Vettel bei Ferrari: "Es wird nicht nur gelacht und gegessen"

, 01.02.2015

Ex-Weltmeister Sebastian Vettel ist fest entschlossen, seinen ersten Sieg in der V6-Turbo-Ära ausgerechnet für Ferrari einzufahren, weiß aber, dass es Zeit braucht

Mit seiner Bestzeit am ersten Tag des Formel-1-Winters 2015 legte Sebastian Vettel einen guten Beginn seines Daseins als Ferrari-Pilot hin. Überbewertet wissen will die er die Rundenzeit aber ebenso wenig wie Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. Dennoch: Aus dem Auftakt schöpft Vettel große Motivation, mit Ferrari früher oder später den Anschluss an die Spitze zu schaffen. Seinen Einstand im Team betrachtet der Nachfolger von Fernando Alonso schon einmal als gelungen - und zwar unabhängig von den am Sonntag zurückgelegten 60 Runden und Platz eins in der Zeitenliste.

"Man hat es mir leicht gemacht. Die Leute waren sehr offen. Ich wurde wirklich mit offenen Armen empfangen. Dass die Italiener etwas sehr Herzliches an sich haben, kennen wir alle vom Italiener um die Ecke. So ist das auch beim Team", spricht Vettel seine ersten Wochen als Ferrari-Pilot an, gibt aber klar zu verstehen: "Natürlich wird nicht nur gelacht und gegessen, sondern auch sehr hart gearbeitet."

Worin liegen für Vettel die Unterschiede zum Arbeitsklima bei Red Bull? "Ich denke, jedes Team tickt ein wenig anders. Bei Red Bull war es anders als bei Toro Rosso. Ferrari als italienisches Team ähnelt natürlich eher Toro Rosso. Um es kurz zu machen: Ferrari ist etwas Besonderes. Ich bereue aber nichts. Ich hatte bei Red Bull eine fantastische Zeit und habe mich mit den Leuten dort gut verstanden", so der 27-Jährige, der in Milton Keynes 38 Grands Prix und vier WM-Titel gewann. Den ersten seiner 39 Grand-Prix-Siege errang er in Monza 2008 in Diensten von Toro Rosso.

Ziel für 2015: Anschluss an Mercedes finden

Mit einer Formulierung der Ziele für seine erste Saison bei Ferrari tut sich Vettel noch schwer. "Ich glaube, es ist schwer, wirklich eine Vorgabe zu machen. Das Ziel ist, den Anschluss an die Spitze zu finden. Mercedes war in der vergangenen Saison sehr dominant, hatte ein sehr, sehr starkes Paket. Alle haben sich schwergetan, da wirklich heranzukommen."

"Unser großes Ziel für dieses Jahr ist es, deutlich näher zu kommen und die Lücke zu schließen", sagt der Ferrari-Neuzugang, will von Siegen in Rot aber noch nicht sprechen: "Ich denke, man muss dem Ganzen Zeit geben. Viele Leute haben den Schreibtisch aufräumen müssen, sind gegangen. Andere Leute haben die Position gewechselt oder sind aufgestiegen. Einige Leute sind neu dazugekommen. Ich bin auch neu. Man braucht seine Zeit, bis man sich zurechtfindet." Aber: "Ich denke, das Potenzial ist riesig. Jetzt gilt es, mit neuer Aufstellung den Anschluss zu finden."

Siege kommen nicht von heute auf morgen

So stellt sich Vettel schon jetzt darauf an, dass sich der Weg, Ferrari an die Spitze zu bringen, über mehrere Jahre hinziehen wird. "Es ist natürlich klar, dass der Einfluss erst mit der Zeit kommt. Trotzdem gilt bereits für dieses Jahr, das Maximum herauszuholen und sich als Team zu entwickeln und zu steigern. Das gilt auch für mich als Fahrer. Es gibt für mich unheimlich viele neue Dinge, die ich besser machen kann als vergangenes Jahr. Es gibt Dinge, die ich dazugelernt habe und hoffentlich dieses Jahr umsetzen kann. Wie lange es dauert, ist immer schwer zu sagen. Ich denke, man muss dem Ganzen Zeit geben."

Wie groß beim viermaligen Weltmeister die Motivation ist, seinen ersten Sieg in Zeiten der V6-Turbo-Ära ausgerechnet in Diensten des wohl berühmtesten aller Formel-1-Teams zu erringen, macht er mit abschließender Aussage deutlich. "Ich hätte nichts gegen einen großen V12. Es sind aber einfach andere Zeiten, es ist eine andere Herausforderung. Letzten Endes hat man als Fahrer zwei Möglichkeiten: Entweder man schmeißt hin oder man nimmt sie an. Die Tatsache, dass ich hier bin, heißt ja wohl, dass ich sie annehme", so Vettel, der die V6-Hybrid-Technik zu Beginn seiner letzten Red-Bull-Saison scharf kritisiert hatte.

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