Artega GT Test - Wer will schon einen Streber zum Freund?

, 20.05.2010


Sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten legten die Macher dem Wagen quasi in die Wiege. Auch mangelnde Traktion ist ein Fremdwort. Beinahe unverschämt früh kann man in diesem Kraftprotz am Kurvenausgang aufs Gas gehen, ohne am Eingang allzu viel Untersteuern beklagen zu müssen. Wem der Begriff Schleppgas nicht fremd ist, wird mit dem Artega GT seine wahre Freude haben. Bei deaktiviertem ESP ist das Auto allerdings bei Lastwechseln fast nicht mehr einzufangen.

Das Fahrverhalten erinnert an den 911er

Die hecklastige Balance ist nur etwas für harte Jungs und erinnert an vergangene Porsche 911er-Zeiten. Auch die Lenkung vermittelt die Fahrbahnbeschaffenheit betont rustikal und gibt sich - trotz gerade einmal zweieinhalb Umdrehungen von links nach rechts - um die Mittellage etwas indifferent. Wer die perfekt übersetzte Sprache zwischen Mensch und Maschine bei Produkten aus Weissach oder Hethel gewohnt ist, wird sich an dieser Stelle an die etwas ruppige Arbeitsweise des Chassis‘ aus Delbrück gewöhnen müssen. Auch der Federungskomfort ist bestenfalls rudimentär vorhanden. Die Insassen erfahren nur zu genau, welche Straße renovierungsbedürftig erscheint und welche nicht. Vor allem der Pilot will das oftmals aber gar nicht wissen. Beim Anbremsen zum Beispiel, wenn der Artega GT auf unfeinem Geläuf mit dem Hintern hoppelt wie ein Rammler beim Paarungsakt. Die Bremsen an sich funktionieren tadellos ohne Fading mit klarem Druckpunkt.

Fazit: Wer möchte schon einen Streber als Freund?

Er hat also seine Schwächen, der kleine Flache mit dem dicken Motor. Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen, wollen wir unsere Meinung nicht hinterm Berg halten: Der Artega GT ist uns ans Herz gewachsen. In einer manchmal steril erscheinenden Autowelt, in der die Gattung der charakterstarken Sportwagen zur aussterbenden Art gezählt werden muss, trifft er genau den richtigen Ton. Beim Artega GT kribbelt es im Bauch, weil er gut aussieht, verdammt scharf klingt, richtig schnell ist und nicht an jeder Ecke steht. Nach Punkten würde der Artega GT vermutlich gegen die bekannten Streber haushoch verlieren. Aber ganz ehrlich: Wer möchte schon einen Streber als Freund?


Datenblatt Artega GT:

Antriebsart: Heckantrieb | Hubraum: 3.597 cm³ | Leistung: 220 kW (300 PS) bei 6.600 U/min | Drehmoment: 350 Nm bei 2.400 U/min | Vmax: 270 km/h | Co2 Emission g/km: 220 (EU4) | Beschleunigung 0-100 km/h: 4,8 s | Durchschnittsverbrauch: 8,9 l/100 km | Gewicht: 1.285 kg | Preis: ab 74.983,00 EUR inkl. MwSt.

Text: Martin Englmeier
Fotos: Julian Köppe (http://www.juliankoeppe.de)

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