Hans-Jürgen Abt: "Gibt in der DTM keine Garantien für Titel"

, 05.05.2016

Teambesitzer Hans-Jürgen Abt spricht im Interview über die DTM-Saison 2016 und verrät, dass in diesem Jahr endlich einmal wieder ein Titel in Kempten landen soll...

Das Unternehmen Abt feiert in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag. In der neuen DTM ist das Team um Besitzer Hans-Jürgen Abt seit der ersten Stunde im Jahr 2000 mit dabei. 'Motorsport-Total.com' ist einer Einladung von Abt und Audi gefolgt und hat sich im Firmensitz in Kempten im Allgäu mit Hans-Jürgen Abt und seiner Mannschaft getroffen. Der Teambesitzer spricht im Interview unter anderem über die Ziele in diesem Jahr, die neuen DTM-Regeln und das neueste Abt-Abenteuer in der Formel E.

Frage: "Herr Abt, ihr Unternehmen feiert in diesem Jahr den 120. Geburtstag. Was wäre denn ein schönes Geschenk?"

Hans-Jürgen Abt: "Die schönsten Geschenke sind immer Siege und Meisterschaften! Deshalb sind wir auch schon mehr als 60 Jahre im Motorsport tätig - und auch schon über 20 Jahre mit Audi im Werkssport. Wir kämpfen um Meisterschaften und haben schon viele geholt, aber es ist in jedem Jahr ein Kampf und eine Energieleistung aufs Neue."

Frage: "Der letzte Fahrertitel durch Timo Scheider im Jahr 2009 liegt mittlerweile schon etwas zurück. Eigentlich wird es mal wieder Zeit, oder?"

Abt: "Ich würde das nicht negativ sehen. Sicherlich, wenn man fünf Meisterschaften in der DTM geholt hat, dann will man natürlich jedes Jahr wieder eine holen. Das ist unser Ansporn, dafür treten wir an. Aber die DTM ist so eng, dass es da keine Garantien gibt. Wir sind wirklich fast jedes Jahr um die Meisterschaft gefahren, waren stets siegfähig und vorne dabei, und haben dann manchmal auch durch etwas Pech nicht gewonnen. Aber das gehört zum Sport dazu. Und - wenn sie mich so direkt fragen: Wir wollen natürlich auf alle Fälle um den Titel fahren."

Frage: "Freuen sie sich denn im Zweifelsfall auch, wenn ein anderes Audi-Team den Titel holt, oder sind sie so ambitioniert, dass sie selbst unbedingt den Meister stellen möchten?"

Abt: "Grundsätzlich fahren wir für den Hersteller. Wir arbeiten jetzt schon seit so vielen Jahren mit Audi zusammen und wissen wie wichtig es ist, dass die Marke Audi im Vordergrund steht. Aber ich glaube auch, dass sich die Teams untereinander zu Höchstleistungen treiben. Da muss ein gewisser Wettbewerb da sein, ohne Frage. Und das ist gut so. Letztendlich benötigen wir natürlich eine gemeinsame Linie und damit auch einen gemeinsamen Auftritt. Wir sind eine Mannschaft, ein Audi-Team - die DTM ist ja auch in gewissem Maße ein Teamsport. Wenn man nicht zufrieden ist, dann muss man erst einmal besser sein als sein Teamkollege. Das ist unter den Fahrern so und auch unter den Teams."

Frage: "Mit Nico Müller bekommt Abt in diesem Jahr auch einen neuen Fahrer. Wie läuft so ein Fahrerwechsel Audi-intern ab?"

Abt: " Es ist schon so, dass Audi die Fahrerpaarungen bestimmt; aber natürlich werden wir als Team in die Entscheidungsfindung miteinbezogen. Gerade bei diesem Wechsel zwischen Adrien Tambay und Nico Müller war es so, dass man den jungen Fahrern unter anderem wieder einmal ein neues Umfeld bieten wollte, quasi als frischen Wind, der vielleicht auch neuen Spirit bringt. Die Fahrer sollen sich im harten Umfeld der DTM wohlfühlen."

