Gezeitenwende bei Silber: Hamilton erpokert Psycho-Pole

, 01.10.2016

Wie Hamilton das Psycho-Duell zwischen den Mercedes-Piloten in Sepang für sich entschied und er in der Lage war, nach Rosbergs Dominanz die Wende einzuleiten

Im Qualifying zum Malaysia-Grand-Prix am Samstag erlebte das Mercedes-Duell eine neuerliche Wende: Nachdem vor zwei Wochen in Singapur Nico Rosberg den Ton angegeben hatte, war Lewis Hamilton in Sepang Mann der Stunde. Nicht nur die Pole, er schockte auch in Q2 die Konkurrenz mit einer Fabelzeit, hetzte den Stallrivalen im Schlussabschnitt in einen Fehler und brummte ihm 0,414 Sekunden Rückstand auf. "Die Runde hätte noch schneller sein können", legt Hamilton verbal nach.

Kaum zu glauben, schließlich bedeutete der Umlauf in Q3 in 1:32.850 Minuten bereits einen neuen Streckenrekord. Hamilton knackte die Marke Michael Schumachers aus dem Jahre 2004 - als noch V10-Motoren eingesetzt wurden, umrundete sein Ferrari die Bahn in 1:33.074 Minuten. Nebenbei machte sich der Brite zum zweiten Piloten der Formel-1-Geschichte nach Schumacher, der sich mindestens 100 Mal für die erste Startreihe qualifizierte. Vor der Leistung zog selbst Rosberg nur den Hut.

Der Deutsche ist aber der Meinung, dass er in Schlagdistanz zu Hamilton gelegen hätte: "Ich wäre nahe dran gewesen, hätte ich nicht einen Fehler in der Schlusskurve drin gehabt", hadert er mit einem Malheur in seinem letzten Versuch in Q3. Er konnte die Einstellung am Lenkrad nicht finden, hatte gewaltiges Übersteuern am Kurveneingang, rutschte weit heraus und verlor Zehntelsekunden. Doch zu diesem Zeitpunkt stand er schon unter Zugzwang: "Ich hatte richtig Druck", räumt Rosberg ein.

Gezeitenwende nach Rosbergs Singapur-Gala

Rosberg lag zu diesem Zeitpunkt nur auf dem fünften Rang noch hinter den Red Bull und einem Ferrari,, weil er im ersten Versuch leicht von der Bahn abkam und sich 0,911 Sekunden Rückstand auf Hamilton einhandelte. Anschließend auf Nummer sicherzugehen und den überlegenen Mercedes auf Platz zwei zu parken, kam für ihn dennoch nicht infrage: "Ich bin natürlich auf Pole-Position gegangen!", zeigt sich Rosberg von einer Nachfrage in der FIA-Pressekonferenz etwas pikiert.

"Was soll ich auf einer Rennstrecke machen? Ich hatte ein super Auto und war mir sicher, dass ich eine gute Runde hinbekomme", erklärt er. Toto Wolff war überzeugt, dass gegen Hamilton kein Kraut gewachsen wäre - weil sich die Vorzeichen bei Silber einmal mehr verkehrt hatten. "So wie Nico in Singapur hat Lewis die Kontrolle", beschreibt der Sportchef die Dominanz des seit dem ersten Freien Training brandschnellen Weltmeisters und glaubt, dass diese Vorstellungen Rosberg imponiert hätten.

Hamiltons Fabelrunde trieb Rosberg in einen Fahrfehler

Rosberg hätte seinen eigenen Rhythmus, "aber wenn einem der andere so eine Zeit vorlegt, dann macht man Fehler, weil man ans Limit gezwungen wird". Nicht nur in Q3 legte Hamilton los wie die Feuerwehr, schon in Q2 knallte er ihm eine nüchtern betrachtet unnötig schnelle Bestzeit vor den Bug. Seelenbalsam nach der verlorenen WM-Führung. "Ein Unterschied wie Tag und Nacht zum Singapur-Wochenende", atmet Hamilton auf. Auch die technischen Probleme sind allesamt perdu.

"Da bin ich keine 15 Runden im Training gefahren und habe vielleicht zwei beendet", sagt er über eine missglückte Vorbereitung beim Nachtrennen. Toto Wolff erkennt eine weitere Erklärung für den Umschwung, der mit einem PR-Marathon bei dem in Kuala Lumpur beheimateten Sponsor Petronas zu tun hat: "Wir sind schon die ganze Woche über hier, vielleicht tut es ihm gut. Er ist unheimlich konzentriert und fokussiert, was man an der Rundenzeit sieht." Arbeit statt Freizeit als Maßnahme?

Psychotrick in Q2: Muss Hamilton am Start dafür bezahlen?

Hamilton lässt durchblicken, dass er sich auch mit den gewohnten Auftritten im Glitzermilieu, bei Sportevents und mit Urlaub gut auf das Rennen hätte vorbereiten können. Auf die Barrikaden geht der Champion, der sich in einem Hotel weit abseits des pulsierenden Kuala Lumpur einquartieren ließ, aber nicht: "Mir blieb gar nichts anderes übrig, als mich auf das Rennen zu konzentrieren. Am Dienstag und Mittwoch musste ich arbeiten - das empfinde ich genau wie alles andere, was ich tue, nicht als Ablenkung."

Allem Optimismus zum Trotz: Spätestens der Italien-Grand-Prix hat gezeigt, dass eine Fabelrunde im Qualifying lange nicht den Rennerfolg bedeutet. "Wir sind richtig, richtig schnell. Kaum zu stoppen", streckt Hamilton ungeachtet der Duplizität der Ereignisse in Monza die Brust heraus, obwohl er noch kurz zuvor vor der Konkurrenz gewarnt hatte - und zwar nicht nur der aus dem eigenen Lager. Angst vor einem vermasselten Start wie in Italien hat er aber nicht: "Unsere jüngsten Starts waren gut. Wir arbeiten ständig daran. Da schwirrt also nichts durch meinen Kopf", berichtet Hamilton.

Klar, dass Nico Rosberg die Geschichte andersherum interpretiert: "Der zweite Platz heißt nicht, dass kein Sieg mehr möglich wäre", rasselt er mit dem Säbel. "Das hat bei uns nicht so eine große Bedeutung gehabt, das haben wir in diesem Jahr schon oft gesehen." Wolff, der vor Red Bull und ihren starken Longruns warnt, erwähnt außerdem die Kehrseite von Hamiltons Psychomanöver in Q2: "Er hat die Reifen härter rangenommen. Das kann beim Start vielleicht ein kleiner Nachteil sein."

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