Formel 1 im TV ab 2016: Weiter RTL, ARD oder ZDF?

, 21.12.2014

RTL stöhnt unter den schlechtesten Quoten seit 20 Jahren, dementiert aber Gerüchte über einen vorzeitigen Ausstieg - Portale der smg verzeichnen hingegen Rekordwerte

Was die Reichweite in den Massenmedien angeht, steckt die Formel 1 in einer Krise. RTL erreichte 2014 durchschnittlich 4,36 Millionen Zuschauer pro Rennen, was im Vergleich zu 2013 einem Minus von 17,4 Prozent entspricht. Der Pay-TV-Sender Sky hält nach einem Minus von 15,9 Prozent bei durchschnittlich nur noch 370.000 Zuschauern. Eine Entwicklung, die keineswegs auf den deutschen Markt beschränkt ist: Auch in den Niederlanden (zwischen 30 und 45 Prozent), in Italien (30), Belgien (15), Großbritannien (Free-TV bei BBC minus zwölf Prozent, Pay-TV bei Sky stabil) und Ungarn (zehn) wurden teilweise dramatische Zuschauereinbrüche verzeichnet.

Für RTL war 2014 damit die schlechteste Saison seit 1994, als durchschnittlich sogar weniger als vier Millionen Zuschauer gemessen wurden. Den absoluten Höhepunkt erreichte das Formel-1-Interesse in Deutschland 2001 (im Jahr nach dem ersten WM-Titel von Michael Schumacher auf Ferrari), als durchschnittlich 10,52 Millionen Zuschauer die Siege des deutschen Nationalhelden live bei RTL bejubelten. Dazu kam schon damals mit Premiere World (Vorgänger von Sky) auch ein Pay-TV-Angebot.

2014 knackte RTL nur zweimal die Fünf-Millionen-Grenze, und zwar beim spannenden Duell zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg in Bahrain sowie bei der WM-Entscheidung zwischen den beiden in Abu Dhabi. Der Tiefpunkt war das Rennen in Japan mit nur 3,07 Millionen Zuschauern (trotz Bianchi-Unfall). Zum Vergleich: 2013 lag RTL noch bei 15 von 19 Rennen über fünf Millionen; beim Grand Prix von Monaco waren im vergangenen Jahr sogar 7,45 Millionen live via Fernsehbildschirm dabei.

RTL dementiert Gerüchte über Ausstieg

Gerüchte, wonach RTL daher prüfe, aus dem bis Ende 2015 laufenden Vertrag mit Bernie Ecclestones FOM vorzeitig auszusteigen, entbehren trotzdem jeder Grundlage: "Die Spekulationen sind schlichtweg falsch. Punkt!", erklärt RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Natürlich müssen wir als übertragender Sender unsere Hausaufgaben machen, die rückläufigen Zuschauerzahlen analysieren und Optimierungen erarbeiten - alles andere wäre unprofessionell."

"Daraus jedoch gleich ein mögliches Ausstiegsszenario zu entwerfen, ist dann doch ein bisschen abenteuerlich", kommentiert er entsprechende Medienberichte. "Zur besseren Einordnung sei noch einmal daran erinnert, dass RTL seit 23 Jahren die Königsklasse zeigt und mit Marktanteilen von rund 30 Prozent nach wie vor ein Quotenniveau erreicht, das im deutschen TV nahezu einzigartig ist. Auf dieser Grundlage werden wir zu gegebener Zeit in die Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung gehen."

Zumal RTL-Sportchef Manfred Loppe sehr genau zu wissen scheint, woran es liegt: "Ganz wichtig erscheint mir, dass die Formel 1 die Interessen der Fans und Zuschauer wieder mehr berücksichtigen muss", sagt er im Interview mit dem Sportbusiness-Magazin 'SPONSORs'. Das heißt seiner Meinung nach: "Die Serie muss sich wieder mehr über die Emotionalität und die sportliche Auseinandersetzung auf der Strecke definieren."

RTL wünscht sich einfachere Regeln

RTL regt die Formel-1-Macher in diesem Zusammenhang dazu an, sich bei anderen Sportarten umzusehen: "Es kann helfen, sich am Fußball zu orientieren", schlägt Loppe vor. "Der ist auch deshalb so herrlich, einfach und verständlich, weil das Regelwerk so leicht nachvollziehbar ist. Und: Der Fußball ist immer noch ein Sport zum Anfassen." Und für RTL vielleicht so etwas wie ein zweites Standbein: Die Qualifikations-Länderspiele für die EM 2016 und die WM 2018 werden in Deutschland vom Kölner Privatsender übertragen.

Dafür, so spekuliert beispielsweise die 'Sport Bild', könnten die Formel-1-Rechte zur ARD wechseln. Dort möchte man das aber nicht bestätigen: "Wir beschäftigen uns natürlich mit allen attraktiven Sportrechten, die kurz-, mittel- oder langfristig auf den Markt kommen", meint ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Das heißt aber noch lange nicht, dass das zu konkretem Interesse an sämtlichen freien Rechten führt beziehungsweise dass wir um alle Rechte mitbieten. Das könnten wir finanziell gar nicht umsetzen."

Kein Wunder, denn RTL hat der im Jahr 1991 unterschriebene Formel-1-Vertrag bisher über eine Milliarde Euro gekostet. 2014 sollen die Rechte geschätzte 50 Millionen Euro gekostet haben (sonstiger Produktionsaufwand für die Übertragungen nicht eingerechnet). Zum Vergleich: Die erwähnten Fußballrechte für die beiden Qualifikationen kosten bei 20 Spielen kolportierte 100 Millionen Euro, gelten im Land des amtierenden Weltmeisters aber als sichere Bank für Topquoten.

ZDF zeigt kein konkretes Interesse

Für das ZDF sind 50 Millionen Euro wohl zu viel Geld. "Konkrete Überlegungen zur Formel 1 gibt es nicht", lässt Sportchef Dieter Gruschwitz auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' ausrichten. Aber: "Das ZDF beobachtet grundsätzlich die Entwicklungen auf dem Sportrechtemarkt sehr aufmerksam und prüft die Situation bei attraktiven Rechten. Wie zuletzt bei den Qualifikationsspielen der deutschen Fußballnationalmannschaft gesehen, gibt es immer wieder Überraschungen."

Während das Interesse in Deutschland stark rückläufig ist, konnte das Niveau der vergangenen Jahre in Österreich verteidigt werden. Der ORF erreichte 2014 durchschnittlich 466.000 Zuschauer (Marktanteil: 37 Prozent), was einem Minus von 3,9 Prozent im Vergleich zu 2013 entspricht. Der Vertrag über die Rechte an der Königsklasse läuft bis 2016; danach könnten diese eingespart und der zweistellige Millionenbetrag in österreichische Produktionen investiert werden. Als möglicher Ersatz wäre der Red-Bull-Sender ServusTV denkbar.

Völlig entgegengesetzt zum Rest der Branche entwickeln sich die Zugriffszahlen auf die Internetportale der sport media group (smg), Motorsport-Total.com und Formel1.de, überaus positiv. Während Motorsport-Total.com von Dezember 2013 bis November 2014 ein Plus von 13,6 Prozent tatsächlicher Nutzer ("Unique Users") verzeichnete, legte Formel1.de sogar um 35,7 Prozent zu. Motorsport-Total.com und Formel1.de erreichten damit im zurückliegenden Jahr bis zu 930.000 Unique Users pro Monat (überschneidungsbereinigt).

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