Audi Quattro Concept: Die moderne Wiedergeburt einer Legende

, 30.09.2010

Eine echte Legende stellt der Audi Sport-quattro von 1984 dar. Jetzt schickt Audi eine reinrassige, zukunftsweisende Interpretation auf die Überholspur: das Audi Quattro Concept. Noch handelt es sich um ein zweisitziges Showcar mit einem 408 PS starken Fünfzylinder-Turbo, Allradantrieb und einer Leichtbau-Karosserie. Nur 3,9 Sekunden vergehen für den Spurt von 0 auf Tempo 100. Und diese Fahrmaschine könnte durchaus einen Ausblick auf ein kommendes Sport-Coupé geben. Seine Weltpremiere feiert der Sportler auf dem Pariser Automobilsalon (02.10.2010 - 17.10.2010).


Design: Bullig, kompakt und kraftvoll

Der Audi Quattro Concept macht schon optisch keinen Hehl aus seinem Potenzial. Auch wenn die Gene des RS 5 nicht zu übersehen sind, so fällt der Auftritt des Showcars weit offensiver und extrovertierter aus. Bereits die offensichtlichen Unterschiede zwischen der Basis und der Evolution sind gravierender als 1984 zwischen Ur-quattro und Sport-quattro. Um 15 Zentimeter kürzer als beim RS 5 fällt der Radstand der neuen Studie aus. Eine Maßnahme, die in erster Linie der Agilität und der Gewichtsreduktion dient.

Zugleich kürzten die Macher den hinteren Überhang um insgesamt 20 Zentimeter, so dass die Harmonie der Grundproportion erhalten bleibt. Diesem Ziel dient ebenfalls die Reduktion der Dachhöhe um 4 Zentimeter. Mit seinen Außenabmessungen von 4,28 Metern Länge, 1,86 Metern Breite und 1,33 Metern Höhe sowie dem Radstand von 2,60 Metern fügt sich der Audi Quattro Concept ins Sportwagensegment ein.


Das niedrigere Dach reduziert die Höhe der Glasflächen und senkt damit den optischen Schwerpunkt des Fahrzeugs ab. Die kräftig konturierte C-Säule erweist sich durchaus als eine Hommage an das Design des Ur-quattros; wie bei diesem findet sich am Übergang in die Fahrzeugseite das Markenemblem der vier Ringe, hier jedoch ins Blech eingeprägt. Zusammen mit den 20 Zoll großen Rädern im 7-Doppelspeichen-Design mit Zentralverschluss bietet die Linienführung aus der Seitenansicht eine dynamische und kraftvolle Proportion.

Stark ausgeformtes Leistungsvermögen

Deutlich ausgestellt sind die Radhäuser in den geschwungenen Kotflügeln - ein weiteres Zitat der Formensprache des Sport-quattros. Dies gilt auch für den markanten Luftauslass auf der rechten Seite der Motorhaube, der den Fünfzylinder freier atmen lässt. Signifikant für die Frontpartie ist der schlichte Singleframe-Grill. Der Verzicht auf einen Chromrahmen verleiht ihm einen funktionellen und technischen Charakter. Große, vertikal stehende Lufteinlässe an den Ecken des Stoßfängers betonen das Leistungsvermögen der Antriebseinheit.

 

An die Oberseite der Lufteinlässe schließen sich die flachen Bänder der Scheinwerfermodule mit ihrer Klarglasabdeckung an. Alle Leuchteinheiten sind in hocheffizienter LED-Technologie konzipiert. Je nach aktivierter Lichtfunktion verändern die LED-Elemente ihr Erscheinungsbild zwischen horizontaler und vertikaler Ausrichtung und damit die Charakteristik der Fahrzeugfront.


Stark ausgeformt präsentiert sich die Frontschürze samt integrierter Karbon-Elementen. Aus diesem so leichten wie hochfesten Material bestehen auch der Heckdeckel und die Motorhaube, die auf der Innenseite nicht lackiert sind und damit die optische Qualität des Werkstoffs als Designelement einsetzen. In den Heckdeckel integriert ist der großformatige, ebenfalls aus Karbon gefertigte Spoiler, der bei Bedarf automatisiert ausfährt und sich für einen optimalen Abtrieb justieren lässt.

Antrieb: Faszination Fünfzylinder

Leistungsstarke Fünfzylinder-Benziner besitzen bei Audi eine lange Tradition. In den 1980er Jahren beschleunigten sie Autos wie den Ur-quattro an die Spitze des Wettbewerbs. Mit dem 340 PS starken Turbo-FSI-Motor des TT RS ließ Audi diese Linie im Jahr 2009 wieder aufleben. Der weiterentwickelte Motor im Audi quattro concept schöpft nun das Potential dieser neuen, hochmodernen Fünfzylinder-Basis noch mehr aus. Mit 408 PS legt das Triebwerk dank zahlreicher Detailmaßnahmen wiederum an Leistung zu. Auch das Drehmoment von 480 Nm distanziert die Basis deutlich.


