VW Polo GTI vs Opel Corsa OPC: Wer backt die heißere Rennsemmel?

, 22.02.2008


Wer möchte, kann es auch in der Kleinwagenklasse so richtig krachen lassen. Eine These, die sich zum Beispiel mit diesen beiden Argumenten stützen lässt: VW Polo GTI Cup Edition und Opel Corsa OPC, beides Kontrahenten in unserem Vergleich.

GTI und OPC - zwei Kürzel, die Fahrspaß versprechen. Obwohl - oder gerade weil? - die Träger dieser Buchstabenkombinationen von Haus aus eher biedere Kleinwagenkost verkörpern. Doch welches Haustuner-Team hat nun bessere Arbeit geleistet? Die Antwort kann nur ein Vergleich zwischen VW Polo GTI Cup Edition und Opel Corsa OPC geben.

Design

Glutrot sind sie beide. Doch damit enden bereits die Gemeinsamkeiten. Denn schnell gehen die Philosophien, wie ein Trainingsanzug für einen Kleinwagen auszusehen hat, auseinander. In Wolfsburg bevorzugt man eher den klassischen Schnitt: Mit Lufteinlässen in der in Wagenfarbe lackierten Frontschürze, Wabengrill, 17-Zöllern, Dachspoiler, Doppelrohrauspuff und diversen Schriftzügen haben die Designer versucht, dem biederen Polo-Blechkleid ein Styling zu verpassen, das der Bezeichnung ,,Cup-Edition" gerecht wird. Das ist bedingt gelungen, zumal auch der Innenraum wenig Racingflair versprüht: Sportsitze mit Karomuster, hier und da ein paar rote Nähte, Alu-Pedale und ein GTI-Emblem im Lenkrad müssen als Rennsportzitate reichen.

Opel ist da konsequenter: Hervorragend stützende Schalensitze, ein unten abgeflachtes Volant mit Griffmulden, blau schimmernde Instrumente und Alu-Pedale geben dem OPC-Interieur einen dynamischen, die Klavierlack-Mittelkonsole einen edlen Touch. Außen setzt sich das Bild fort: Schürzen mit angedeuteten Lufteinlässen, eigens gestylte Außenspiegel, Schwellerleisten, 18-Zoll-Felgen (Option) und ein Dachflügel emotionalisieren das Corsa-Design, ohne zu dick aufzutragen. Der wahrer Hingucker folgt am Heck: Ein Diffusor nimmt das zentral angeordnete, dreieckige Auspuff-Endrohr auf. Der OPC macht also auch optisch einen auf Knallbüchse - deshalb geht der erste Punkt nach Rüsselsheim.

Motor

Hier wie dort machen Turbolader den Vierzylindern mächtig Dampf unter dem Hintern - beim VW stehen 180, beim Opel 192 PS im Datenblatt. Leichter Rückstand also für den Polo, der aber überraschend mit dem gleichen Topspeed (225 km/h) aufwarten kann. Allerdings hat der Rüsselsheimer den besseren Antritt und sprintet mit 7,2 Sekunden drei Zehntel schneller von Null auf Hundert als der Wolfsburger. Soweit die Theorie, doch wie sieht die Praxis aus?

Im Drehzahlkeller gönnen sich beide Treibsätze eine kurze Denkpause, doch dann legt der OPC herzhafter los. Nachdem er dank 266 Newtonmetern (im Overboost) beim Antritt freudig mit den Vorderhufen gescharrt hat, jubelt er erregt dem roten Bereich entgegen. Der Vierzylinder artikuliert sich dabei entsprechend markig, ohne aber ein Schreihals zu sein. Anders der GTI: Subjektiv geht der Wolfsburger unaufgeregter zu Werke, wenn auch objektiv kaum bedächtiger. Dafür röhrt er mit seinem lauten Ansauggeräusch kerniger als das Rüsselsheimer Pendant. Spaßig beim Kurvenräubern, aber nervig auf der Autobahn, zumal das Drehzahlniveau dort wegen des fehlenden sechsten Ganges höher liegt als beim Opel.

Trinkfest zeigen sich beide Triebwerke: Wer sich von den Motoren zur sportlichen Gangart verleiten lässt, hat Mühe, unter die Zehn-Liter-Grenze zu kommen - weit entfernt von den 7,9 Litern, die sowohl VW als auch Opel für ihre Knallkisten angeben. Minus beim VW: Der GTI zeigt sich in seinen Trinksitten sehr wählerisch und will mit Super Plus verköstigt werden.

Sportlicherer Antritt, bessere Umgangsformen - der Opel sichert sich auch den zweiten Punkt.

Lenkung/Fahrwerk

Wer beim Polo GTI angesichts des Labels ,,Cup Edition" kompromisslose Härte erwartet, muss sich eines Besseren belehren lassen. Das Fahrwerk präsentiert sich straff, aber keineswegs unkomfortabel abgestimmt. Der Opel fordert da schon mehr Zugeständnisse, nimmt Unebenheiten nicht so souverän wie der VW. Dafür legt er die bessere Agilität an den Tag. Der OPC bleibt länger neutral, dreht zudem beim zackigen Einlecken leicht mit dem Heck ein und hilft dem Auto damit um die Kurve. Die Lenkung präsentiert sich sehr exakt, wenn auch das Lenkgefühl etwas zu synthetisch ist. Polo GTI-Fahrer müssen dagegen mit drei Mankos leben: Der Wolfsburger lenkt im Vergleich zum Corsa träge ein, untersteuert nur allzu gerne und verfügt über ein ESP, dass sehr früh und kompromisslos eingreift. Beim Corsa gehen die elektronischen Wächter harmonischer zu Werke. Ein Grund, warum er den Polo auch in diesem Kapitel abhängt.

