Fittipaldi hat genug von Fahrer-Maulkörben: "Das ist scheiße!"

, 15.07.2015

Ex-Weltmeister Emerson Fittipaldi ist genervt von dem immer gleichen PR-Gefasel der Piloten und wünscht sich, dass die Fahrer mehr Freiheiten bekommen

Die Formel 1 wird von Marketing und PR dominiert. In der heutigen Zeit sind die meisten Piloten PR-Marionetten ihrer Teams und dürfen nach dem Rennen schematisch die ihnen vorgegebenen Sätze herunterbeten, das mahnt zumindest Ex-Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi an. Der Brasilianer war in den verwegenen 70er-Jahren unterwegs, in denen die Piloten noch sagen durften, was ihnen gerade in den Sinn kam.

Dass heutzutage überall pedantisch auf die Wortwahl geachtet wird, missfällt ihm: "Wenn ich beispielsweise für Ferrari fahre, dann wird mir vor der Pressekonferenz gesagt: 'Das darfst du nicht sagen' und 'das sollst du nicht sagen'. Das ist scheiße!", raunt der 144-fache Grand-Prix-Teilnehmer gegenüber 'motorsport.com'. Ihm geht das gewaltig gegen den Strich: "Bin ich ein Roboter oder bin ich eine Persönlichkeit?"

Auch die Fans haben zuletzt bei der Umfrage der Fahrervereinigung GPDA klar gezeigt, welche Typen in der Formel 1 gefragt sind. Der beliebteste Fahrer ist Kimi Räikkönen, der sich wohl am wenigsten von äußeren Interessen verbiegen lässt und in Interviews mehrfach die "falsche" Tonart gewählt hat. Auf Platz zwei wurde Fernando Alonso gewählt, der ebenfalls als schwieriger Charakter gilt.

Fittipaldi findet jedenfalls, dass die Piloten in ihrer Ausdrucksweise viel mehr Freiheiten bekommen sollten, denn schon in der amerikanischen Verfassung sei die "Freedom of speech" - die Redefreiheit - verankert. Dass die heutigen Rennfahrer bis auf wenige Ausnahmen als langweilig und uncharismatisch angesehen werden, lastet er übrigens nicht den Fahrern an: "Das System ist falsch, es ist nicht ihr Fehler."

"Rosberg sollte es erlaubt sein zu sagen: 'Oh man, Mercedes hat mit den Entscheidungen heute mein Rennen zerstört. Diese verdammten Kerle!'", fordert Fittipaldi. "Sie sollten alles sagen dürfen." Doch in der Realität loben die Piloten meist noch die Anstrengungen des Teams und sprechen von einem guten Rennen. "Bäh! Sie brauchen eine Persönlichkeit", schüttelt Fittipaldi darüber den Kopf.

Damit sich in dieser Hinsicht Besserung einstellt, nimmt der 68-Jährige die Teams und Sponsoren in die Pflicht, die den Fahrern mehr Freiheiten einräumen sollten. Zu seiner Zeit hatte er beispielsweise mit Philip Morris eine 20-jährige Partnerschaft gehabt. "Ich wusste exakt, was ich sagen durfte, aber ich konnte alles sagen. Ich hatte Redefreiheit, und das bedeutet alles", so Fittipaldi. "Gebt den Fahrern nicht die Schuld, weil sie heute in einem anderen Umfeld sind. Das sollte sich aber ändern!"

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