Jaguar XKR-S Test: Das Biest unter den Raubkatzen

, 30.07.2012


Für den Kontakt zum Asphalt sorgen geschmiedete Leichtmetallfelgen in 9,0 x 20 Zoll vorne mit Reifen im Format 255/35 vorne und in 10,5 x 20 Zoll mit Pneus im Format 295/35 hinten. Diese Kombination sorgt für mächtig Grip, reduziert die ungefederten Massen um 4,8 Kilogramm und verbessert so Handling und Dynamik.

Wenn nötig, zähmt eine Hochleistungsbremsanlage die Raubkatze und unterstützt das sichere Gefühl. Die Bremsscheiben messen vorne 380 Millimeter und hinten 376 Millimeter und sind selbstverständlich innenbelüftet. In Verbindung mit einer gegenüber dem herkömmlichen Jaguar XKR nochmals vergrößerten Belagfläche (plus 44 Prozent vorn und plus 31 Prozent hinten) greifen die Bremsen umbarmherzig zu.

Nordschleife: Die Grüne Hölle im Nebel

Wer als geübter Fahrer die Grenzen des Jaguar XKR-S weiter ausloten möchte, wählt den „Trac DSC“-Modus. Bei dieser Wahl der dynamischen Stabilitätskontrolle (DSC) kommen spezielle Einstellungen für Traktion, Stabilität und ein elektronisches Differenzial zum Tragen, die Schlupfgrenzwerte, Drehmomentverteilung sowie Interventionsschwellen verändern. Doch daran ist an jenem Tag, als ich mit Jaguar die Nordschleife besuche, nicht zu denken; denn das Wetter spielt auf extremste Weise mit.

Die 20,832 Kilometer lange Nürburgring-Nordschleife, auch bekannt als die „Grüne Hölle“, zieht sich wie eine Achterbahn durch die Eifel. Doch es regnet in Strömen und starker Nebel zieht auf. Die Witterungsbedingungen sind so extrem, dass uns die Betreiber des Nürburgringes erst einmal nicht auf die Nordschleife lassen wollen. Erst nach einer Unterschrift der Jaguar-Instruktoren, in den dichten Nebelfeldern nicht schneller als 50 km/h zu fahren, gibt es grünes Licht.

Als echtes Abenteuer entpuppen sich die Runden: Der Asphalt ist glatt, besonders auf Passagen mit Ölresten. Dazu hüllt der dichte Nebel mehrere Abschnitte komplett ein. Die gewaltige Power des Jaguar XKR-S ist mit Bedacht einzusetzen. Man muss die Raubkatze richtig zu zähmen wissen - und dann bereitet sie sogar unter diesen Bedingungen viel Spaß.

Auch bei diesen extremen Wetter weiß der Jaguar mit seinen Qualitäten zu überzeugen, was sogar der vorausfahrende Instruktor erlebt: In einer scharfen Kurve ein wenig zu stark auf das Gaspedal des britischen Biests gedrückt, bricht das Heck leicht aus. Kurze Zeit später ertönt lachend die Stimme des Instruktors per Funk: „Ihr könnt den elektronischen Systemen vertrauen. Sie arbeiten einwandfrei!“

Diese Fahrt übt einen echten Reiz aus, die Nordschleife einmal unter derartigen Witterungsbedingungen kennenlernen zu dürfen. Insbesondere im Nebel flößen die Kurven besonderen Respekt ein. Später löst sich der Nebel auf und der Regen verzieht sich, so dass sich der Jaguar XKR-S erneut auf einer feuchten, aber abtrocknenden Strecke von einer agileren Seite zeigen darf.

Interieur: Racer mit Gentleman-Charakter

Feines Leder mit präzise gesetzten Kontrastnähten vermittelt eine besondere Haptik - es fühlt sich einfach gut an und der Wohlfühlfaktor steigt. Das Interieur versprüht in einer sportlichen Atmosphäre dezenten Luxus mit klassisch ansprechenden Rundinstrumenten. Weitere elegante Akzente setzen das glänzend schwarze Pianolack-Finish für die Mittelkonsole, sportlich anmutende Aluminium-Einlagen und die polierten Edelstahl-Pedale.

