Große Angst vor Mercedes: Noch dominanter als 2015?

, 05.03.2016

"Auf einem anderen Planeten" und "wird sich gewaschen haben": Nach den Formel-1-Tests in Barcelona führt der Weg zum WM-Titel 2016 nur über Mercedes

Nach den Wintertests 2016 geht in der Formel 1 die große Angst um: Kann Mercedes die 16 Siege aus 19 Rennen in der vergangenen Saison sogar noch übertreffen? Denn auch wenn Ferrari mit der neuen Schubstangen-Vorderradaufhängung deutliche Fortschritte gemacht zu haben scheint, sind sich vor dem ersten Rennen in Melbourne doch fast alle Experten einig: Mercedes ist die Messlatte.

Zweieinhalb Zehntelsekunden fehlten dem Mercedes F1 W07 Hybrid in der kulminierten Zeitentabelle aller Wintertests auf den Ferrari SF16-H, aber dazu muss man wissen: Während Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen ihre Bestzeiten mit den weichsten Ultrasoft-Reifen aufstellten, fuhren Nico Rosberg und Lewis Hamilton ihre mit dem um zwei Stufen härteren Soft-Pirelli. Der ist nach Angaben des Reifenherstellers gegenüber 'Motorsport-Total.com' pro Runde um 1,1 bis 1,2 Sekunden langsamer.

"Mercedes hat einen Vorsprung, der immens ist", analysiert beispielsweise Formel-1-Experte Eddie Jordan gegenüber 'Auto Bild motorsport'. "Die können beim Reifenwechsel noch eine Tasse Kaffee trinken und trotzdem gewinnen!" Jordan ist überzeugt: "Dass Ferrari Mercedes regelmäßig schlägt, ist doch nur Träumerei. Die Frage wird sein: Wie nahe lässt Mercedes sie herankommen, damit die Dominanz nicht zu offensichtlich wird?"

Williams glaubt: Mindestens vier Zehntel Vorsprung

Für diese Theorie spricht nicht nur die Williams-Datensimulation, die Mercedes derzeit um mindestens vier Zehntelsekunden vor allen anderen sieht, sondern auch die Tatsache, dass am F1 W07 Hybrid jeden Tag neue Teile aufgetaucht sind. Am Mittwoch in Barcelona war etwa der Monkey-Seat, ein Flügelprofil im Bereich des Auspuffs, noch dreiteilig; am Donnerstag verschwand er zwischenzeitlich völlig vom Auto, am Freitag war ein zweiteiliger Monkey-Seat angeschraubt.

Mercedes testete auch kleine Details an den Gurney-Flaps, also den abschließenden Lippen einer Flügelplatte, ein völlig neues Barge-Board samt Unterboden und eine extrem schmale Nase mit einem S-Schacht, der die Luftströmung über dem Chassis optimieren und den Unterdruck unter dem Chassis für mehr Bodenhaftung erhöhen soll. Das sind alles keine revolutionären Ideen, aber niemand hat im Winter jeden Tag so konsequent detailoptimiert wie die Silberpfeile.

Kein Wunder also, dass das Selbstvertrauen groß ist: "Wir haben das Gefühl, dass wir uns möglicherweise in einer stärkeren Position als im vergangenen Jahr befinden", sagt Weltmeister Hamilton und klingt dabei fast nach Warnschuss, zumal er ergänzt: "Wir sind noch nicht an die Grenzen des Autos gegangen." Mercedes konnte sich sogar den Luxus leisten, bei Pirelli gar keine Ultra- oder Supersoft-Reifen zu bestellen. Diese werden in Barcelona auch im Rennen nicht gefahren, also bringe es nichts, sie jetzt zu testen, heißt es.

Zweckpessimist: Rosberg stapelt tief

Rosberg, der am Freitag zwar Letzter war, aber anschließend vom besten Testtag seines gesamten Winters sprach, relativiert Hamiltons Einschätzung ein wenig: "Unsere Simulationen sagen, dass Ferrari nah dran ist." Aber bei Ferrari hat man schon eingesehen, dass zumindest in den ersten Saisonrennen gegen Mercedes kein Blumentopf zu gewinnen ist. Sebastian Vettel musste gestern eingestehen: "Wir sind nicht ganz da, wo wir sein wollen."

Dass der gestrige Getriebeschaden (zumindest mutmaßlich, Mercedes bestätigt lediglich einen Defekt in der Kraftübertragung) von Hamilton ein Hoffnungsschimmer für Ferrari sein könnte, wie einige Medien prompt berichteten, ist in Wahrheit völliger Unsinn. Während der Ferrari in den beiden Wochen immer wieder kleinere Probleme verursachte, lief der Mercedes völlig reibungslos und gewann das Kilometer-Duell mit 6.024 zu 3.975. Dass am letzten Tag mal ein Teil das Ende seiner Lebensdauer erreicht, ist da nicht weiter außergewöhnlich.

Für die neutrale Konkurrenz steht jedenfalls fest, dass der Weg zum WM-Titel nur über Stuttgart führen kann. "Mercedes ist auf einem anderen Planeten", sagt etwa Renault-Rookie Jolyon Palmer, der am Schlusstag das Vergnügen hatte, einmal direkt hinter Hamilton zu fahren. Und Nico Hülkenberg glaubt, dass Mercedes die Karten noch nicht einmal ansatzweise aufgedeckt hat: "Was die zeitenmäßig auspacken können, wird sich gewaschen haben."

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