Porsche 718 Boxster S 2016 Test: Ein Ritt auf der Rasierklinge

, 28.04.2016


Der komfortbetonte „Normal“-Modus eignet sich ideal zum Cruisen. Deutlich lässt sich der Wechsel zum „Sport“- und zum noch schärferen „Sport Plus“-Modus spüren: Die Motordynamik wird noch direkter und die Sportabgasanlage lauter. Die Automatik des Doppelkupplungsgetriebes schaltet die Gänge zudem später hoch und früher zurück. Dazu ertönt beim „Sport“-Modus ein emotionales Bollern aus den Endrohren. Herrlich! Im „Sport Plus“-Modus bleibt das Brabbeln allerdings aus. Nicht ohne Grund: Porsche wählte andere Zündzeitpunkte, so dass der Porsche 718 Boxster S dadurch noch schneller ist.

In Verbindung mit dem Sport-Chrono-Paket bietet das System außerdem den über die PSM-Taste in der Mittelkonsole separat schaltbaren Modus mit der Bezeichnung „PSM Sport”. Er unterscheidet sich funktional vom Normal-Modus “PSM On” und lässt sich jetzt auch unabhängig vom „Sport Plus“-Modus des Sport-Chrono-Pakets aktivieren.

Mit dem „PSM Sport“-Modus lässt es sich dem Grenzbereich noch weiter nähern. Im Vergleich zu „PSM On“ erlaubt die neue Funktion das Driften und höheren Schlupf an den Antriebsrädern. Selbst für ambitionierte Sport-Fahrer erübrigt sich eine Vollabschaltung des PSM. Der „PSM Off“-Modus ist jedoch weiterhin verfügbar und wird über eine lange Betätigung der PSM-Taste aktiviert. Aber auch im „PSM Off“-Modus sowie im neuen „PSM Sport“-Modus aktiviert starkes Bremsen im ABS-Regelbereich die stabilisierende Unterstützung des PSM erneut in vollem Umfang - so lange, bis die Bremse wieder gelöst wird.

Fahrwerk: Mit sportlicher Härte grandios ums Eck

In Kurven zeigt der Porsche 718 Boxster S, dass er ein echter Sportwagen ist, der grandios ums Eck geht. Ausgestattet mit dem PASM-Sportfahrwerk (Porsche Active Suspension Management), das die Karosserie um 20 Millimeter absenkt und kontinuierlich für jedes einzelne Rad die Dämpferkraft regelt, besitzt der Roadster im „Sport“-Modus ein hartes Fahrwerk. Dafür weist der Porsche sogar in schnell durchfahrenen Kurven kaum Seitenneigung auf, während die Keramik-Bremsen mit rundum 350 Millimeter großen Scheiben und 6-Kolben-Festsätteln an der Vorderachse sowie 4-Kolben-Pendants hinten bei Bedarf kräftig zupacken und sich bestens dosieren lassen.

Der Porsche 718 Boxster S lenkt direkt ein, so dass sich der Roadster optimal positionieren lässt. Das Mittelmotor-Konzept trägt mit der idealen Gewichtsverteilung dazu bei, höchst agil die Richtung zu wechseln, während die „Pirelli P Zero“-Reifen für viel Grip sorgen. Dieser Sportwagen ist scharf wie eine Rasierklinge und weiß Kurven zu beugen. Überraschend hoch fällt dazu der Grip an der Vorderachse auf.

Mit Speed beschleunigt der Roadster aus Kurven heraus. Dazu verteilt eine elektronisch geregelte Hinterachs-Quersperre vollvariabel die Antriebsmomente (PTV Plus - Porsche Torque Vectoring): Das kurveninnere Hinterrad wird leicht abgebremst, so dass das kurvenäußere Hinterrad eine höhere Antriebskraft besitzt. Das System arbeitet so intensiv, dass der Porsche nicht genug von Kurven bekommen kann und beim Fahrer impulsiv die Glückshormone freizusetzen weiß.

Sport Response Button: In neue sportliche Sphären katapultiert

Für ein zusätzliches Grinsen sorgt der im Mode-Schalter integrierte „Sport Response Button“. Einmal gedrückt, konfiguriert das System den Antriebsstrang für 20 Sekunden für eine bestmögliche Beschleunigung vor, zum Beispiel für anstehende Überholvorgänge. Dazu wird der optimale Gang eingelegt, der Ladedruck deutlich schneller aufgebaut und die Motorsteuerung kurzzeitig für ein noch spontaneres Ansprechen angepasst. Das reißt in der Tat mit und kann in bestimmten Situationen durchaus den Spaß steigern, um den Gegner in die Schranken zu weisen oder einfach für sich den Extra-Kick emotional zu genießen.

