Skoda Octavia RS 1U Test: Alles begann mit diesem RS

, 30.11.2022


Das ist das Auto, mit dem alles begann: der Skoda Octavia RS der 1. Generation. Im Jahr 2000 war es dem Octavia vorbehalten, als erstes Serienmodell von Skoda das legendäre RS-Kürzel zu tragen. RS steht für „Rally Sport“ und bringt seitdem Performance auf die Straße. Doch dieser Skoda Octavia RS ist etwas Besonderes und wurde tatsächlich im Rallye-Sport, auf der Rennstrecke und bei Bergrennen eingesetzt. Für alle, die jetzt an einen gebrauchten Octavia RS 1 denken: Auf welche Leistung das ursprüngliche Serienauto gesteigert wurde und wie viel Fahrspaß dieser Skoda noch heute bietet, zeigt der Skoda Octavia RS 1 Test.

1974 führt Skoda das Kürzel „RS“ bei den Rallye-Prototypen Skoda 180 RS und Skoda 200 RS erstmals ein. Sodann begann 1975 die Ära des legendären Skoda 130 RS, der als „Porsche des Ostens“ bekannt wurde und zahlreiche Motorsporterfolge errang wie zum Beispiel 1977 einen Doppelsieg bei der berühmten Rallye Monte Carlo in seiner Klasse. 1981 folgt der Markentitel in der Tourenwagen-Europameisterschaft und 1986 der Gesamtsieg bei der zur Europameisterschaft zählenden Türkei-Rallye.

1999 entschließt sich Skoda zum Einstieg in die Königsklasse der Rallye-WM und setzt mit dem Skoda Octavia WRC auf sein erstes Rallye-Fahrzeug mit Allradantrieb, das bis einschließlich 2004 in der Königsklasse zum Einsatz gelangt. Im Laufe der Jahre pilotieren den Skoda Octavia WRC mehrere Fahrer aus dem Kreis der internationalen Rallye-Elite. Neben dem Deutschen Armin Schwarz sowie den tschechischen Stars Pavel Sibera und Emil Triner gehören dazu unter anderem auch Roman Kresta, Jan Kopecký und keine Geringeren als Stig Blomqvist und Didier Auriol.

Antrieb Skoda Octavia RS 1U: Stärker, schneller und für Rennen gerüstet

Angesteckt vom Rallye-Einsatz des Skoda Octavia WRC, beschließt ein nicht namentlich genannter Tscheche, einen Skoda Octavia RS der ersten Generation im bestmöglichen Zustand zu kaufen, um damit selbst an Rennen teilzunehmen. In der Serie sorgt ein 1,8 Liter großer Vierzylinder-Turbobenziner mit 180 PS und 235 Nm für den Antrieb. In Kombination mit einem Vorderradantrieb und einem 5-Gang-Handschaltgetriebe, spurtet der Octavia RS in 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erzielt eine damals in dieser Klasse beeindruckende Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h.

Der bei der Rallye-Weltmeisterschaft eingesetzte Skoda Octavia WRC holt derweil aus einem 2,0-Liter-Turbobenziner rund 300 PS und bis zum 600 Nm Maximaldrehmoment. In Kombination mit einem 6-Gang-Handschalter beschleunigt der Rennwagen in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Mit dem serienmäßigen Skoda Octavia RS der 1. Generation gab sich der Besitzer damals nicht zufrieden und ließ sich für einen mitreißenden Sound eine neue Abgasanlage anfertigen. Dazu kamen unter anderem Modifikationen an der Software des Steuergerätes, der Verbau eines 6-Gang-Handschaltgetriebes und eine Verstärkung der Vorderachse, um das Handling zu verbessern. Der Motor leistete fortan über 200 PS und ein maximales Drehmoment von über 300 Nm. Im Innenraum weisen ein Zündschalter-Panel in der Mittelkonsole, eine Kombianzeige für Öltemperatur, Öldruck sowie Volt und ein Feuerlöscher auf den Renneinsatz dieses Skodas hin.

Skoda Octavia RS 1U: Die unterschätzte Leistungsfähigkeit

Bis zur Einführung des ersten Skoda Octavia RS 1U galt der Octavia als biederes Familienfahrzeug. Doch plötzlich wurde dieses Auto zum Sportler, erhielt den Motor aus dem VW Golf GTI der 4. Generation und war damals der stärkste und schnellste Serien-Skoda. Viele rümpften die Nase, da Skoda zu jener Zeit noch als Billigmarke von Volkswagen angesehen wurde. Doch versierte Autoenthusiasten erkannten die Leistungsfähigkeit des ersten RS-Serienmodells und das Skoda tatsächlich einen heißen Kompaktsportler auf die Räder stellte.

