Interview mit Aston Martin-Boss Dr. Ulrich Bez: Exklusive private Einblicke

, 21.02.2011

Sie sind noch immer ein passionierter Rennfahrer und nahmen unter anderem als Fahrer beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in einem Aston Martin V8 Vantage N24 teil. Welche Emotionen spüren Sie auf einer Rennstrecke am stärksten?

Man versucht, an die Grenze seines fahrerischen Könnens zu gehen, nämlich so schnell wie möglich zu fahren, aber auch so sicher, wie ich mir das vorstelle. Es geht also darum, die Balance zwischen Geschwindigkeit und Sicherheit zu halten. Dabei ist das Interessante, Möglichkeiten zu explorieren und trotzdem die Disziplin zu haben, eine bestimmtes Manöver dann doch nicht zu fahren.


Sie flogen einst auf dem Hockenheimring ab, da Sie mit zu breiten Straßenschuhen gleichzeitig Bremse sowie Gaspedal traten und sich lebensgefährlich verletzten. Prägte Sie dieses Erlebnis auf besondere Weise? Wie alt waren Sie da?

Ich war 46, und es handelte sich um ein Cup-Auto. Der Unfall passierte, weil ich zu spät dran war und in Hektik zum Training kam. Ich bin zu schnell ins Auto rein, ohne mich vorher damit vertraut zu machen, und ich trug keine Rennschuhe, sondern nur Turnschuhe. Dann traf ich gleichzeitig das Brems- und das Gaspedal, was bei so einem Rennauto fatal ist, so dass ich gegen eine Wand fuhr. Das war eine ganze Kette von Fehlern, die ich da gemacht habe. Dieses Erlebnis hat mich natürlich stark geprägt, und ich habe aus diesen Fehlern gelernt.

Haben Sie Vorbilder? Personen, die Sie und Ihre Aktivitäten beeinflussten?

Eigentlich versuche ich, frei von Einflüssen zu agieren. Wenn es aber eine Person gibt, von der ich viel gelernt und auch persönlich viel gehabt habe, dann war es Eberhard von Kuenheim.

Welches Auto fahren Sie und Ihre Familie privat?

Wir fahren natürlich Aston Martin. Nur wenn die ganze Familie, Kinder und Hund mit Gepäck im Winter in die Berge fahren, dann steigen wir auf einen Mercedes GL um. Das ist auch das Auto, dessen Plattform wir für das Lagonda Concept genutzt haben.

Geboren in Bad Cannstatt, lag das Fußballstadion des VfB Stuttgart quasi vor Ihrer Haustür. Sind Sie Fußballfan und verfolgen Sie die Spiele des VfB Stuttgart?

Ich war früher mit meinem Vater oft im Stadion, und Stuttgart ist der Verein, dem meine Sympathien gehören. Allerdings bin ich kein fanatischer Fußballanhänger. Das letzte Mal war ich beim VfB im Stadion, als Stuttgart in der Champions League gegen Manchester United spielte. Als der VfB beim Rückspiel nach England kam, musste ich natürlich auch hin. Ich verfolge in einer lockeren Art die Spiele des VfB und freue mich, wenn die Stuttgarter gewinnen.

Welchen Traum möchten Sie noch realisieren?

Ich denke, ich habe noch 30 oder 40 Jahre vor mir und möchte noch viele Träume haben (lacht scherzend). Irgendwann möchte ich aber meine Frau und meinen BMW Z1 nach Amerika nehmen und von New York nach Miami, über Dallas und Oklahoma nach Denver, dann nach San Diego und anschließend hoch bis Vancouver fahren. Nur mit ein paar T-Shirts, Jeans und Turnschuhen und ohne Terminplan.

Prägt Sie auch außerhalb des Arbeitsumfeldes die Kunst des guten Designs, wie es Aston Martin auf beste Weise verkörpert?

Klar, puristisches und gutes Design sowie gelungene Kompositionen bestimmen vieles im ganzen Leben. Meine Schuhe zum Beispiel (zeigt diese) besitzen ein puristisches Design. Das sind die einzigen Schuhe, die als Stiefel hier nicht aus mehreren Stücken genäht sind, sondern aus einem einzigen Stück Leder. Einfacher kann man Schuhe nicht fertigen: Ein Stück Leder formen und eine Sohle drauf.

Wie leben Sie außerhalb der automobilen Welt privat?

Ich würde mich als bodenständig beschreiben.

Haben Sie ein bestimmtes Hobby?

Ich fahre unheimlich gerne Ski und Mountainbike. Aber ich spiele ebenso leidenschaftlich Tennis, liebe meine Frau, meine Kinder und meinen Hund. Und ich fahre gerne Auto.

Möchten Sie abschließend unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Abschließend nicht, weil ich noch gerne zehn Jahre Interviews geben möchte.


Zur Person Dr. Ulrich Bez:

Dr. Ulrich Bez, geboren 1943 im deutschen Bad Cannstatt, kam im Jahre 2000 als CEO (Chief Executive Officer) zu Aston Martin. Unter seiner Führung baute der britische Fahrzeughersteller eine neue Fabrik in Gaydon und es kamen bedeutende Fahrzeuge auf den Markt, wie zum Beispiel der DB9, der V8 Vantage, der Rapide und bald als kleines Luxus-Stadtauto der Cygnet. Ebenso kehrte Aston Martin unter der Leitung von Dr. Ulrich Bez erfolgreich in den internationalen Motorsport zurück.

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4 Kommentare > Kommentar schreiben

21.02.2011

WOW ... hat das Spass gemacht das Special zu lesen !!! Ich bin begeistert von dem Interview, von den Eindrücken um die Person Bez und hoffe, dass noch einige Specials dieser Richtung folgen werden :applaus:

21.02.2011

WOW ... Wie bekommt man ein Interview mit so einer wichtigen Person der Autobranche?

21.02.2011

Nice, Gratulation zu dem super Interview! :applaus:

25.02.2011

Gratulation, war echt interssant zu lesen. :applaus:


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