Bangen im Mercedes-Duell: "Dachte, Auto fällt auseinander"

, 31.10.2016

Wieso die Mercedes-Titelrivalen Nico Rosberg und Lewis Hamilton in Mexiko um ihre Boliden bangten und wieso der WM-Leader nun einen mentalen Vorteil hat

Nico Rosberg macht einen weiteren Schritt in Richtung WM-Titel. Der WM-Leader verwertet seinen ersten Titelmatchball in Mexiko zwar nicht, erfüllt aber mit Platz zwei hinter seinem Titelrivalen Lewis Hamilton weiterhin konsequent das Plansoll. Doch was bedeutet das für den Punktestand in der WM? Zwei Rennen vor Schluss führt Rosberg mit 349 Punkten, Hamilton liegt 19 Zähler dahinter.

Wenn Hamilton auch in Brasilien und Abu Dhabi gewinnt, reichen Rosberg ein zweiter und ein dritter Platz. Mit einem Sieg in Interlagos könnte er sich aber schon ein Rennen vor Schluss zum Weltmeister krönen, weil Hamilton selbst ein zweiter Platz nicht reichen würde.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sieht dies nun als Vorteil für den WM-Leader. "Jetzt hat er es in der Hand: Er kann aus eigener Kraft mit einem Rennsieg die Meisterschaft vorzeitig entscheiden. Und er ist ja so stark im Kopf. Sonst hört man immer, du muss nur Zweiter werden, und dann schaffst du es am Ende", sagt der Österreicher gegenüber 'RTL'. Und Rosberg bestätigt: "Ich will in Brasilien einfach nur den Sieg holen."

Verstappens Rempler lässt Mercedes bangen

"Nico macht tolle Arbeit. Er holt immer die Ergebnisse, die er machen muss", sagt Hamilton etwas verzweifelt. Der Herausforderer gibt aber nicht auf: "Wenn ich dieses Tempo weiterfahre, dann kann ich es noch verzögern." Der aus Hamilton-Sicht erhoffte Rosberg-Ausfall blieb aus. "Wir haben bei beiden die Leistung ein bisschen zurückgenommen, um auf Nummer sicherzugehen", gibt Wolff zu.

Die Entscheidung fiel bereits beim Start: Hamilton und Rosberg kamen aus der ersten Startreihe gut weg, Verstappen allerdings noch besser. Der Red-Bull-Pilot setzte sich in der ersten Kurve innen neben Rosberg, und es kaum zur Berührung. "Das war ein ziemlich großer Rempler, und ich habe befürchtet, dass mein Auto auseinanderfällt", erklärt Rosberg. "Er hat mich von der Strecke gedrängt und ist zu weit gegangen."

Auch Wolff, dessen Team mit dem 17. Saisonsieg einen neuen Rekord aufstellte, bangte um den WM-Leader. "Das ist natürlich auch für uns haarig, weil es bei Nico um jeden Punkt geht", sagt er gegenüber 'RTL'. "Und da muss man auch den Respekt haben, kein Manöver zu starten, bei dem es zu einem Kontakt kommt. Doch genau das ist passiert."

Rosberg: Keine Strafe gegen Hamilton richtige Entscheidung

Die Rennkommissare untersuchten die Situation, doch weder Verstappens Rempler noch Rosbergs Abschneider hatte Konsequenzen. Wie übrigens auch bei Hamilton: Der Brite war mit qualmenden Reifen in die erste Kurve gefahren, fuhr quer durch die Auslaufzone und behielt die Führung. Ein durchaus umstrittenes Manöver, denn Hamilton hatte auf der zweiten Geraden bereits einen riesigen Vorteil.

"Wie ist er denn damit davongekommen?", spricht Rosberg bei der Videoanalyse seine Gedanken laut aus. Eine Strafe hält er aber nicht für gerechtfertigt: "Lewis fuhr als Erster in die Kurve und kam als Erster heraus. Das ist in Ordnung."

Warum Hamilton die erste Kurve abkürzte

Hamilton selbst gibt zu, dass er bei der Aktion vor allem an Rosberg dachte: "Ich wollte nicht zu früh nach links fahren und Nico Windschatten geben, habe also die Innenspur abgedeckt. Meine rechte Vorderbremse war aber verglast und hat blockiert. Ich habe die Kurve einfach nicht gekriegt."

Eine Strafe fürchtet der dreimalige Weltmeister nicht - er hatte laut eigenen Angaben andere Probleme: "Mein Bremsplatten hat mir 17 Runden lang das Hirn durchgeschüttelt und machte mir Sorgen, dass meine Aufhängung kaputt gehen könnte."

In Bedrängnis kam Hamilton allerdings nie. Im Gegensatz zu Rosberg: Der WM-Leader war in der 50. von 71 Runden in großer Gefahr, seinen zweiten Platz zu verlieren, als Verstappen den dichten Verkehr ausnutzte, Rosberg auf der Geraden nach der ersten Schikane ausbremste, aber dann in die Auslaufzone rutschte. Danach hatte der Mercedes-Pilot die Situation wieder im Griff und kam 8,4 Sekunden hinter Hamilton als Zweiter ins Ziel.

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