Mit über 200 PS ist dieser modifizierte Skoda Octavia RS Gen 1 gar nicht so weit weg von den 245 PS eines heutigen Skoda Octavia RS in der mittlerweile 4. Generation, der mit einem 6-Gang-Handschalter in 6,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erzielt. Mehr noch: Der damalige Octavia RS wog im Serienzustand nur etwa 1.300 Kilogramm - und damit fast 200 Kilogramm weniger als der heutige Octavia RS.

Optisch könnten die Anbauteile des ersten Skoda Octavia RS MK1, insbesondere die markante, tief heruntergezogene Frontschürze, aus einem Tuning-Katalog stammen. So war das halt damals. Darüber hinaus ließ sich die RS-Version an dem charakteristischen Heckspoiler, dem eckigen Chrom-Auspuff und den grün lackierten Bremssätteln erkennen. Außerdem spendierten die Macher dem ersten Serien-RS ein Sportfahrwerk. Während dem Skoda Octavia WRC in der Rallye-WM die ganz großen Erfolge verwehrt blieben, zu groß war das Auto für diesen Einsatz, trat die Straßenversion einen unglaublichen Erfolgsweg an, der bis in unsere Zeit unangefochten anhält.

Fahrdynamik Skoda Octavia RS 1U: Das ist unkomplizierter Fahrspaß

Auch oder gerade aus heutiger Sicht, macht es richtig Spaß, diesen Skoda Octavia RS 1U zu fahren. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,9 Sekunden beziehungsweise rund 7 Sekunden mit dem getunten Auto, reißen heutzutage keinen vom Hocker und wirken bereits fast gemächlich. Aber es ist einfach ein Vergnügen, das frühere Fahrgefühl wieder erleben zu können: Das Gaspedal durchtreten und darauf zu warten, dass der Turbo plötzlich einen kräftigen Schub liefert. Was dieses Fahrzeug bei der Beschleunigung einbüßt, machen der emotionale Auspuffsound und das ständigen Zischen des Turbos, wenn die überschüssige Ladeluft ausgeblasen wird, wieder wett. Je schneller, desto besser wird der Sound. Keine Frage, das macht süchtig.

Auf kurvigen Straßen fällt auf, wie unkompliziert sich der Skoda Octavia RS der 1. Generation fahren lässt. Klar, im Vergleich zur Präzision der heutigen Kompaktsportler liegen Welten. Aber in diesem Auto ist der Fahrer aktiver eingebunden. Auf der einen Seite fühlt sich der über 20 Jahre alte Octavia RS robust und in Kurven weicher an. Die direkte Lenkung bietet sogar ein natürlicheres Gefühl als teilweise die von heutigen Autos, während sich der alte Octavia RS erfreulich agil zeigt, Fehler verzeiht und eine knackige Handschaltung besitzt. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven zieht der Skoda Octavia RS MK1 zudem ordentlich durch und überzeugt im mittleren Drehzahlbereich. Es wird klar, dass der Skoda Octavia RS einst ein absolut unterschätztes Auto war.

Innenraum Skoda Octavia RS 1U: Für die Ewigkeit gebaut

Keine Fahrmodi und keine grellen Bildschirme, stattdessen große Tasten und Schalter zur zweckmäßigen Bedienung. Das Armaturenbrett im Skoda Octavia RS 1 gestalteten die Macher so einfach wie im normalen Octavia. Harter Kunststoff dominiert den Innenraum, jedoch gut verarbeitet und scheinbar für die Ewigkeit gebaut. Weiche Softtouch-Oberflächen befinden sich lediglich oben auf dem Armaturenbrett. Akzente setzen derweil das Lederlenkrad, die Alu-Pedalerie und die weißen, analogen Ziffernblätter. An digitale Cockpits dachte zu jener Zeit niemand.

