Artega GT Test - Wer will schon einen Streber zum Freund?

, 20.05.2010


„Gehört der Ihnen? “. Der freundliche Tankwart mustert schon seit 5 Minuten die gedrungene Front meines Testwagens. „Sieht wirklich sehr sportlich aus! Was ist das für ein Flitzer?“. Ich kläre den interessierten Mitbürger auf. Kläre ihn auf über technische Details wie PS-Zahl, Gewicht, Name und Herkunft. Nicht zum ersten Mal an diesem überraschend sonnigen Tag führe ich ein solches Gespräch. Das Interesse ist schlichtweg überwältigend. Aber was ist er denn nun?

Gestatten: Artega GT. 300PS, 1285 kg, Mittelmotor, Heckantrieb.

Es ist das Produkt eines Klaus Dieter Frers, bekannt als Geschäftsführer der Paragon AG, die bislang auch als Dachfirma für das Sportwagenprojekt fungierte. Wirtschaftsflaute und Kreditklemme zwangen den Zulieferbetrieb jedoch in die Insolvenz. Die Produktion des kleinen Sportwagens läuft aber tapfer weiter und Artega hat noch großes vor. Nach der nun erfolgten EU-Freigabe will Artega bald 3 Fahrzeuge pro Tag bauen und in der Sportwagenklasse knapp unterhalb des Porsche 911 ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Wir haben dem knapp 80.000 Euro teuren Artega GT auf den Zahn gefühlt, um herauszufinden ob er das Zeug dazu hat.

Betörende Karosserie - mit Scheinwerfern aus dem Carrera GT

Die Optik stimmt: Respekteinflößend mit den Scheinwerfern aus dem Carrera GT blickt der Flachmann auf die Straße. Es ist ein ausgesprochen kompaktes Auto, welches geschickt mit seinen Rundungen spielt. Die Haut aus Verbundwerkstoff scheint sich fest über die filigrane Technik mitsamt Fahrer und Passagier zu spannen. Am breiten Heck markiert der Artega mit gewaltigen Reifen im XL-Format 305/30 19 eine selbstbewusste Kampfansage an den Rest der Sportwagenwelt. Die etwas legere Verarbeitung sehen wir dem Testexemplar auf Grund seines Vorseriencharakters generös nach. Der Kofferraum mit dem maßgeschneiderten Kofferset dürfte für ein verlängertes Wochenende zu zweit reichen.

So eindrucksvoll der athletische Flachmann gegenüber seiner Umwelt Eindruck schindet, so ernüchternd sachlich wirkt jedoch das Interieur. Die Mixtur aus Audi-, VW- und BMW-Elementen macht nicht gerade einen hochwertigen Eindruck. Da hilft auch die farbenfrohe Graphik des Multimediadisplays in der Mittelkonsole wenig. Der Touchscreen scheint sogar zeitweise die Funktion zu verweigern. Der Entwurf von Tacho und Drehzahlmesser demonstriert gestalterische Kreativität, ist allerdings ebenso wie das im Rückspiegel platzierte Navi ergonomisch fast ein Totalausfall. Bei etwas Sonneneinstrahlung geraten Tankinhalt und Richtungsvorgabe zum Ratespiel. Der Drehzahlmesser verzichtet auf einen roten Bereich, wechselt aber kurz vor der Abregeldrehzahl seine Farbe. Um es vorsichtig auszudrücken: Wir denken, ein konventionelles Armaturenbrett wäre in jeder Hinsicht besser gewesen.

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