Todt: Vettel kann Michael Schumachers Rekord übertreffen

, 05.03.2016

Sebastian Vettel relativiert den Druck, der auch von FIAT-Boss Sergio Marchionne auf ihm lastet - Ex-Ferrari-Teamchef sieht wenig Parallelen zu Schumacher

Der ehemalige Ferrari-Teamchef Jean Todt glaubt, dass Sebastian Vettel die einst von seinem Schützling Michael Schumacher aufgestellten Formel-1-Rekorde einstellen und sogar übertreffen kann: "Sebastian ist ein Teamleader und ein großartiger Rennfahrer, vor allem aber ist er noch sehr jung. Wenn er motiviert bleibt, kann er gut und gerne auch neun WM-Titel holen", sagt der heutige FIA-Präsident im Interview mit 'Auto Bild motorsport'.

Das werde allerdings "viel vom Auto abhängen", ergänzt Todt. Doch es sind genau Aussagen wie diese, die gerade die italienische Presse liebend gern aufgreift und damit eine mediale Erwartungshaltung erzeugt, die es in der Formel 1 nur bei Ferrari geben kann. Nachdem Vettel 2015 seine ersten Siege für die Scuderia gefeiert hat, wäre im zweiten Jahr alles andere als ein Eingreifen in den WM-Kampf gegen Mercedes zumindest eine kleine Enttäuschung.

Aber Vettel lässt sich davon nicht unter Druck setzen und betrachtet es nicht grundsätzlich negativ, wenn die Bäume in Italien in den Himmel wachsen: "Ich glaube, dass meine Erwartung höher ist als die Erwartung, die andere von außen haben können. Außerdem ist es ja sehr positiv, wenn man oft zu hören bekommt, dass die Erwartungen sehr hoch sind. Es bedeutet auch, dass die Leute in gewisser Weise Hoffnung in einen setzen."

Vettel will Weltmeister werden

Vettels eigene Hoffnungen sind klar definiert: "Mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden und Rennen zu gewinnen. Alles andere ist für mich nicht gut genug. So geht es dem ganzen Team." Allen voran FIAT-Chef Sergio Marchionne, der Ferrari nach acht Jahren ohne WM-Titel endlich wieder ganz oben sehen möchte. Der Legende nach soll Marchionne in der Fabrik in Maranello sogar Fotos vom Mercedes-Team aufhängen haben lassen, um die Mitarbeiter dort zu motivieren.

Noch härter und länger arbeiten, lautet die Devise, aber dass Marchionne ein diktatorisches Regime aufgezogen hat, wie es seinerzeit auch unter Todt der Fall war, lässt Vettel so nicht stehen: "Man muss auf dem Boden bleiben. Es ist nicht so, als würde einmal die Woche ein Wind in Form unseres Chefs durch die Fabrik gehen, bei dem jedem die Hölle heiß gemacht wird. Eher im Gegenteil. Er steht hinter dem Team und sagt das auch oft genug."

Parallelen zu den Schumacher-Anfängen

Jahrelang ohne WM-Titel, neue Führungspersönlichkeiten, strenges Regime und ein deutscher Ex-Weltmeister im Cockpit: Viele erinnert die Situation bei Ferrari an die mittleren bis späten 1990er-Jahre, als Michael Schumacher die Aufbauarbeit für die goldenen Jahre 2000 bis 2004 leistete. Aber Todt, damals Teamchef der Scuderia, findet, dass dieser Vergleich "nicht wirklich" zulässig ist.

"Als ich damals zu Ferrari gekommen bin, war das Team auf einer Skala von eins bis zehn bei drei. Als Sebastian zu Ferrari gewechselt ist, war es bei sieben - und hat schnell weitere Fortschritte gemacht", relativiert der Franzose, der kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert hat . "Sebastian muss nun das Team konsolidieren und die Lücke zur Spitze schließen. Das ist einfacher als damals bei uns."

"Die einzige Gemeinsamkeit, die sie haben: Sie sind beide deutsche, hochtalentierte Fahrer, die für ein italienisches Team fahren. Und sie können eine Mannschaft mit ihrem Erfolgshunger mitreißen", sagt Todt. Aber bis Vettel Schumachers 72 Siege und fünf WM-Titel auf Ferrari egalisiert hat, ist es noch ein langer Weg. Immerhin: Bis Schumacher erstmals in Rot Weltmeister wurde, dauerte es auch fünf Jahre. So gesehen wäre Vettel erst 2019 dran...

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