Trotz Alonso-Blockade: Vettel stürmt bis auf Platz vier

, 29.11.2015

Starke Aufholjagd von Sebastian Vettel beim Großen Preis von Abu Dhabi 2015 - James Allison übernimmt volle Verantwortung für Qualifying-Desaster

Es wurde die prognostizierte Aufholjagd und der prognostizierte Platz für Sebastian Vettel auf dem Yas Marina Circuit: Der Ferrari-Pilot fuhr sich vom 15. Startplatz bis auf Rang vier nach vorn und musste nur den beiden Mercedes-Piloten und seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen den Vortritt lassen. Leicht wurde es ihm nicht gemacht: Bei einer Überrundung von Fernando Alonso blieb Vettel hängen, doch eine realistische Chance auf das Podium hatte er nie. Die Fahrt konnte sich dennoch sehen lassen.

"Eigentlich können wir sehr zufrieden sein", bemerkt Vettel nach dem Rennen, das ihm viele spannende Kämpfe eingebracht hat und spricht die umstrittene Szene gar nicht mehr an. Während des Rennens echauffierte er sich nämlich mächtig. "Er muss mich wirklich hassen! Ich weiß nicht, was nicht mit ihm stimmt. Ich verliere eine Sekunde nur deswegen!", fluchte der viermalige Weltmeister während des Rennens im Funk über den McLaren-Piloten, der sich bei einer Überrundung etwas breiter machte als er tun sollte.

Es war nicht die einzige Begegnung, die er mit dem spanischen Doppelweltmeister in diesem Rennen hatte. "Das Rennen hätte schon in der ersten Kurve zu Ende sein können", hebt der 28-Jährige bei 'RTL' den Vettel-Finger. "Alonso hat sich verbremst, Pastor (Maldonado; Anm. d. Red.) abgeräumt und mich auch noch leicht erwischt. Gott sei Dank ist aber nichts am Auto kaputt gegangen."

Kleiner Einbruch im zweiten Stint

Sebastian Vettel ist auf den härteren Reifen ins Rennen gestartet und konnte sich zu Beginn aus größeren Scharmützeln raushalten. Es ist natürlich schwer, mit den härteren Reifen gegen die ganzen Leute, die auf weichen Reifen fuhren, im Pulk zu kämpfen", berichtet er über die frühe Phase in seinem Rennen. Die Strategie sollte sich jedoch als goldrichtig erweisen: Binnen zehn Runden waren alle Gegner an die Box gegangen und Vettel konnte in einen flotten Rhythmus übergehen. "Ich wusste, dass es die wichtigste Zeit im Rennen für mich werden würde, wenn alle anderen an die Box kommen."

Und so drehte er 23 Runden, die Reifen schienen ewig zu halten. Vettel nutzt dies für ein Lob an Pirelli, was bemerkenswert ist, nachdem er sich in Spa-Francorchamps noch lautstark beschwert hatte: "Es war gut zu sehen, wie die Reifen gehalten haben. Der erste Stint war ganz gut". Doch nach dem ersten Boxenstopp lief es nicht mehr so rund: "Im zweiten Stint bin ich etwas abgefallen, der war nicht ganz so gut. Ich geriet in viel Verkehr und musste Kimi passieren lassen. Das hat zwar nur wenig Zeit gekostet, hat mich aber aus dem Rhythmus gebracht."

Weil Vettel hier so viel verlor, war er nach dem letzten Boxenstopp nur Sechster. Da er aber noch den superweichen Reifen benutzen musste, konnte er Daniel Ricciardo und Sergio Perez schnell und problemlos überholen. "Natürlich hätte ich gern mit einem Podium abgeschlossen, aber es war nicht machbar gegen Kimi", zieht er eine Schlussbilanz. "Trotzdem können wir zufrieden sein: Nach dem Patzer gestern waren wir voll da. Wir haben das Beste herausgeholt."

Allison nimmt alle Schuld auf sich

Und genau für diesen Patzer gibt es mittlerweile einen Schuldigen: James Allison traf die verhängnisvolle Entscheidung im Qualifying am Samstagabend, Sebastian Vettel in Q1 seinen Versuch auf superweichen Reifen abbrechen zu lassen, um sie für den zweiten Durchgang zu schonen, den Vettel aber durchs Abdrehen gar nicht mehr sehen sollte. "Ich bin glücklich über die Aufholjagd von Seb, der sich von meinem lächerlichen Fehler gestern gut erholt hat", sagt der Technikchef von Ferrari bei 'Sky'. "Das war komplett meine Schuld."

Für Ferrari gab es unterm Strich keinen Punktverlust, da Kimi Räikkönen Dritter wurde. So sieht es auch Vettel, der den Teamaspekt in den Vordergrund stellt: "Wir konnten leider keinen Druck auf Mercedes ausüben, deshalb haben wir heute das Optimum für das Team herausgeholt, was die Plätze drei und vier sind." Für ihn selbst sei es nur etwas mehr Arbeit gewesen. "Aber dafür hat es Spaß gemacht. Ich habe es genossen", schließt er ab.

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