Dem Skoda Octavia RS der 1. Generation vorbehalten waren die zweifarbigen Leder-Stoff-Sitze - um die Jahrtausendwende voll angesagt. Vorne sitzen auf den eher straff ausgeführten Sportsitzen bis zu 2,00 Meter große Personen bequem. Im Fond geht es jedoch aufgrund der geringen Beinfreiheit etwas eng zu. Kein Wunder: Der erste Skoda Octavia war 4,507 Meter lang, 1,731 Meter breit und 1,455 Meter hoch. Im Vergleich: Der aktuelle Skoda Octavia der 4. Generation misst 4,689 Meter in der Länge, 1,829 Meter in der Breite und 1,455 Meter in der Höhe, ergo 18 Zentimeter länger und 10 Zentimeter breiter.

Riesig fällt hingegen der Kofferraum mit einem im Kompaktsegment beachtlichen Ladevolumen von 428 Litern aus. Werden die Rücksitzlehnen umgeklappt, steigt das Gepäckraumvolumen auf 1.328 Liter.

Fazit Skoda Octavia RS 1U:

Beim Skoda Octavia RS der 1. Generation, der 2000 seine Erfolgsstory startete, reichen eine gute Motor-Getriebe-Kombination und eine in jener Zeit schöne Lenkung aus, um für unverfälschten Fahrspaß zu sorgen. Dieser Skoda Octavia RS 1U ist einfach unkompliziert und sorgt sogar heute noch für unerwartet viel Vergnügen.

Technische Daten Skoda Octavia RS 1U (Serienversion, 2000 - 2005):

Länge x Breite x Höhe: 4,507 x 1,731 x 1,455 Meter
Radstand: 2,512 Meter

Antriebsart: Frontantrieb
Hubraum Vierzylinder-Turbobenziner: 2.998 cm³
Leistung: 132 kW/180 PS bei 5.500 U/min
Drehmoment: 235 Nm bei 1.950 - 5.000 U/min
Getriebeart: 5-Gang-Handschaltung
Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,9 Sekunden

Durchschnittsverbrauch (nach NEFZ): 8,0 l/100 km
CO2-Emission (nach NEFZ): 192 g/km

Leergewicht: rund 1.300 Kilogramm
Kofferraumvolumen: 428 - 1.328 Liter

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Skoda-Testberichte

Wie dynamisch das vollelektrische Skoda Enyaq Coupé RS tatsächlich ist, zeigt der Test von Christian Brinkmann.

Skoda Enyaq RS Test: Stark, aber das fehlt dem Elektro-RS

Das sportlich-elegante Design des Skoda Enyaq Coupé RS iV zieht mit seiner attraktiven Coupé-Linie und den exklusiven, noch dynamischeren Details für das RS-Modell die Blicke auf sich. Vom herkömmlichen …

Neues Elektroauto: Was die besonderen Vorteile des Skoda Enyaq iV sind und wie es um die Reichweite steht, zeigt Christian Brinkmann.

Skoda Enyaq iV Test: Elektro-SUV mit besonderen Vorteilen

Das Design von Skoda wird immer besser. Jetzt schlägt der Skoda Enyaq iV mit einer nochmals dynamischeren Optik das neueste Kapitel auf. Markant zeigt sich die Front mit scharfen Linien, einem neu …

Ob der Skoda Scala dem aktuellen VW Golf 7 ebenbürtig ist, testet Christian Brinkmann.

Skoda Scala 2019 Test: Günstiger und besser als der VW Golf?

Scharf und modern gestaltet, präsentiert sich der Skoda Scala und verzichtet dabei auf extravagante Design-Experimente. Dynamische Linien und Konturen prägen die Front, bei der insbesondere der mit Chrom …

Was der Skoda Kodiaq Pickup als Mountiaq alles bietet, zeigt Christian Brinkmann.

Skoda Mountiaq: Der Skoda Kodiaq Pickup im allerersten Check

Es gibt bislang nur dieses eine Fahrzeug - der Skoda Mountiaq ist ein echtes Unikat auf Basis des Skoda Kodiaq Scout. Mit dem eigens entworfenen Farbton „Sunset Orange“ zieht der Skoda Kodiaq Pickup …

Was der Skoda Karoq Sportline als Sportversion drauf hat, testet Christian Brinkmann.

Skoda Karoq Sportline 2019 Test: Stärker als alle anderen

Besser geht es nicht: Der Skoda Karoq Sportline besitzt den aggressiven Look eines RS-Modells . Die deutlich angriffslustiger gezeichnete Frontschürze unterstreicht die sportlichen Ambitionen auf den …

Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo