"Verkackt": Warum Audi im Sonntagsrennen chancenlos war

, 09.05.2016

Audi verzockt sich am Sonntag im Qualifying und hat dadurch auch später im Rennen keine Chance mehr - Die Gründe für das Debakel im zweiten Saisonlauf

Die Zuschauer in Hockenheim staunten im Qualifying zum zweiten Rennen am Sonntag nicht schlecht: Nachdem die Ingolstädter das gesamte Wochenende zuvor dominiert hatten, war plötzlich kein einziger Audi mehr in den Top 10 zu finden . Noch am Sonntagvormittag hatten Mattias Ekström und Mike Rockenfeller das Feld angeführt. Beide konnten da noch 1:33er-Zeiten fahren. Im Qualifying war kurze Zeit später Jamie Green der schnellste Audi - mit einer mageren Zeit von 1:34.451 Minuten.

Auch im 60-minütigen Rennen ging es später nicht viel weiter nach vorne. Lediglich Nico Müller (Platz sieben) und Rockenfeller (Platz zehn) schafften es in die Punkte. "Ich denke, dass unser Problem heute das Qualifying war. Wir konnten nicht die Startplätze erreichen, die wir für ein besseres Rennen benötigt hätten", urteilt Audi-DTM-Leiter Dieter Gass nach dem Rennen.

Das sieht auch Mattias Ekström so. "Wenn du in der DTM auf Startplatz 20 stehst, dann kannst du ehrlich gesagt fast in der Box bleiben", erklärt der Schwede, der das Rennen von besagter Startposition aus nicht einmal beenden konnte. "Bei einer Berührung verlierst du ein Kohlefaserteil, fährst drei Sekunden langsamer und das Rennen ist vorbei", verrät er. Letztendlich sahen lediglich vier der acht Audis die Zielflagge.

Falsche Reifenstrategie im Qualifying

Doch zurück zum Qualifying: Warum waren die Audis plötzlich so viel langsamer? Rockenfeller führt das "sicherlich als Erstes aufs Gewicht" zurück. Denn die Boliden der Ingolstädter mussten nach dem ersten Qualifying am Samstag fünf Kilogramm Performance-Gewichte zuladen, während Mercedes und BMW fünf Kilogramm ausladen durften. Die Audis waren damit die schwersten Autos im Feld.

Allerdings: Trotz des deutlichen Gewichtsnachteils (10 Kilogramm gegenüber Mercedes und sogar 17,5 Kilogramm gegenüber BMW) gewann Audi in dieser Konfiguration das Rennen am Samstag und führte auch das Training am Sonntagvormittag an. Vielmehr machte Audi im Qualifying einen entscheidenden Fehler bei der Strategie. "Wir haben den ersten Schuss mit gebrauchten Reifen absolviert und den zweiten mit neuen", berichtet Ekström.

"Nur einen Reifensatz zu nehmen, und einen fürs Rennen aufzusparen, hilft nicht, wenn alle anderen im Qualifying mit zwei Sätzen fahren. Wie man sieht, hat es sich im Rennen leider auch nicht ausgezahlt", ärgert sich Rockenfeller und Ekström erklärt: "Wir dachten, dass die Strecke am Anfang durch den Staub vom Rallycross sehr schlecht sein würde." Hintergrund: Unmittelbar vor dem Qualifying fuhr die Rallycross-Weltmeisterschaft im Rahmenprogramm der DTM.

Die Autos wirbelten eine Menge Staub auf, den sie mit ins Motodrom brachten. "Die ersten fünf, zehn Minuten werden im Qualifying nicht ansatzweise eine gute Zeit zulassen", mutmaßte Timo Scheider am Samstag bereits und erklärte: "Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere strategisch nicht alle Reifensätze nutzt, weil er nicht den ersten für nichts verschießen will."

Green und Mortara crashen früh

Genau für diese Strategie entschied man sich bei Audi - und ging damit gnadenlos baden. Die Verschmutzung der Strecke war letztendlich überhaupt kein Thema, und so setzten die Mercedes- und BMW-Piloten bereits früh im Qualifying ordentliche Zeiten auf frischen Reifen. Bei Audi wartete man ab. "Als wir neue Reifen aufgezogen haben, da war es unmöglich, eine schnelle Runde zu fahren", berichtet Ekström.

Denn am Ende der Session gingen alle 24 Piloten noch einmal raus. Durch den Verkehr war es fast unmöglich, noch einmal eine frei Runde zu erwischen. Außerdem verursachte Mercedes-Pilot Lucas Auer in der letzten Minute nach einem Fahrfehler auch noch eine gelbe Flagge, womit das Qualifying effektiv beendet war. "Wir haben uns selbst für die Strategie mit einem Schuss entschieden - und verkackt", weiß Ekström.

Zu allem Überfluss ging dann beim Rennstart auch noch alles schief. "In Kurve 3 haben wir die bestplatzierten Autos in der Startaufstellung verloren", ärgert sich Gass, der auf einen Crash anspielt, in den Jamie Green (Startplatz elf) und Edoardo Mortara (Startplatz zwölf) verwickelt waren. "Da wussten wir schon, dass es noch schwieriger werden würde, ein vernünftiges Rennergebnis einzufahren", so Gass.

Letztendlich reichte es im zweiten Rennen nur zu sieben mageren Zählern für Audi, während Mercedes und BMW jeweils satte 47 Punkte mitnehmen konnten. In der Meisterschaft liegen die Ingolstädter nach dem ersten Rennwochenende damit auf dem letzten Platz. Kleiner Trost: Durch das verkorkste Qualifying durfte Audi immerhin wieder etwas Gewicht ausladen. In Spielberg ist man somit wieder auf einem Level (1.120 Kilogramm) mit Mercedes.

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