden Pferdes nach, sondern auch seinem Idol aus Kindheitstagen. "Wenn man hier erfolgreich ist, ist es einfach etwas anderes", erklärt Vettel. Wandelt er auf Schumachers Spuren? Bei Ferrari sagt man bereits nach zehn Monaten über ihn, dass seine Motivation und seine Konzentration erstaunlich sein. Renningenieur Riccardo Adami, der schon an der Seite des 18-jährigen Jungspunds bei Toro Rosso der Mann im Ohr war, will in den vergangenen zehn Jahren keine Veränderung festgestellt haben.

Und auch Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard verneigt sich: "Ein großartiger Fahrer", findet der Schotte, "es war schon erstaunlich, dass Leute zu seiner Red-Bull-Zeit gesagt haben, er gewänne nur, weil er im besten Auto sitzen würde."

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