Zu technisch, zu politisch: Klare Abschiedsworte von Tomczyk

, 13.09.2016

Martin Tomczyk erklärt ganz offen, warum er in den vergangenen Jahren immer weniger Spaß in der DTM hatte - Der Einfluss der Fahrer sei momentan viel zu gering

Nachdem Martin Tomczyk in der vergangenen Woche seinen DTM-Abschied am Jahresende ankündigte, spricht der Champion von 2011 nun ganz offen über die Dinge, die ihn in der Tourenwagenserie in den vergangenen Jahren gestört haben. Auf die Frage, wann er die Entscheidung getroffen habe, die DTM zu verlassen, erklärt er: "Ich würde sagen, dass es ein schleichender Prozess war. 16 Jahre sind eine lange Zeit, und ich habe mitbekommen, wie sich die DTM in diesen 16 Jahren entwickelt hat."

"Als Rennfahrer willst du immer, dass der Pilot im Mittelpunkt steht. Du willst selbst etwas erreichen können. Letztendlich muss ich sagen, dass die DTM sehr technisch und politisch ist. Das ist meiner Meinung nach keine perfekte Situation für einen Rennfahrer. Aber das ist nur meine persönliche Ansicht. Außerdem muss ich zugeben, dass ich meine Ziele sportlich nicht erreicht habe. Das ist ganz sicher ein weiterer Grund", gesteht Tomczyk.

"Die Autos sind inzwischen einfach so spezifisch, dass einfach das gesamte Paket zu 100 Prozent passen muss - Fahrer, Fahrzeug und Team. Nur so sind Topleistungen, fehlerfreie Leistungen möglich", erklärt der BMW-Pilot gegenüber 'DTM.com' und ergänzt: "Man sieht es auch an anderen Piloten. Die fahren am Samstag auf Pole und stehen am Sonntag weit hinten. Warum ich aber meistens hinten stehe, kann ich einfach nicht sagen."

Einfachere Autos die Lösung?

"In der DTM ist inzwischen alles hochtechnisch getrimmt und der Einfluss des Fahrers wird geringer - vor allem in den Zeittrainings. Auch ein Grund für meine Rücktrittsentscheidung. Für mich persönlich steht der Fahrer zu wenig im Mittelpunkt", so Tomczyk. Dabei hatten sich die DTM-Verantwortlichen vor der Saison 2016 noch groß auf die Fahne geschrieben, genau dieses Problem zu beheben.

Auf die Frage, ob sich die DTM in die falsche Richtung entwickelt hat, antwortet Tomczyk: "So würde ich es nicht sagen. Sie hat sich im Laufe meiner Karriere wahnsinnig weiterentwickelt, was im Motorsport unheimlich wichtig ist. Jedoch wird für meinen Geschmack zu sehr auf die technische Komponente gesetzt - auch wenn das Produkt DTM natürlich spannend ist. Alles ist unheimlich eng beieinander. Wir sind jetzt so ziemlich am Limit, was die Autos angeht."

"Und die Frage ist, ob wir dieses Limit überhaupt erreichen mussten. Weniger Aero, mehr Grip, mehr Leistung - einfachere Autos. So steht der Fahrer wieder mehr im Mittelpunkt und die Rennaction nimmt nochmals zu. Das wäre etwas, was ich der DTM für die Zukunft wünschen würde", so der 34-Jährige, der das allerdings aktiv nicht mehr miterleben wird. Seine Zukunft liegt mit BMW im GT-Sport.

Zukunft im GT-Sport

"BMW wollte unbedingt weiter mit mir zusammenarbeiten", verrät er. "Ich habe eine tolle Aufgabe bekommen, auf die ich mich wirklich freue. Es ist eine neue Herausforderung, die auch viel Zeitaufwand mit sich bringt. Das ist aber genau das, was ich auch wieder machen möchte: Die Passion für den Rennsport zu spüren, warum ich das eigentlich mache. Ich will es nicht als Arbeit machen, sondern weil ich einfach Lust dazu habe."

"Ich glaube, dass man als Rennfahrer auch nur dann 100 Prozent Leistung abrufen kann. Man hört ja, dass sich BMW auch breiter im Motorsport aufstellen möchte - gerade im GT-Bereich. Da werde ich sicherlich meinen Platz finden. Was es genau sein wird, das kann ich momentan aber noch nicht sagen. Es wird aber sicherlich nicht langweilig für mich", so Tomczyk mit einem Lachen.

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