Der Ärmste fliegt: Entscheidet ein Quantum Zaster bei Lotus?

, 01.11.2013

Die Gerüchte verdichten sich: Sollte der Investorendeal platzen, kommt Maldonado mit Ölmillionen - Massa zu Williams, Hülkenberg bei Sauber oder di Resta stemplen?

Noch vor einigen Wochen sprach die Formel-1-Welt vom Zweikampf zwischen Nico Hülkenberg und Felipe Massa um das vakante Lotus-Cockpit für die Saison 2014. In der Zwischenzeit scheinen die beiden rechts überholt worden zu sein - erstaunlicherweise ohne Blechschaden, denn die Rede ist von Pastor Maldonado. Jackie Stewart hat den Venezolaner auf der Rechnung: "Sollte er nicht so viele Unfälle produzieren, kann er sehr schnell sein und würde ein starkes Team formen", sagt er 'Sky Sports F1'.

Die Rennlegende steht als Berater bei Lotus-Besitzer Genii-Capital auf der Gehaltsliste und scheint auch an sportlichen Entscheidungen nahe dran zu sein - er gibt sich allerdings unwissend. "Ich hätte gedacht, dass es sich lohnen würde, sein Geld auf Hülkenberg zu setzen. Jetzt gibt es Gerüchte, auf die ich keine Antworten habe", so Stewart mit Verweis auf die guten Leistungen des Deutschen bei Sauber. Er scheint plötzlich trotz ernsthaftem, aber erloschenem Interesse seitens Ferrari bei der Cockpitvergabe ganz hinten in der Schlange zu stehen.

Sein Manager kennt die Gründe: "Wir haben 150 Millionen gegen uns", meint Werner Heinz im Gespräch mit 'Bild'. Maldonado hat die Ölmoneten aus der venezolanischen Staatskasse im Gepäck, deren Vorzüge auch Stewart kennt: "Er hat zu Williams eine Menge Geld mitgebracht. Formel-1-Teams wissen um den wachsenden finanziellen Druck. Ich weiß aber nicht, ob es tatsächlich ein Faktor ist." Teamchef Eric Boullier hatte sich gegen einen Paydriver ausgesprochen, die andauernde Hängepartie um Investor Quantum (ehemals Infinity) könnte ihn jedoch vom Gegenteil überzeugen.

Sauber & Hülkenberg wieder auf Kuschelkurs

Neben seiner Mitgift spricht laut dem schottischen Ex-Weltmeister auch das Talent für den 28-jährigen Ex-Champion der GP2. "Maldonado hatte eine wilde Phase mit zu vielen Zwischenfällen", räumt Stewart ein. "Aber bei Grosjean hätte man auch nicht gedacht, dass er in seinem Leben nochmal so auftritt wie in diesem Jahr. Das Auto ist gut, aber er fährt es auch exzellent." Sollte der Zuschlag an den seit geraumer Zeit über Williams unverhohlen fluchenden Maldonado gehen, bliebe neben Hülkenberg auch Massa auf der Strecke - respektive genau davon fern.

Der Paulista hat ebenfalls Sponsoren an der Hand und ist daher wohl erster Kandidat auf die Maldonado-Nachfolge in Grove. Sicher ist er sich seiner Sache nicht, zumal der frühere Vizeweltmeister immer davon gesprochen hatte, der Formel 1 nur in einem Topauto erhalten zu bleiben - davon kann bei Williams derzeit nicht die Rede sein. "Ich werde es nicht akzeptieren, in Brasilien zu fahren ohne etwas für die kommende Saison in der Tasche zu haben", erklärt er gegenüber 'Totalrace' und gibt sich abgeklärt: "Es raubt mir nicht den Schlaf, ich bin gelassen."

Massa verweist darauf, dass für ihn die Bekanntgabe des zwangsweisen Ferrari-Abschieds kein Schlag ins Kontor gewesen sei. "Ich glaube, dass etwas passiert und ich ein gutes Team für die Zukunft finde", so der 32-Jährige. Das Puzzle scheint sich zusammenzufügen, doch das Teil Hülkenberg scheint nur bei Sauber zu passen. "Es gibt im Moment viele Gerüchte und Spekulationen", wiegelt Teamchefin Monisha Kaltenborn am 'Sky'-Mikrofon ab und bleibt unverbindlich: "Wir haben unsere Optionen und sicherlich hat Nico auch einige."

Zahlt di Resta am Ende die Zeche?

In der Tat scheint mit Force India noch ein Nebenbuhler auf dem Markt. Teambesitzer Vijay Mallya hatte Ende 2012 versucht, Hülkenberg zu halten und ihm die Tür für eine Rückkehr bereits weit aufgestoßen. Allerdings wäre es für den Emmericher der dritte Teamwechsel in seiner vierten Saison. Sollte er doch den Platz neben Adrian Sutil ergattern, bliebe Paul di Resta auf der Strecke. Seinen schottischen Landsmann hatte Stewart eigentlich bei Lotus auf der Rechnung: "Aber er hat fünf schlechte Rennen gehabt - leider zur falschen Zeit", bedauert der Genii-Berater.

Weil der Ex-DTM-Champion nicht über das nötige Kleingeld verfügt, droht ihm sogar das Aus in der Königsklasse. "Er muss gute Rennen fahren, Punkte holen - er hat das Talent und fährt mit Köpfchen", fordert Stewart. "Aber es braucht dazu das passende Auto. Er hatte mehr technische Defekte als Fahrfehler zu beklagen." Letztlich ist es die finanzielle Situation bei Lotus, die die Situation auf dem Transfermarkt auflösen wird: Mit Investor Quantum spricht wegen der fahrerischen Klasse alles für Hülkenberg, ohne Brötchengeber muss Maldonado samt Gönnern ran.

Ist diese Entscheidung gefallen, fallen die Dominosteine, auch wenn Stewart bemüht ist, die Sache vorteilhaft für Enstone darzustellen: "Große Sponsoren wie Unilever, die mit der Marke Rexona werben, haben noch ein Jahr Vertrag. Andere wichtige Geldgeber bleiben und ein neuer steht auch schon parat", beschwichtigt er. "Aber das Wichtigste ist, Liquidität vorzuweisen, die nötig ist - nicht nur, die Fahrer sowie die Zulieferer zu bezahlen und irgendwie über die Runden zu kommen." Ein Argument mehr für Maldonado.

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