Startkollision Mortara vs. Wittmann: Das sagen die Experten

, 30.09.2016

Die Kollision zwischen Edoardo Mortara und Marco Wittmann erhitzte in Ungarn die Gemüter - So bewerten Experten wie Klaus Ludwig das knallharte Duell

Ein schlechter Start, ein Manöver über die Wiese, ein Quersteher bei über 200 km/h, ein unschuldiges Opfer: Edoardo Mortara und Marco Wittmann haben mit ihrer Startkollision im zweiten Rennen auf dem Hungaroring für ordentlich Furore gesorgt. Unschuldiges Opfer des knallharten Meisterschaftskampfes war Jamie Green, der infolge der Kollision aufgeben musste, nachdem sein Audi vom Wittmann-BMW torpediert wurde. Die beiden Streithähne haben ihre jeweiligen Meinung noch am Renntag kundgetan.

Bei 'Sport1' analysieren Mattias Ekström, Jens Marquardt und Klaus Ludwig die Szene. Es beginnt mit dem schwachen Start des Audi-Piloten, der kommende Saison nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' zu Mercedes wechseln wird. Ekström ist erstaunt: "Wir (Audi-Fahrer; Anm. d. Red.) bekommen in der Saison immer wieder eine Statistik, wer wie gut startet. Und Edo war von uns allen bis zu diesem Start der beste Fahrer (in dieser Disziplin)."

Ein guter Start sei normalerweise eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,1 Sekunden, erklärt der Schwede. "Das hier war eher eine 3,8 bis 3,9". Einen möglichen Schuldigen macht er im abgebrochenen ersten Start aus. Die Kupplung könnte durch zwei Einführungsrunden und Starts zu heiß geworden sein. Allerdings sei hier eingewendet, dass dies für alle gleich war. Altmeister Klaus Ludwig sagt: "Das ist auch wieder eine sehr menschliche Geschichte. Technik ist sehr kompliziert, und wenn man einen kleinen Fehler macht, dann geht's nicht voran."

Hartes Gegenmanöver von Mortara

Bis zu zehn Prozent Schlupf gelten als gesunder Start, doch darüber hinaus wird es schnell richtig schlecht. In Mortaras Fall waren es deutlich mehr als zehn Prozent. Der Schweizer schwimmt anschließend mit durchdrehenden Reifen herum. Wittmann greift ihn links an, danach fährt Mortara ihn von der Strecke. "Was Edo macht, würde glaube ich jeder machen", verteidigt Ekström seinen Markenkollegen. "Nach dem schlechten Start steigt die Frustration. Er lässt ihm zwar nicht den Platz für eine Wagenbreite, aber immerhin genug Platz, dass zwei Räder noch auf der Strecke sind. Und bekanntlich ist die Definition von 'Strecke verlassen', dass alle vier Räder neben der Strecke sind."

Auch Ludwig hat kein Problem mit dem Manöver Mortaras: "Wir wollen in der DTM große Champions sehen. Große Namen, große Champions. Und wenn ich mir den Startvorgang ansehe, dann hätten diese Champions - also Michael Schumacher, Ayrton Sennaund so weiter - genau dasselbe getan." Natürlich sieht Marquardt die Sache etwas anders: "Edo ist zuerst nach rechts gezogen, weil er vermutlich gegen Ekström verteidigen wollte, und hat die Lücke aufgemacht. Marco ist mit viel Überschuss da reingegangen, und dann kam Edo wieder zurück und hat ihn in meinen Augen schon (von der Strecke) runtergedrückt.

Haarsträubende Szene vor der ersten Kurve

Wittmann ging trotzdem vorbei, doch damit war die Szene noch nicht beendet. Nur wenige Meter später kam es zu einer haarsträubenden Situation, als der Tabellenführer plötzlich Mortara vors Auto fuhr, von diesem quergestellt wurde und anschließend irgendwie das Auto wieder einfing. "Ich glaube, es war eine Kombination aus Glück und Können", sagt Marquardt. Nur durch große Fahrzeugbeherrschung und den zufällig anwesenden (und bedauernswerten) Jamie Green konnte ein fürchterlicher Unfall verhindert werden.

Ekström glaubt, dass sich Wittmann schlicht und einfach verschätzt hat: "Er ist fast so weit, dass er vor ihm reinziehen kann. Am Ende geht es um 30-40 Zentimeter. Diese können einen großen Unterschied ausmachen. In dem Moment ist es reine Gefühlssache, wann man reinzieht." Allerdings findet er das Manöver unnötig, da ja noch mehrere Hundert Meter Geradeausspurt anstanden. "Ich verstehe es schon: Er wollte sicher sein, dass er so schnell wie möglich vor ihm reinkommt", fügt er hinzu. Wittmann hatte wohl Sorge, dass Mortara auf dem Bremspunkt zum Gegenangriff schreiten könnte.

Dem BMW-Piloten gelang es noch, das waidwunde Fahrzeug als vierter ins Ziel zu schleppen. "Eine meisterliche Leistung", befindet Marquardt. "Die (Wittmann und Mortara; Anm. d. Red.) waren im Qualifying eine Tausendstelsekunde auseinander. Im Rennen war der Marco dann eine Sekunde pro Runde langsamer. Und das unter diesen Umständen noch nach Hause zu fahren und auf den vierten Platz zu fahren ist eine tolle Leistung." Lange freuen konnte er sich darüber nicht; aufgrund einer zu stark abgeschliffenen Bodenplatte wurde der Tabellenführer aus der Wertung genommen.

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