Ex-FIA-Boss Max Mosley: "So bricht die Formel 1 zusammen"

, 07.04.2015

FIA-Boss Max Mosley warnt die Formel 1 erneut vor dem Crash: Er fordert eine Budgetobergrenze und zieht einen besorgniserregenden Vergleich zur Vergangenheit

Ex-FIA-Boss Max Mosley warnt die Formel 1 erneut vor dem großen Crash. Der Brite fordert, dass seine Idee einer Budgetobergrenze, wie er sie bereits ab 2009 einführen wollte, umgesetzt wird, will man das Schlimmste verhindern. "Wenn es so weitergeht, dann bricht die Formel 1 zusammen", sagt er gegenüber der 'dpa'.

Deswegen müsse man rasch alle Teams an einen Tisch bringen, um eine neue Verteilung der Formel-1-Einnahmen auszuarbeiten. "Was passieren muss, ist, dass das Geld, was durch Bernie Ecclestones Vermarktung in die Formel 1 kommt, unter allen Teams gleichmäßig verteilt wird und die Teams nicht spürbar mehr als das ausgeben dürfen", verweist der 74-Jährige auf seine ursprüngliche Idee der Budgetobergrenze.

"Ein sportlich erfolgreiches Team würde dann viele Sponsoren gewinnen und einen hohen Profit erzielen, ein erfolgloses Team eben nicht", erklärt er. Unter den aktuellen Umständen würde die Schere immer mehr auseinandergehen, da "die reichen Teams mehr Geld von Bernie bekommen und mehr Sponsoren haben. Also sind sie in einer starken Position, und die andere Hälfte der Teams kann nicht mithalten, weil sie nicht genug Geld haben. Das ist doch falsch."

Die Gigantomanie der heutigen Formel 1

Damals sprach er von einem Budgetlimit in Höhe von 45 Millionen Euro exklusive Fahrerbudgets, die Teambudgets haben sich aber in den vergangenen fünf Jahren nicht maßgeblich nach unten bewegt. Die Top-Teams sind stattdessen gerade dabei, wieder mehr Geld auszugeben: Mercedes hat in den vergangenen Jahren nach einer Personalreduktion Mitarbeiter aufgestockt sowie das Budget vergrößert, auch Ferrari will in Zukunft mehr Geld ausgeben, um an die Spitze zu kommen.

Mosley, der in den 1960er-Jahren selbst Rennfahrer und in den 1970er-Jahren March-Teamchef war, vergleicht die Formel 1 von heute mit der Königsklasse des Motorsports von früher: "Damals hatte ein Team wie Tyrrell vielleicht 20 Angestellte und hat die WM gewonnen. Jetzt reden wir über 700 bis 1.000."

Die Budgets von einst und jetzt klaffen noch weiter auseinander. "Wir hatten für unser erstes Jahr mit March in der Formel 1 ein Budget von 113 000 Pfund (umgerechnet 155.000 Euro)", erinnert er sich an sein Team in den 1970er-Jahren. "Inflationsbereinigt wären das heute irgendwas zwischen einer und zwei Millionen. Heute aber braucht man 100 Mal soviel, um dasselbe zu erreichen. Das ist unverhältnismäßig."

Mosley trauert Budgetobergrenze nach

Dass sich dies in einer fortschrittlicheren Technik widerspiegelt, hält er für nicht maßgeblich: "Das Publikum sieht 90 bis 95 Prozent davon nicht, weil die Teams es als ihr Geheimnis hüten. Dieser Wandel ist zu weit gegangen. An einem gewissen Punkte hätte es eine Grenze dafür geben müssen, was man ausgeben darf. Ich wollte so etwas einführen am Ende meiner Amtszeit bei der FIA, aber ich hatte keinen Erfolg."