Innenraum: Jetzt mit der digitalen Welt vernetzt

Der konsequent sportlich ausgelegte Innenraum besticht durch hochwertige Materialien und eine sehr saubere Verarbeitung. Leder kommt umfangreich zum Einsatz - nicht nur auf dem Armaturenbrett, auch die Mittelkonsole hüllten die Macher mit Leder ein und setzten dazu präzise Kontrastnähte. Für weitere Akzente sorgen zahlreiche Aluminium-Applikationen. Geräumig ist der Porsche 718 Boxster S, der für bis zu zwei Meter große Personen komfortabel Platz bietet, außerdem.

Im Zentrum des Cockpits steht das neue, serienmäßige „Porsche Communication Management“ (PCM) mit einem 7 Zoll beziehungsweise 17,8 Zentimeter großen Touchscreen, das durch seine einfache Bedienung besticht und sich um diverse Module erweitern lässt. Smartphones, Tablets und Notebooks können die Insassen per WLAN verbinden. Neu ist die Möglichkeit zur Verbindung des iPhones zwecks Nutzung von „Apple CarPlay“, inklusive der Sprachsteuerung „Siri“, um Apps des iPhones auch während der Fahrt nutzen zu könen.

Für eine verbesserte Navigation stehen Echtzeit-Verkehrsinformationen zur Verfügung, die dem Fahrer einen schnellen Überblick über die Verkehrslage und eine dynamische Anpassung der Route bieten. Zur besseren Orientierung integrierte Porsche erstmals die Dienste „Google Earth“ und „Google Street View“. Ein weiterer Bestandteil des PCM stellt „Porsche Connect App“ dar, das zum Beispiel Navigationsziele vom Smartphone an das Fahrzeug überträgt, während „Porsche Car Connect“ das Abrufen von Fahrzeugdaten über eine Smartphone-App und die Fernsteuerung bestimmter Fahrzeugfunktionen ermöglicht.

Gleich zwei Kofferräume - und so viel passt rein

Von einem echten Sportwagen, insbesondere einem Roadster mit hochagiler Fahrdynamik, kann man viel erwarten, aber oftmals keinen Platz für Gepäck. Ganz anders der Porsche 718 Boxster S, der durch das Mittelmotor-Konzept zwei Kofferräume bietet: Der vordere Gepäckraum mit 150 Litern Ladevolumen ist tief und gut zugeschnitten, der hintere mit 125 Litern Volumen besitzt eine große Öffnung, jedoch ein flacheres Fach. Unterm Strich bietet der Porsche 718 Boxster S ein Ladevolumen von 275 Litern, das zwei Reise-Trolleys und zwei Reisetaschen genügend Platz bietet. Sogar einer Reise steht damit nichts im Wege.

Ein großes Arsenal an Ablagen im Innenraum bietet der Porsche 718 Boxster S nicht. Aber es gibt clevere Lösungen: Auf den ersten Blick wirken die Ablagefächer in den Türen schmal geschnitten. Allerdings lassen sich die Fächer ausklappen, so dass auch dort Flaschen hineinpassen. Kleiderhaken besitzt der Roadster ebenfalls - nämlich an den Rücksitzlehnen. Dazu kommen in der Mittelkonsole ein offenes und geschlossenes Fach sowie zwei Getränkehalter, die Porsche auf der Beifahrerseite hinter der Zierblende über dem Handschuhfach integrierte.

Fazit:

Porsche traf erneut ins Schwarze: Der Porsche 718 Boxster S sieht verdammt cool aus. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass der neue 2,5 Liter große Vierzylinder-Boxermotor mit Turbo-Aufladung nicht den ultimativen Sound des Sechszylinder-Boxermotors besitzt. Dennoch: Er ist echt bissig! Die deutlich gestiegene Power, das Mittelmotor-Konzept und das überragende Handling durch Modifikationen an den richtigen Stellen machen den neuen Porsche 718 Boxster S zu einem der begehrenswertesten Roadster auf dem Markt.


Technische Daten Porsche 718 Boxster S PDK:

Antriebsart: Heckantrieb
Hubraum Vierzylinder-Turbo-Boxermotor: 2.497 cm³
Leistung: 257 kW/350 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 420 Nm bei 1.900-4.500 U/min
Getriebeart: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK)
Vmax: 285 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,4 Sekunden (4,2 Sekunden mit Sport Chrono Paket)
Leergewicht: 1.460 Kilogramm
Durchschnittsverbrauch: 7,3 l/100 km
CO2-Emission: 167 g/km
Preis: ab 68.967,25 EUR

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1 Kommentar > Kommentar schreiben

05.07.2018

Hallo, Ich bin den Boxster s mit Schaltgetriebe und nur 4 Zylindern gefahren, Porsche Zentrum Düsseldorf. Der Sound ist mäßig, die Laufkultur des Motors im unteren Drehzahlbereich rauh. Das rauhe Laufen des Motors verursacht auch das ein oder andere Knarzen im Innerraum bei niedrigen Geschwindigkeiten. Ein optisch ansprechendes Fahrzeug mit Defiziten im Motorenbereich Achim Pfeifer (Dipl.Ing.)


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