Aus 2.480 cm³ Hubraum holt das Aggregat 408 PS Leistung im Drehzahlbereich zwischen 5.400 und 6.500 U/min. Das maximale Drehmoment beträgt 480 Nm - es steht schon bei 1.600 Touren zur Verfügung und bleibt bis 5.300 U/min konstant. Das kraftvolle Aggregat beschleunigt den Audi Quattro Concept in nur 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Der kräftige Fünfzylinder nutzt den Kraftstoff genügsam: Im Mittel sind es nur 8,5 Liter pro 100 Kilometer. Er verdankt diese hohe Effizienz der Kombination aus FSI-Direkteinspritzung und Turboaufladung.

 

Allradantrieb: Wie auf Schienen mit viel Grip

Im Audi Quattro Concept kommt ein permanenter Allradantrieb mit selbstsperrendem Mittendifferenzial und radselektiver Momentensteuerung zum Einsatz. Im Inneren des neuen Mittendifferenzials drehen sich zwei Kronenräder, die ihren Namen der Verzahnungsgeometrie verdanken. Das vordere Rad treibt den Abtrieb zum Vorderachsdifferenzial an, das hintere Rad die Kardanwelle zum Hinterachsdifferenzial. In der Grundverteilung gehen 60 Prozent des Motormomentes zum Differenzial der Hinterachse und 40 Prozent nach vorne.


Wenn sich die Momente verschieben, weil der Grip an einer Achse nachlässt, entstehen unterschiedliche Drehzahlen und axiale Kräfte im Inneren des Differenzials. Die Selbstsperrwirkung, die so entsteht, leitet das Gros des Antriebsmomentes auf die Achse mit der besseren Traktion; bis zu 85 Prozent fließen nach hinten. Im umgekehrten Fall - wenn die Hinterachse weniger Traktion hat - vollzieht sich dieser Vorgang entsprechend, jetzt fließen bis zu 70 Prozent der Momente an die Vorderachse.

Als Ergänzung des neuen quattro-Antriebsstrangs arbeitet im Audi Quattro Concept ein Sportdifferenzial, das die Momente aktiv zwischen den Hinterrädern aufteilt. Beim Anlenken oder Beschleunigen in der Kurve strömen die Momente überwiegend zum kurvenäußeren Rad - sie drücken das Fahrzeug in die Kurve hinein und wirken der Neigung zum Über- oder Untersteuern bereits im Ansatz entgegen.


Fahrwerk: Konsequent auf Performance ausgerichtet

Das breitspurige Fahrwerk setzt konsequent auf Performance. Die Reaktionen erfolgen ansatzlos, fast reflexartig. Die Präzision des Handlings kennt keine Kompromisse, seine Stabilität soll höchste Fahrsicherheit ermöglichen. Sensibel verbindet die Lenkung den Fahrer mit der Straße und bietet ihm eine fein differenzierte Rückmeldung.

Alle wichtigen Komponenten in den Aufhängungen bestehen aus Aluminium und reduzieren so die ungefederten Massen. Bei der spurgesteuerten Trapezlenker-Hinterachse bauen die Federn und Dämpfer voneinander getrennt, um das Ansprech¬verhalten zu verbessern. Die Lenker sind an einem elastisch gelagerten Hilfsrahmen aus Stahl montiert. Die Fünflenker-Vorderachse verarbeitet die Längs- und Querkräfte voneinander getrennt; der starre Aluminium-Träger, an dem sie angelenkt ist, verleiht dem Vorderwagen höchste Steifigkeit.

 

An der Vorderachse sichtbar sind anthrazitgraue, gelochte Scheiben aus Kohlefaser-Keramik, die rot eloxierte Sechskolben-Festsättel anpacken. Die Keramikscheiben sind praktisch frei von Fading, extrem standfest, leistungsfähig und langlebig. Zudem bauen sie trotz ihres Formates um vier Kilogramm leichter als Stahlscheiben.


Karosserie: Auf Leichtbauweise getrimmt

Ein echter Sportwagen ist stets ein leichtes Auto - der Audi Quattro Concept brilliert nicht zuletzt in dieser Disziplin. Die entscheidenden Faktoren sind Materialauswahl und die Bauweise. Statt vorwiegend aus Stahl wie beim Audi RS 5, besteht die Karosserie aus leichten Aluminium-Komponenten. Strangpressprofile, Druckgussteile und Aluminium¬bleche bilden eine aufprallsichere Struktur von souveräner Festigkeit. Motorhaube und Heckklappe samt integriertem, beweglichem Spoiler bestehen ebenso wie die Stoßfänger und zahlreiche Aerodynamik-Komponenten aus dem noch leichteren und hochfesten Carbon.