Einer der Gründe, warum es heute bei den Nachzügler-Teams kracht: Sauber hatte zum Saisonauftakt drei Fahrer unter Vertrag, die ordentlich in die leere Kriegskasse einzahlen, obwohl man nur zwei Cockpits zur Verfügung hat, Lotus ist schwer verschuldet, Force India verpasste wegen finanzieller Schwierigkeiten den Großteil der Tests, Marussia gelang gerade noch der Schritt aus der Insolvenz, und Caterham verlor den Überlebenskampf.

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Formel 1-News

McLaren ist stolz auf seine Fortschritte, China dürfte dem Auto aber nicht liegen

McLaren rechnet mit Rückschlag in Schanghai

McLaren fiel zuletzt durch ermutigte Aussagen der Akteure, aber mäßige Leistungen auf der Strecke auf: In Malaysia war der MP4-30 mit Honda-Antrieb zwar schneller als in Melbourne, nach wie vor …

Felipe Massa kommt bei Williams wieder motiviert an seinen Arbeitsplatz

Massas Ferrari-Martyrium: Respektlosigkeit oder Kündigung

Psychoknacks, kein Biss und ausschließlich mit superweichen Reifen auf der Höhe: Macht unter dem Strich eine logische Nummer zwei. Dieses Bild des Felipe Massa brannte sich den Formel-1-Fans ein, …

Giedo van der Garde fühlte sich wie ein Fremdkörper in der Sauber-Box

Van der Garde und Sauber: Plötzlich haben sie mich ignoriert

Giedo van der Garde hat seinen Traum von einem Grand-Prix-Cockpit zwar für immer ad acta gelegt, doch er glaubt, dass sein erfolgreicher Gerichtsprozess gegen das Sauber-Team die Formel 1 für immer …

David Coulthard sorgte in den Straßen von Hyderabad für Begeisterung

David Coulthard bei Formel-1-Demo: Fauxpas mit Flagge

Dem ehemaligen Formel-1-Fahrer David Coulthard ist am Ostersonntag bei einer Red-Bull-Demo in Hyderabad ein Fauxpas passiert. Coulthard fiel die indische Nationalflagge auf den Boden, sodass sie neben seinen …

Max Verstappen ist laut seiner Mutter Sophie in Wahrheit kein Niederländer

Verstappen-Mutter Sophie Kumpen: Max ist in Wahrheit Belgier

Max Verstappen ist in Wahrheit kein Niederländer, sondern Belgier. Das behauptet zumindest seine Mutter Sophie Kumpen, eine Belgierin, die ihren 17-jährigen Sohn in ihrem Heimatland zur Welt …

AUCH INTERESSANT
Walter Röhrl: Seine 7 besten Momente

AUTO-SPECIAL

Walter Röhrl: Seine 7 besten Momente

Walter Röhrl gehört zu den besten Rallye-Fahrern aller Zeiten und fuhr auch auf der Rundstrecke bedeutende Rennsiege ein. Jetzt wird es persönlich: Walter Röhrl kramt in seiner Fotokiste und …


Formel1.de

TOP ARTIKEL
Ford Mustang Bullitt 2018: Der erste Check und der Preis
Ford Mustang Bullitt 2018: Der erste Check und …
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im Sport-Test?
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im …
Louis Vuitton Ferrari gehört 15-jährigem
Louis Vuitton Ferrari gehört 15-jährigem
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
BMW i8 Roadster 2018 Test: So spart er Tausende Euro ein
BMW i8 Roadster 2018 Test: So spart er Tausende …
Ford Focus 2018: Der erste Check mit Insider-Informationen
Ford Focus 2018: Der erste Check mit …
Shell-Analyse: So ist der deutsche Autofahrer drauf!
Shell-Analyse: So ist der deutsche Autofahrer …
Porsche 9:11 Magazin: Die skurrilsten Reportagen im Web-TV
Porsche 9:11 Magazin: Die skurrilsten Reportagen …
Nachhaltigkeit Autoindustrie: Kommt das Ende vom Luxus?
Nachhaltigkeit Autoindustrie: Kommt das Ende vom …


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo
  • autoaid Logo