254 g Verzögerung: Neue Daten zum Unfall von Jules Bianchi

, 23.07.2015

Neue Daten belegen die ungeheure Wucht des Unfalls von Jules Bianchi in Suzuka: Sein Kopf wurde beim Aufprall mit 254 g verzögert

Am Dienstag nahmen Familie, Freunde und Fahrerkollegen in Nizza Abschied von Jules Bianchi, der am vergangenen Freitag an den Folgen seines Unfall aus dem Oktober in Suzuka verstorben war. Die Untersuchung des Unfalls geht allerdings weiter und gehört jetzt schon zu den aufwändigsten, die der Automobil-Weltverband FIA jemals durchgeführt hat. Das Fachmagazin 'auto, motor und sport' zitiert nun aus einem Zwischenbericht der Untersuchung und veröffentlicht Werte, welche die ungeheure Wucht des Aufpralls verdeutlichen.

Messungen der in den Ohrenstöpseln eingebauten Sensoren hatten zunächst ergeben, dass Bianchis Körper beim Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 126 km/h auf das Bergungsfahrzeug mit 92 g verzögert wurde. Ein zweifelsohne sehr hoher Wert, der jedoch bei anderen Unfällen auch erreicht oder überschritten wurde, ohne das lebensbedrohliche Verletzungen die Folge waren.

Genauere Berechnungen der Unfallforscher ergaben nun jedoch, dass die Belastung noch um ein vielfaches höher war. Dem Bericht zufolge wurde Binachis Kopf mit 254 g verzögert" Was das bedeutet, veranschaulicht Unfallforscher Andy Mellor gegenüber 'auto, motor und sport' wie folgt: "Es ist so, als hätte man das Auto aus 48 Meter Höhe auf den Boden fallen lassen. Ohne Knautschzone."

Angesichts dieser Werte erscheint es fast wie ein Wunder, dass Bianchi den Unfall zunächst überhaupt überlebte. Laut Unfallforscher Meller sei diese extrem hohe Verzögerung durch einen äußerst unglücklichen Ablauf beim Aufprall von Bianchis Marussia-Boliden auf das Bergungsfahrzeug entstanden.

"Das Problem lag darin, dass der Marussia zum Teil unter den Vorbau des Krans tauchte und dabei von oben gegen den Boden gedrückt wurde. Das wirkte wie eine Bremse mit einer abrupten Verzögerung. Und genau in diesem Prozess fand der Kontakt zwischen Helm und Kran statt. Wir hatten solch einen Verlauf vorher noch nie gesehen", so Mellor.

Die Experten kommen zu dem Schluss, dass bei einer solchen Konstellation die Folgen des Unfalls auch mit Sicherheitsmaßnahmen wie der seitdem wieder diskutierten Cockpithaube nicht weniger schlimm gewesen wären. "Das Auto wäre vom Dach aufgehalten worden. Der Kopf hätte nicht den Kran, sondern das Dach getroffen. Mit dem gleichen Ergebnis", wird Peter Wright, Leiter der Sicherheitskommission von 'auto, motor und sport' zitiert.

Ein effektiver Aufprallschutz des 6,8 Tonnen schweren Bergekrans sei laut Wright ebenfalls nicht realisierbar. "Dazu hätten man sechs Lagen Reifen um den Kran drapieren müssen. Und um das Safety-Car und das Medical-Car, weil man auch das treffen könnte", gibt der Unfallforscher zu bedenken. Letztlich gebe es nur eine Möglichkeit, eine Wiederholung eines solchen Unfalls zu verhindern: Indem das Tempo der Fahrzeuge drastisch reduziert wird, solange Menschen oder Fahrzeuge zur Bergung auf oder neben der Strecke sind. So wie es mittlerweile mit dem virtuellen Safety-Car möglich ist.

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