Unter dem Strich bringt der Audi Quattro Concept nur 1.300 Kilogramm auf die Waage - und damit noch einmal rund 200 Kilogramm weniger als der vergleichbar dimensionierte Audi TT RS, dessen Karosserie ebenfalls zu großen Teilen aus Aluminium gefertigt wird. Das Leistungsgewicht von 4,3 Kilogramm pro PS sagt bereits viel über das dynamische Potenzial aus: Es liegt auf dem Niveau des 525 PS starken Audi R8 V10. Seinen gleich schweren Urahn Sport-quattro unterbietet der quattro concept im Übrigen in puncto Leistungsgewicht deutlich - mobilisierte dessen Fünfzylinder in der Serienversion doch nur 306 PS.


Interieur: Moderne Reminiszenz an den Urahn

Reduziert und aufgeräumt zeigt sich der Innenraum des Coupés. Die Schalttafel ist sehr schlank gestaltet und schwebt förmlich über der separaten Mittelkonsole. Durch die Verkürzung des Radstandes entfiel gegenüber der Basis RS 5 die Rück¬bank; hier findet sich jetzt eine Ablagefläche für Helme oder Gepäck. Die beiden Insassen erwarten filigrane Sitzschalen, bei deren Entwicklung wiederum das Thema Leichtbau im Zentrum stand: Sie wiegen jeweils nur 18 Kilogramm, was gegenüber einem konventionellen Seriensitz rund 40 Prozent Gewichtsvorteil bedeutet. Für die Sitze stehen Drei- oder Vier-Punkt-Gurte bereit.

Den Fahrer erwartet ein aus Karbonflächen und gepolsterten Ledereinlagen gestalteter, hochwertig anmutender und klar gegliederter Arbeitsplatz. Die Farbgebung in Satinschwarz für die Carbon-Elemente und Rallyebeige für alle belederten Areale setzt die unterschiedlichen Funktionseinheiten gegeneinander ab und betont den Manufakturcharakter des Ambientes.

 

Auf der extrem schlanken Mittelkonsole befinden sich die Bedieneinheit für das MMI-Touch-System und der Schalthebel für das 6-Gang-Getriebe. Das Kombiinstrument ist derweil voll digital ausgeführt. Das große dreidimensional geformte, visierartige Display enthält alle für den Fahrer notwendigen Informationen und ersetzt damit auch das klassische MMI-Mittendisplay.


Der Fahrer hat die Auswahl zwischen einem Alltags-Modus, der die Anzeige von Geschwindigkeit und Drehzahl mit den Inhalten des MMI zusammenfasst und dem Renn-Modus, dessen Grafik das digitale Instrument des Ur-quattros aus den 1980er-Jahren aufgreift und weiterentwickelt.

Eine Reminiszenz an das Cockpit des Ur-quattros findet der Fahrer an den Seiten der Cockpitabdeckung: Rechts und links integrierten die Macher an den Seiten jeweils vier flache Tasten. Links werden die Funktionen der Zeiterfassung im Renn-Modus bedient und rechts die Menüs des MMI-Systems.


Infotainment: Unterhaltung mit Gebetbuch

Unterhaltung gibt es nicht nur unter der Motorhaube, sondern ebenfalls in Form von digitalen Medien. Ein personalisierbares Webradio verbindet sich auf Wunsch direkt über das eigene Mobiltelefon mit digitalen Radiosendern aus aller Welt. Somit steht eine schier unendliche Fülle an Genres und Musikstimmungen zur Wahl. Unterstützt wird unter anderem das Abspielen von eigenen Dateien und Playlists.

Auch die Kommunikation profitiert vom Zugang zu entsprechenden Online-Diensten. Sei es die Online-Adressdatenbank oder das eigene Mobiltelefon - das MMI kombiniert alle Daten in einer einzigen Darstellung.

Um den Erfolgen des Ur-quattros als Gewinner mehrerer Rallye-Weltmeister-Titel Reverenz zu erweisen, lässt sich im Renn-Modus ein sogenanntes „Gebetbuch“ einblenden - die klassische Wegbeschreibung von Rallye-Copiloten. Es gibt präzise Auskunft über die vorausliegenden Strecken¬verhältnisse. Einem echten Rallye-Feeling steht somit nichts mehr im Weg - selbst ohne Beifahrer.

6 Kommentare > Kommentar schreiben

03.10.2010

"Rülis" wtf?! Achsooo Rücklichter!

02.10.2010

Bis auf den Innenraum durch und durch HÄSSLICH!

02.10.2010

Und wenn du genau hinguckst, erkennst du da auch das Design der Gallardo Rülis drin ;)

02.10.2010

Das Design, gerade die Heckleuchten, ist am Urquattro angelehnt. Und der sah nunmal so aus.

30.09.2010

hab ich auch gedacht

30.09.2010

Auf dem kleinen Bild dachte ich zuerst, dass es eine Art Mini-LFA sei :D Sieht aus als wäre es ein Mix aus fast allen Modellen. Die Audi Coupes fand ich aber alle recht gelungen, da macht der hier keine Ausnahme.


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