GTR 374: Die besondere ART, Mercedes zu fahren

, 27.08.2007


Mercedes-Tuning auf fränkisch: Der GTR 374 des Nürnberger Veredlers ART hat es faustdick unter den aufgeblähten Backen.

Sie sind Ferrari-, Aston Martin- oder Lamborghini- Besitzer? Dann kennen Sie das: Sie parken ihr Auto an einem ruhigen Ort, und als Sie wiederkommen, müssen Sie sich erst einen Weg durch die Menschentraube bahnen, die sich inzwischen um Ihr Auto versammelt hat. Da werden Fotohandys gezückt, Nasen an der Seitenscheibe platt gedrückt und mittlere Verkehrsinfarkte ausgelöst. Obwohl der Mercedes CLS zu den schicken Vertretern der Modellpalette gehört, kommen Fahrer des viertürigen Coupés wohl eher seltener in den Genuss eines solchen Erlebnisses. Es sei denn, der Nürnberger Veredler ART hat sich vorher um den Schwaben gekümmert. Denn dann sorgt der nun ,,GTR 374" genannte Benz gerne für die eingangs beschriebenen Massenaufläufe. Zudem bietet der edle Bolide ein Fahrerlebnis der besonderen ART.

Ist man im ART GTR 374 unterwegs, drehen sich ständig die Köpfe - besonders die der Passanten. Das liegt am wummernden Sound der Vierrohr- Auspuffanlage, vor allem aber am aggressiven Widebody-Kit, das ART dem CLS spendiert hat. Mangelndes Überholprestige ist angesichts der zornig gestalteten Front, welche die Franken mit einer Frontspoiler-Stoßstange samt integrierten Doppel- Nebelleuchten und einem Kühlergrill ohne Mercedes-Stern aufwerten, kein Thema mehr. Dank diverser Anbauteile für Türen und Kotflügel sowie einem Seitenschweller-Paar wächst der Stuttgarter massiv in die Breite und bietet damit genug Platz für die schwarzen Mehrteiler-Felgen im üppigen 20-Zoll-Format. Das ausladende Heck setzt ART mit einem neu gestylten Stoßfänger und einer dezenten Abrisskante auf dem Kofferraumdeckel in Szene. Wer nicht gerne im Mittelpunkt steht, sollte sich definitiv nach einem anderen Auto umschauen.

[strong]Perfekte Symbiose aus Leder, Alcantara und Carbon[/strong]

Die Show geht im Innenraum weiter. Die Insassen betreten die Lounge über beleuchtete Einstiegsleisten mit ART-Logo, nehmen auf exzellenten Ledersesseln Platz und lehnen ihre Häupter an Kopfstützen mit Alcantara-Bezug. Überhaupt spielt das hochwertige Kunstleder bei der Interieur-Veredelung eine große Rolle: ART bespannt A-, B- und C-Säule ebenso mit Alcantara wie Schaltknauf und -sack oder das komplette Lenkrad, das der Fahrer dadurch jederzeit fest im Griff hält. Auch der Dachhimmel besteht aus dem edlen Material, ebenso wie die aufwändigen Türverkleidungen im aufgepolsterten Karostepp.

Zahlreiche Kohlefaser-Elemente, beispielsweise als Aschenbecherblende oder das komplette Armaturenbrett überspannend, zaubern sportliches Ambiente ins Cockpit. Selbst die Schaltpaddel, mit der sich die Siebengang-Automatik manuell bedienen lässt, bestehen aus Carbon. Dabei beeindrucken die Konsequenz, mit der die Nürnberger ihr optisches Konzept durchziehen, und die bis ins kleinste Detail perfekte Verarbeitung - das kann Mercedes selbst auch nicht besser. Ach ja, ein Detail wurde noch nicht erwähnt: Der Tacho mit weißem Ziffernblatt, dessen 360 km/h-Skalierung zwar übertrieben wirkt, aber in Ansätzen verdeutlicht, wohin die Reise im Ernstfall gehen kann.