Die Performance-Vordersitze mit integrierten Kopfstützen bieten nicht nur eine optimale Seitenführung in attraktiven Kurvenrevieren, sondern ebenfalls durch Langstreckenkomfort und eine 16-Wege-Einstellung der Sitzflächen, Kissen, Lendenwirbelstütze und Polsterelemente. Dazu kommen eine Memory-Funktion und eine Sitzheizung.

Das Infotainment-System umfasst unter anderem die Navigation, das Audio-System sowie eine Bluetooth-Schnittstelle für das Mobiltelefon und lässt sich bequem über einen 7 Zoll großen Touchscreen steuern. Darüber hinaus stehen Anschlüsse für portable Audio-Geräte, wie zum Beispiel iPods oder MP3-Player, als auch USB-Speichergeräte zur Verfügung, so dass sich dort gespeicherte Songs ebenfalls komfortabel abspielen lassen.

Serienmäßig gibt es richtig etwas auf die Ohren: Jaguar stattet sein Topmodell mit einem 525 Watt starken Sound-System von Bowers & Wilkins aus, das mit „Dolby Pro-Logic II Surround-Sound“ für einen sauberen und kraftvollen Klang im Innenraum sorgt. Allerdings primär nur vorne; denn die Rücksitzbank lässt sich eher nur als Ablage oder als Platz für zusätzliches Gepäck nutzen

Fazit:

Der Jaguar XKR-S steigert die Leistungsfähigkeit und Dynamik gegenüber dem herkömmlichen XK, sogar im Vergleich zum XKR, signifikant. Dabei zeigt die britische Raubkatze einen spurtstarken Drang nach vorne und fährt ihre Krallen regelrecht aus. Dazu kommt eine unbändige Kurvengier, die für ein besonders intensives Gefühl der Fahrdynamik sorgt und in purer Begeisterung mündet.

Gegenüber dem herkömmlichen Jaguar XKR Coupé beträgt der Aufpreis für das scharfe „S“ 23.700 Euro. Wer besonders fahraktiv ist und sich zusätzlich gerne auf der Rennstrecke bewegt, dem ist die S-Version ans Herz zu legen.

Viele Optionen gibt es nicht. Der Jaguar XKR-S erweist sich bereits in der Basis, die ab 129.900 Euro erhältlich ist, als sehr gut ausgestattet. Maximal 137.220 Euro lassen sich ab Werk mit allen Optionen und für einen XKR-S ausgeben. Dazu gehört unter anderem das „Bright pack“ mit polierten Leichtmetallfelgen und einem Chrom-Finish einiger Exterieur-Komponenten, eine Motorabdeckung in Carbon, ein adaptives Kurvenlicht, ein beheizbares Sportlenkrad in Velours, eine Reifenluftdruckkontrolle oder ein Garagentüröffner in der Dachkonsole

Deutschland stellt in Europa den zweitgrößten Absatzmarkt für Jaguar dar. Insbesondere die PS-starken Modelle erfreuen sich hierzulande einer großen Beliebtheit. Jeder 5. neu zugelassene Jaguar XK ist aktuell, so die britische Marke, bereits ein XKR-S (Coupé und Cabrio gemeinsam). Im Detail splittet sich das Verhältnis wie folgt auf: Rund ein Drittel aller Jaguar XK stellen Coupés dar, zwei Drittel der Verkäufe entfallen auf das Cabrio.

Etwa 45 Prozent der Verkäufer entscheiden sich für den Jaguar XK mit dem Sauger-Motor, während rund 55 Prozent die kräftigeren Kompressor-Triebwerke des XKR und XKR-S bevorzugen. Es herrscht eine eindeutige Vorliebe für die PS-starken Varianten. Das Verhältnis von Sauger-Motor im Jaguar XK zu den Kompressor-Varianten des Jaguar XKR und XKR-S unterstreicht die Bevorzugung der PS-starken Modellvarianten.


Technische Daten Jaguar XKR-S Coupé:

Antriebsart: Hinterradantrieb | Hubraum: 5.000 cm³ | Leistung: 404 kW/550 PS | Drehmoment: 680 Nm bei 2.500-5.500 U/min | Vmax: 300 km/h (abgeregelt) | Beschleunigung 0-100 km/h: 4,4 Sekunden | Durchschnittsverbrauch: 12,3 l/100 km | CO2-Emission: 292 g/km | Basispreis: 129.900 EUR

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