Alltagstauglichkeit

Genuss ohne Reue: Fahrspaß geht bei den gedopten Kleinen nicht auf Kosten des Alltagsnutzens. Im Innenraum reist es sich auch zu viert keineswegs beengt, wenn auch der Polo mit den großzügigeren Fensterflächen und weniger wuchtigen Sitzen das bessere Raumgefühl vermittelt. Die Gepäckabteile (270 Liter im Polo, 285 im Corsa) reichen für die meisten Aufgaben aus, können bei Bedarf aber auf 1.030 (Polo) bzw. 1.050 Liter (Corsa) erweitert werden. Da beide Kontrahenten zudem routiniert verarbeitet sind, gibt die um Längen bessere Rundumsicht in diesem Kapitel den Ausschlag zu Gunsten des Polo GTI.

Kosten

Im Vergleich zum GTI bietet der OPC den um 500 Euro günstigeren Grundpreis (22.700 statt 23.500), hat dem Wolfsburger in der Grundausstattung zudem ein CD/MP3-Radio und Kopfairbags voraus. Da sich die Duellanten in punkto Kraftstoffverbrauch, Garantien und Versicherungseinstufung nur um Nuancen unterscheiden, holt sich der Rüsselsheimer den vierten Punkt.

Fazit

Mit 4:1 geht dieser Vergleich klar an den Corsa OPC. Er ist nicht nur dynamischer gestylt, sondern fährt sich auch so und bietet das deutlich harmonischer abgestimmte ESP. Die kleinen Nachteile in Sachen Alltagsnutzen macht er durch den etwas günstigeren Preis und eine bessere Ausstattung mehr als wett. Glückwunsch an die OPC-Mannen: Aus der Rüsselsheimer Backstube kommt die heißere Rennsemmel!

1 Kommentar > Kommentar schreiben

25.02.2008

Schöner Vergleich, rein subjektiv betrachtet, gefällt mir hier zum ersten mal auch der Opel optisch besser! Das Polo Heck mag mir so gar nicht gefallen!


Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Volkswagen-Testberichte

Fahrbericht VW Golf Variant: Solide bis ins Mark

Das Warten hat sich zumindest für alle jene gelohnt, die einen soliden Kombi suchen. Dies gilt besonders, wenn der Wolfsburger vom 2,0-Liter-Dieselmotor mit 103 kW/140 PS angetrieben wird. In dieser …

VW Golf GT 1.4 TSI vs. Opel Astra 1.6 Turbo: …

Es ist das Duell der Duelle, seitdem es Vergleichstests gibt: Wolfsburg gegen Rüsselsheim, Volkswagen gegen Opel, Golf gegen Astra. Und obwohl es für die Fans beider Lager nur den einen oder den anderen …

VW Touran vs. Opel Zafira: Duell der Kompaktvan-Giganten

Während von 1998 bis 2003 der Zafira Marktführer war, überholte VW mit dem Touran die Rüsselsheimer im Jahr 2004 und führt seitdem die Zulassungsstatistik an. Mit dem 150 PS-Diesel kommt der Zafira auf über …

VW Jetta 2.0 TDI: Konkurrenz im eigenen Hause?

Erst Jetta, dann Vento und Bora, und nun wieder Jetta: Zeit seiner Karriere sucht die kompakte Stufenheck-Limousine nach einer eigenen Identität und steht stets im Schatten des weitaus erfolgreicheren Golf. …

Dreiervergleich Peugeot 407, VW Passat, Toyota Avensis

Der Franzose möchte mit 170PS, einer Spitzengeschwindigkeit von 221 km/h und seinem relativ günstigen Einstiegspreis von 28.050 Euro überzeugen. Toyota hat seinen Avensis mit 177 Dieselpferdchen …

AUCH INTERESSANT
BYD Blade-Batterie: Das Geheimnis der Blade-Klinge

AUTO-SPECIAL

BYD Blade-Batterie: Das Geheimnis der Blade-Klinge

Es ist die beeindruckende Kombination aus großer Reichweite, langer Lebenszeit, geringen Abmessungen und hoher Sicherheit, welche die Blade-Batterie von BYD so einzigartig macht. Die BYD …


TOP ARTIKEL
VW ID.7 GTX Tourer: Alle Infos - der erste Check
VW ID.7 GTX Tourer: Alle Infos - der erste Check
VW Golf R 2024: Power-Spritze zum 50sten
VW Golf R 2024: Power-Spritze zum 50sten
BYD Seal U Test: Kampfpreis - das macht den Unterschied
BYD Seal U Test: Kampfpreis - das macht den …
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
BYD Blade-Batterie: Das Geheimnis der Blade-Klinge
BYD Blade-Batterie: Das Geheimnis der Blade-Klinge
Dacia Duster 2024 Test: Der Neue für unter 20.000 Euro
Dacia Duster 2024 Test: Der Neue für unter …
Mazda2 Hybrid 2024 Test: Der Kleine mit dem Mini-Verbrauch
Mazda2 Hybrid 2024 Test: Der Kleine mit dem …
BYD: Der echte Preis - Europa-Seagull kommt 2025
BYD: Der echte Preis - Europa-Seagull kommt 2025
World Car of the Year 2024: Die 5 besten Autos der Welt
World Car of the Year 2024: Die 5 besten Autos …


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • World Car Awards Logo
  • Motorsport Total Logo