[strong]Sechszylinder mit V8-Sound[/strong]

Denn ART hat nicht nur die Optik, sondern auch die Performance des CLS 350 deutlich verbessert. Hauptgrund dafür ist das Kompressorkit, das aus dem ehemals 272 PS starken Sechszylinder 102 zusätzliche Pferde herauskitzelt. Das maximale Drehmoment steigt von 350 auf stramme 510 Newtonmeter. Neben dem eigentlichen Kompressor sind ein Ladeluft-Kühlsystem mit Wärmetauscher, spezielle Keilrippenriemen und natürlich eine geänderte Motorelektronik für das Leistungs- und Drehmoment-Update mitverantwortlich. Hinzu kommt die bereits erwähnte Sportauspuff-Anlage, die nicht nur verdammt gut aussieht und einen sehr bassigen Sound im V8-Stil zaubert, sondern das aufgeladene Triebwerk auch freier ausatmen lässt.

Die Theorie: Der ART GTR 374 sprintet in 5,2 Sekunden von Null auf Hundert und erreicht einen Topspeed von 282 km/h. Die Praxis: Man glaubt nicht, dass ein Mercedes so direkt zur Sache kommen kann wie dieses veredelte Exemplar! Touchiert man das Gaspedal, geht es mit einer Vehemenz vorwärts, als ginge es um den Sieg beim Viertelmeile-Rennen. Dabei beeindruckt die Leistungsentfaltung: Der Kompressor-V6 fällt weder bei niedrigen Drehzahlen in ein Loch, noch gibt es bei irgendeiner Drehzahl den berühmten Tritt ins Kreuz. Im Gegenteil: Wie ein kräftiger Saugmotor stellt er seine Power über das gesamte Drehzahlband zur Verfügung, dreht gleichmäßig hoch und zeigt auch keine Berührungsängste, wenn es in Richtung des roten Bereichs geht.

[strong]Komfortabler Kurvenjunkie[/strong]

Auf der Landstraße erweist sich der GTR als waschechter Kurvenjunkie. Okay, das hohe Leergewicht (schon das Basismodell wiegt mehr als 1,7 Tonnen) lässt sich nicht wegdiskutieren. Doch die Modifikationen des Tuners haben sich bezahlt gemacht. Die für Mercedes-Verhältnisse extrem direkte und angenehm straffe Lenkung hält den Fahrer jederzeit über den Fahrbahnzustand auf dem Laufenden. Dank des elektronischen Sportfahrwerks und mächtiger 20-Zöller mit 255/30er Reifen vorne und Waschstraßen-feindlichen 305/25er Pneus hinten zackt der fränkische Schwabe immer neutral und traktionsstark um die Kurven. Trotzdem wäre es untertrieben, von Restkomfort zu sprechen - der GTR schluckt Unebenheiten und Schlaglöcher fast so souverän weg wie der Serien-CLS.

Leider erreichen die Toyo Proxes-Reifen nicht dieses hohe Komfort-Level: Sie bieten zwar unverschämt viel Grip, rollen aber recht holprig ab. Einen starken Eindruck hinterlässt dagegen die Bremse: Hat man sich erst einmal an das extrem direkte Ansprechverhalten gewöhnt, fühlt man sich dank der standfesten Stopper jederzeit sicher genug, um die Grenzbereiche auszuloten.

Es könnte also alles so schön sein mit dem ART GTR 374. Die Optik verdient sich eine Eins mit Sternchen, der Fahrspaß erreicht Sphären, die man einem Mercedes so nie zugetraut hätte, und der Luxus kommt auch nicht zu kurz. Wenn, ja wenn diese Zahl nicht wäre: 154.553,63. Genau diesen Euro-Betrag rufen die Nürnberger für das Komplettpaket auf, wobei die Mercedes-Basis mit rund 60.000 Euro nur etwa 40 Prozent der Gesamtsumme ausmacht. Auch hier erreicht der GTR also Ferrari-, Aston Martin- oder Lamborghini-Niveau.

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