Diesel-Test: Mercedes E 200 Kompressor vs BMW 523i

, 23.01.2008


Eine berechtigte Frage, die ein Vergleich zwischen den beiden ,,Mauerblümchen" Mercedes E 200 Kompressor und BMW 523i klären kann.

Was die Verkaufszahlen angeht, fristen Mercedes E 200 Kompressor und BMW 523i hierzulande innerhalb ihrer Baureihen ein Schattendasein. Zu viele Kunden entscheiden sich für die auf den ersten Blick potenteren und wirtschaftlicheren Dieselvarianten. Zu Recht?

Karosserie/Innenraum

Hier die klassische, etwas biedere Eleganz der E-Klasse, dort die dezent sportliche Progressivität des 5ers - beides findet seit jeher seine Anhänger. Deshalb ersparen wir uns eine Designwertung und widmen uns gleich den inneren Werten. Denn davon haben beide Kontrahenten viele im Angebot, wenn auch der Schwabe alles ein bisschen besser kann als der Bayer. Er bietet mehr Platz für Insassen, Gepäck und Krimskrams, macht in punkto Verarbeitung und Haptik einen perfekten Qualitätseindruck und verfügt über ein Bediensystem, das auch ohne Command-Controller keine Rätsel aufgibt. Die Knöpfchen der Mittelkonsole sind logisch angeordnet, das sonst übliche ,,Sich-durchs-Menü-Navigieren" vermisst man nicht. Zwar ist auch BMWs iDrive - nicht zuletzt dank der acht neuen, frei belegbaren Favoritentasten - längst nicht so schlecht wie sein Ruf, doch die Narrensicherheit der E-Klasse bietet es nicht - 1:0 für Stuttgart.

Antrieb

Mit ihren Antriebskonzepten verfolgen Mercedes und BMW unterschiedliche Philosophien. Hier ein kompressorgeladener 1,8-Liter-Vierzylinder mit 184 PS, dort ein 190 PS starker ein 2,5-Liter-Reihensechser. Entsprechend die Charakteristika der Triebwerke: Der Mercedes verfügt unten rum über etwas mehr Dampf und stellt sein Drehmoment-Maximum von 250 Newtonmetern ab 2.800 Touren bereit. Im Drehzahlkeller gerät der BMW ins Hintertreffen, holt dank seiner Drehfreude aber ab etwa 4.000 Umdrehungen auf und den Mercedes schließlich ein. Wirklich kräftig packt aber keiner der Konkurrenten an; besonders an Steigungen müssen die recht schweren Limousinen mit Zurückschalten wieder auf Touren gebracht werden. Den Preis dafür zahlt man an der Tankstelle, wo sich der BMW-Sechszylinder als das genügsamere Aggregat erweist. Der Bayer genehmigt sich im Test rund 10,5 Liter im Schnitt und schlägt den Schwaben damit um knapp einen Liter.

Beide Benziner zeigen sich angesichts ihrer überschaubaren Fitness also recht trinkfest. Zum Vergleich: Die entsprechenden Dieselversionen Mercedes E 220 CDI und BMW 520d bieten bei ähnlichen Leistungsdaten (170 bzw. 177 PS) schon im niedrigen Drehzahlbereich einen heftigen Drehmoment-Punch von 400 respektive 350 Newtonmetern. Dank vergleichbarer Grundpreise und ihres geringeren Dursts - Mercedes gibt für den E 220 CDI 6,1 bis 6,4, BMW beim 520d 5,1 Liter im Schnitt an - fahren die Diesel auch in punkto Wirtschaftlichkeit vorneweg. Ein Mehrwert der Ottomotoren liegt jedoch in ihrer Laufruhe begründet, die ein Vierzylinder-Diesel so nicht bieten kann. Hier kann sich besonders der 523i profilieren: Die Innereien seines Reihensechsers arbeiten so vibrationsarm, dass in dieser Disziplin - wie auch in der gesamten Antriebswertung - selbst dem dezent agierenden Mercedes-Triebwerk nur das Nachsehen bleibt. Zur Halbzeit steht es also 1:1.

Lenkung/Fahrwerk

Fahrdynamik - das traditionelle BMW-Steckenpferd. Die direkte Lenkung des 523i lässt Kurvenräubern selbst in der oberen Mittelklasse zum vergnüglichen Zeitvertreib werden. Gleiches gilt für den Gangwechsel mit dem sehr exakt und knackig zu schaltenden Sechsgang-Getriebe. In schnell gefahrenen Kurven lässt das Fahrwerk weder Unter- noch Übersteuern sowie kaum Karosserieneigungen zu. Ein Vorteil gegenüber dem Mercedes, der gern über das kurvenäußere Vorderrad eintaucht und deshalb grundsätzlich zum Untersteuern neigt. Das wirkt sich ebenso negativ auf die Performance aus wie die im Vergleich indirektere Lenkung, die auf der Autobahn aber Vorteile bietet. Hier gibt sich der BMW nervöser, zum Beispiel bei Spurrillen oder Seitenwind.

Dass sich der 523i in unserem Vergleich als das fahraktivere Auto präsentiert, ist keine Überraschung. Er gewinnt das Kapitel auch wegen seines Fahrkomforts, der auf Augenhöhe mit dem E 200 Kompressor liegt. Geradezu flüsternd bewegen sich die Limousinen über die Straße, lassen kaum Wind- oder Motorgeräusche in den Innenraum dringen und rollen sehr geschmeidig ab. Zudem arbeiten Federn und Dämpfer hier wie dort hervorragend und packen die Insassen selbst auf schlechten Wegen in Watte. Der BMW geht also kurz vor Schluss mit 2:1 in Führung

Kosten

Preislich liegen der BMW 523i (38.800 Euro) und der Mercedes E 200 Kompressor (39.091 Euro) auf einem Level. Gleiches gilt für die Serienausstattungen, die aber trotz der üppigen Einstandspreise sehr karg ausfallen. Immerhin spart man weder in München noch Stuttgart bei der Sicherheit. Hier bringen die Limousinen ohne Aufpreis alles mit, was derzeit Stand der Technik ist - auch Regensensor und Reifendruckkontrolle. Doch in punkto Optik, Komfort und Unterhaltung muss alles, was über 16-Zoll-Alus sowie Klimaautomatik und CD-Radio in den einfachsten Versionen hinausgeht, extra gezahlt werden. Ein klassisches Unentschieden in dieser Kategorie macht den BMW letztendlich mit 3:2 zum Punktsieger

Fazit

Der Sieg im neuerlichen Duell zwischen 5er BMW und Mercedes E-Klasse geht diesmal nach München. Zwar gewinnt der E 200 Kompressor die Innenraumwertung, muss den 523i im Antriebs- und Fahrwerkskapitel aber deutlich ziehen lassen. Da beim Fahrkomfort und den Kosten Gleichstand herrscht, setzt sich der Bayer durch. Grundsätzlich gilt aber: Eine gleichwertige Alternative zu den ähnlich teuren, aber deutlich durchzugsstärkeren und wirtschaftlicheren Dieselvarianten sind weder der eine noch der andere.

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