VW Jetta 2.0 TDI: Konkurrenz im eigenen Hause?

, 28.08.2007


Auch in seiner neuesten Generation fristet der Jetta ein Schattendasein zwischen Golf und Passat. Zu Unrecht, wie unser Testbericht der 170 PS starken 2.0 TDI-Variante zeigt.

Erst Jetta, dann Vento und Bora, und nun wieder Jetta: Zeit seiner Karriere sucht die kompakte Stufenheck-Limousine nach einer eigenen Identität und steht stets im Schatten des weitaus erfolgreicheren Golf. Eigentlich schade, denn so bleibt vielen verborgen, dass die Wolfsburger mit dem aktuellen Jetta ein Auto mit vielen Qualitäten auf die Räder gestellt haben. Hat er vielleicht sogar das Zeug zum ernsthaften Passat-Konkurrenten? Der Motorvision-Testbericht des Jetta mit dem 170 PS starken Zweiliter-TDI-Diesel gibt die Antwort.

[strong]Design[/strong]

Nachdem Jetta, Vento und Bora früher oft als ,,Rucksack-Golf" verspottet worden sind, ist es den VW-Designern diesmal gelungen, der kompakten Stufenheck-Limousine ein stimmiges Kleid zu schneidern. Hauptgrund dafür: Die Kofferraum-Stufe liegt nicht mehr ganz so hoch wie bei den früheren Generationen. Die Front wirkt dank des Kühlergrills in Chrom-Optik edler als die des Golf. Seitenansicht und Heckpartie erinnern stark an den größeren Passat. Details wie LED-Rückleuchten, die Chromleisten um die Seitenfenster sowie die schicken 18-Zöller namens ,,Charleston" (1.765 Euro extra) peppen das Design zusätzlich auf. Alles in allem zeigt sich der Jetta also gefällig, auch wenn das Blechkleid aufgrund mangelnder Emotionalität sicher keine Begeisterungsstürme auslöst. Zudem würden wir dem Jetta eine individuellere Note wünschen.

[strong]Karosserie und Innenraum[/strong]

Das Jetta-Interieur empfängt die Insassen im typischen VW-Stil, vieles ist aus dem Golf bekannt. Die Sportsitze (serienmäßig in der ,,Sportline"-Ausstattung, mit der unser Testwagen ausgerüstet war) bieten einen guten Mix aus Komfort und Seitenhalt. Hier und da setzen Metall-Applikationen optische Akzente. Dreispeichen-Lenkrad, Schaltknauf und Handbremshebel tragen jeweils einen Ledermantel. Man fühlt sich auf Anhieb wohl, was auch an der ausgeprägten Bediensicherheit liegt. Alle Anzeigen, Schalter und Knöpfchen liegen da, wo sie hingehören. Auch Navi und Soundsystem lassen sich intuitiv bedienen.

Nix zu meckern auch beim Platzangebot, das sowohl im Innen- als auch im Kofferraum nicht weit von Passat-Standards entfernt ist: In der ersten Reihe geht es sehr luftig zu, doch auch die hinteren Passagiere fühlen sich nie eingeengt. Bei 527 Litern Gepäckvolumen (Passat Stufenheck: 603) darf das Urlaubsgepäck gerne auch üppiger ausfallen.

[strong]Antrieb und Fahrwerk[/strong]

In der 170 PS-Variante hat VW die Mankos des 30 PS schwächeren 2.0 TDI-Motors teilweise ausgemerzt: Er geht spürbar kultivierter zu Werke als das Selbstzünder-Pendant und legt etwas bessere Manieren an den Tag. Trotzdem nagelt und ruckelt der Pumpe-Düse-Diesel noch immer deutlich ausgeprägter als die moderne Common Rail-Konkurrenz. Nix zu meckern aber über die Kraftreserven: Schon ab 2.000 Touren (bei dieser Marke liegt das Drehmoment-Maximum von 350 Newtonmeter an) zieht der Jetta los wie ein Großer, ohne vorher aus einem allzu tiefen Turboloch krabbeln zu müssen. Auch das um 15 Millimeter tiefergelegte Fahrwerk, das bei unserem Sportline-Jetta serienmäßig an Bord ist, zeigt sich ausgereift: Sportlich und erst spät untersteuernd pfeift der Wolfsburger um Kurven, bietet aber stets ein hohes Maß an Fahrkomfort.

[strong]Kosten[/strong]

Da VW den 170 PS starken Jetta nur in den höherwertigen Comfort- oder Sportline-Ausstattungsvarianten anbietet, liegt der Grundpreis bei happigen 27.250 Euro. Auch hier ist er nicht mehr weit vom großen Bruder Passat (29.900 Euro in der Comfortline-Ausstattung) entfernt. Trotzdem präsentiert sich die Ausstattung VW-typisch karg: Wer 17- oder 18-Zoll-Felgen, Klimaautomatik statt -anlage oder ein CD-Radio möchte, muss draufzahlen - von einer Lederausstattung oder einem Navigationssystem ganz zu schweigen. Beim Verbrauch zeigt sich der Jetta 2.0 TDI dagegen als Sparfuchs: Selbst bei engagierter Fahrweise genehmigt sich der Wolfsburger nur rund 7,5 Liter auf 100 Kilometer, im Mix stehen etwa 6,5 Liter zu Buche.

[strong]Fazit[/strong]

Bis auf die selbstbewusste Preisgestaltung hat der Jetta mit dem 170 PS-TDI keine wirkliche Schwäche. Er bietet großzügige Platzverhältnisse, einen gleichzeitig kräftigen und sparsamen Motor sowie ein agiles und sicheres Fahrverhalten. Angesichts der hochwertigen Innenraum-Materialien und der sehr guten Verarbeitung stimmt auch die Qualität. Uns fehlt jedoch ein kräftiger Schuss Emotionalität. Dies und das deutlich geringere Prestige des immer noch um eine eigene Identität bemühten Jetta dürfte die meisten Passat-Fahrer aber vom Umstieg auf den günstigeren Bruder abhalten. Objektiv betrachtet hat der Jetta aber ohne Zweifel das Zeug zur hauseigenen Passat-Konkurrenz.

[strong]Technische Daten (Werksangaben):[/strong]

Leistung: 103 kW (170 PS) / 4.200/min
Max. Drehmoment: 350 Nm / 2.000/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h: 8,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h
Durchschnittsverbrauch: 5,9 l / 100 km
Grundpreis Comfortline: 27.250 Euro

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