Frage: "Was sagen sie zu den neuen DTM-Regeln in diesem Jahr? Stichwort: Performance-Gewichte..."

Abt: " Ich glaube, dass sich die Ingenieure wirklich sehr stark und erfolgreich damit befasst haben, um es gerecht für alle zu machen. Die Philosophie soll ja sein, dass an jedem Rennwochenende jeder Hersteller und jeder Fahrer konkurrenzfähig ist. Sollte das so passen, wäre das revolutionär. Wenn es nicht passt, dann muss man über die Gründe sprechen. Aber ich glaube, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Klar ist auch, warum es überhaupt Performance-Gewichte gibt: Wir haben die Autos durch unsere selbstverordnete Kostenreduktion und Selbstbeschränkung 'eingefroren'. Da kann man einfach nicht an anderen Stellschrauben drehen, damit alle drei Marken konkurrenzfähig sind. Wir und auch die Zuschauer wollen aber doch, dass jeder siegfähig ist, die Fahrer letztendlich den Unterschied machen und somit alle spannende Rennen sehen."

Frage: "Können sie als Teambesitzer sich auch einbringen, wenn in der DTM über neue Regeln gesprochen wird?"

Abt: "Es gibt ein Gremium, das besteht aus der ITR, den Herstellern und dem DMSB. Sie sind für das sportliche Reglement zuständig. Die Teams sind selbstverständlich auch integriert, aber diese drei Organe sind hauptverantwortlich für dieses Thema. Ich glaube, sie machen keinen schlechten Job und versuchen zu erreichen, dass der sportliche Erfolg im Vordergrund steht."

Frage: "Die Formel E ist bei Abt in diesem Jahr ebenfalls ein großes Thema. Als nächstes Rennen steht Berlin auf dem Programm. Ist dieses 'Heimspiel' für sie und das ganze Team ein Saisonhighlight?"

Abt: "Die Formel E ist ein schönes Thema. Mit Elektrofahrzeugen direkt in den Städten zu fahren, ist etwas Besonderes. Wenn man wie wir ganz vorne in der Meisterschaft mitfährt, dann ist das natürlich zusätzlich spannend und erfolgreich. Aber das ist auch keine Garantie, dass wir den Titel gewinnen; Hier bin ich sehr vorsichtig. Wir haben unter anderem mit Virgin und Renault große und harte Konkurrenz. Klar ist das Rennen in Berlin ein Highlight. Das letzte Highlight hatten wir in Paris. Wenn man als deutsches Team in Paris gewinnt, dann könnte man sagen, das ist das Mega-Highlight. Genauso werden die französischen Freunde (Renault; Anm. d. Red.) alles daran setzen, dass sie uns in Berlin den Pokal wegnehmen. Es wird heftig gefightet und wir versuchen, bis zum Schluss um die Meisterschaft zu fahren."

Frage: "Ist es für ein Team schwer, diese unterschiedlichen Serien alle unter einen Hut zu bringen?"

Abt: "Eigentlich sind wir da mit unserem Team sehr professionell und gut aufgestellt. All die Themen werden bei uns im Haus separat und komplett getrennt behandelt. Es sind nicht die gleichen Menschen, sie werden auch nicht untereinander gewechselt. Es gibt verschiedene Mannschaften. Ich als Besitzer bin eigentlich das einzige Gesicht, das meist bei allen Einsätzen mit dabei ist. Ich fokussiere mich da nicht komplett auf eine Rennserie. Ich liebe die DTM und war von Anfang an in der neuen DTM dabei. Mit dem Abt-Audi TT war ich damals auch ein Mitgründer der neuen ITR. Die Formel E ist ein anderes Thema und sehr interessant für uns, weil wir uns auch geschäftlich mit der Elektromobilität beschäftigen. Es passt zu unserer Firmenphilosophie: 'Win on Sunday, sell on Monday'..."

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