SF15-T: Ferrari zeigt Sebastian Vettels erste rote Göttin

, 30.01.2015

Mit der Präsentation des SF15-T hat die Ära Sebastian Vettel bei Ferrari begonnen: Gelingt der Scuderia mit den neuen Auto die Rückkehr an die Spitze der Formel 1?

Ferrari ließ am Freitagmittag die Hüllen fallen - zumindest virtuell. Nachdem die Scuderia in der vergangenen Woche mit einem Teaser-Video und einer Hörprobe vom ersten Anlassen einen Vorgeschmack auf das neue Formel-1-Auto für die Saison 2015 gegeben hatte, stellte das Team den SF15-T genannten Boliden im Internet vor. Mit dem klassisch-roten Renner sollen Neuzugang Sebastian Vettel und Teamkollege Kimi Räikkönen die Schmach der vergangenen Saison vergessen machen.

Der neue SF15-T hat optisch viel Ähnlichkeit mit seinem Vorgänger, was nicht nur an seiner zeitlosen Lackierung liegt. Die flache Nase erinnert an das Fahrzeug für 2014, dessen Lösung mit dem neuen Reglement in deutlich mehr Punkten korrespondierte als die Entwürfe der Konkurrenz. Im Gegensatz zu vielen anderen Teams verzichtet Ferrari auf jeden Schnickschnack an der Spitze und wählt eine einheitliche, aber spitz und fast dreiecksförmig zulaufendes Design.

Unter den Sponsoren befinden sich die üblichen Verdächtigen wie Inkognito-Geldgeber Marlboro, Shell, UPS und - trotz Fernando-Alonso-Abgang - auch Santander. Neu sind die FIAT-Marke Alfa Romeo und der Automotive-Konzern des Neo-Teamgründers Gene Haas, der mit seiner US-Equipe künftig Technikpartner in Maranello sein wird.

Arrivabene findet das neue Auto "sexy"

Mit der Vorstellung des SF15-T beginnt bei Ferrari eine neue Ära, denn im vergangenen Jahr blieb bei der Scuderia nach der ersten sieglosen Formel-1-Saison seit 21 Jahren kaum ein Stein auf dem anderen. Übervater Luca di Montezemolo gab die Ferrari-Präsidentschaft an Sergio Marchionne ab. Der glücklose Marco Matiacchi wurde als Teamchef nach nur sieben Monaten im Amt durch Maurizio Arrivabene abgelöst. In der Technik-Abteilung mussten unter anderem Chefingenieur Pat Fry und Chefdesigner Nikolas Tombazis ihren Hut nehmen. Dafür kaufte man sich in Maranello unter anderem das Mercedes-Know-how des Jock Clear ein.

Dem früheren Tabakmanager Arrivabene gefällt der erste Formel-1-Bolide, in den er persönlich Befehle funken wird: "Enzo Ferrari hat mal gesagt, dass das schönste Auto immer jenes ist, das gewinnt. Im vergangenen Jahr hatten wir ein hässliches Auto - und es hat nicht gewonnen", erklärt er und offenbart ein Faible für die neuen Dienstkutschen der Piloten: "Das diesjährige Auto mag ich aus ästhetischen Gewichtspunkten gern. Über die Performance weiß ich noch nichts, aber es sieht sexy aus."

Noch spektakulärer als die Rochaden in der Technikabteilung war jedoch ein Fahrerwechsel. Vettel ließ Red Bull nach vielen Jahren hinter sich und folgte der roten Versuchung, nachdem Fernando Alonso nach fünf vergeblichen Anläufen auf den WM-Titel entnervt das Handtuch geworfen und zu McLaren geflüchtet war. Mit Vettel und Räikkönen sind nun zwei gute Freunde Teamkollegen bei Ferrari. Unterstützt werden sie durch Ersatzfahrer Esteban Gutierrez und Simulator-Pilot Jean-Eric Vergne, die ebenfalls neu zum Team gestoßen sind. Den Franzosen strafte Ferrari bei der offiziellen Präsentation mit Missachtung.

Gänsehaut: Vettel fiebert Mythos Rot entgegen

Vettel scharrt vor dem ersten Dienstausflug, den er zu Beginn der Testfahrten im spanischen Jerez am Sonntag persönlich bestreiten darf, mit den Hufen: "Es ist etwas ganz Spezielles. Ich kann es kaum abwarten. Schon der Test des 2012er Fahrzeugs war etwas Besonderes, etwas Magisches." Der neue Lack und die neuen Klamotten haben dem Heppenheimer den Mund wässrig gemacht, was die Mythosmarke als Arbeitgeber betrifft: "Alles ist Rot und diese Farbe ist so speziell. Sie besitzt so große Tradition."

Die Kommunikation mit den Kollegen ist für Vettel kein Problem: "Wir werden über die gleichen Dinge sprechen, aber in einer anderen Sprache. Das heißt, wir gebrauchen für die gleichen Sachverhalte andere Worte." Dabei kann er auf einige Brocken Italienisch zurückgreifen, die ihm aus seiner Toro-Rosso-Zeit in Faenza geblieben sind. Trotzdem stapelt Vettel bei der Mercedes-Jagd tief: "Es hat sich vieles verändert und alles muss sich setzen, ehe wir Fortschritte erzielen können. Es wird schwierig, von Anfang an dabei zu sein."

Räikkönen: "Eigentlich ist alles gleich"

Während für Vettel alles neu ist, kehrt Stoiker Räikkönen in Maranello in sein gewohntes Umfeld zurück und sieht die Sache bekanntermaßen nüchtern: "Es ist eigentlich alles gleich", bemerkt er über den SF15-T. "Ich musste beim Anpassen des Sitzes nicht vieles ändern. Es war schon alles an der richtigen Stelle." Trotzdem wittert der Finne Fortschritte, was die Performance betrifft: "Wir haben viele Dinge verstanden und hoffentlich können wir als Team Schritt für Schritt immer stärker werden."

Kampfansagen spart sich der 35-Jährige, dem 2014 immer wieder eine nervöse Vorderachse einen Strich durch die Rechnung machte: "Natürlich wollen so stark sein, wie wir nur können, aber es ist zu früh um zu sagen, wo wir stehen. Ich werde mir jetzt noch keine konkreten Ziele stecken." Genau wie Räikkönen bleibt auch Vettel unverbindlich, schielt aber auf mehr Grand-Prix-Erfolge als den von Arrivabene als Nahziel anvisierten einen großen Pokal. "Wir wären glücklicher, wenn es mehr wären", so der viermalige Weltmeister.

Nach desaströsen Saison 2014 wartet auf Vettel bei Ferrari allerdings viel Aufbauarbeit. Doch das dafür ein deutscher Fahrer eine gute Wahl sein kann, zeigt in Blick in die Geschichte. 1996 stieß Michael Schumacher zum sportliche dahinsiechenden Ferrari-Team, baute um sich herum eine schlagkräftige Truppe auf und führte das Team schließlich wieder an die Spitze zurück. Was folgte war die wohl größte Dominanz in der Formel-1-Geschichte, deren Ergebnis fünf aufeinanderfolgende WM-Titel und 72 Grand-Prix-Siege waren . Nun muss Vettel zeigen, ob er diese großen Fußstapfen ausfüllen kann.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in Kürze an dieser Stelle.

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