Test für Mexiko-Höhenluft: Wie es zum Renault-Feuer kam

, 30.09.2016

Wie der Test eines für Mexiko modifizierten Benzinsystems dafür sorgte, dass Kevin Magnussens Renault abbrannte - Und wieso das die Halo-Kritiker bestärkt

The World's hottest race! Der Slogan des Grand Prix von Malaysia wurde für Kevin Magnussen schon nach wenigen Minuten des ersten Trainings in Sepang zur dramatischen Realität: Der Däne war gerade nach zwei Installationsrunden an die Box gekommen, als Flammen aus der Airbox züngelten. Bereits vor dem warnenden Funkspruch sprang Magnussen aus seinem Boliden, der danach trotz einer siebenminütigen Löschaktion ein kompletter Raub der Flammen wurde und abbrannte.

"Dass es so heiß wird, haben wir nicht erwartet", war Magnussen nach dem Training schon wieder zum Scherzen zumute. "Alles war gut gelaufen, doch dann bemerkte ich den Rauch und sprang aus dem Auto." Verletzt wurde er nicht: "Ich habe einfach die Hitze gespürt." Doch wie konnte es überhaupt zu diesem gefährlichen Zwischenfall in der Box kommen? Ursache war ein Denkfehler der Renault-Ingenieure.

Die Truppe wollte in Sepang bei Magnussens Auto ein für Mexiko optimiertes Benzinsystem testen. Auf über 2.000 Metern Höhe ist die Luft bekanntlich deutlich dünner als in Sepang. Doch offenbar hatten die Ingenieure die Angelegenheit nicht zu Ende gedacht. Weil der Druck im Tank zu groß war, drang über ein Entlüftungsventil nicht Luft, sondern Benzin über ein kleines Loch auf der Airbox nach draußen. Der feine Benzinstrahl, der an der Verkleidung herunterrann, fing Feuer.

Warum die Flammen gegen die Löschaktion resistent waren

Magnussen hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine Idee, was die Ursache angeht, "denn wir hatten ein paar neue Teile für das Benzinsystem an Bord". Da der Renault voll aufgetankt war, konnte der Brand erst gelöscht werden, als das Benzin abgepumpt wurde. "Es kam immer frisches Benzin nach", berichtet Augenzeuge Magnussen.

Die Renault-Box glich zu diesem Zeitpunkt einem Katastrophenschauplatz: Durch die Feuerlöscher war alles voller Rauch, der Bolide war von weißem Löschschaum überzogen. Die Verkleidung des Boliden und Kabel wurden zerstört, und das Training musste fast eine halbe Stunde lang unterbrochen werden. Doch abgesehen davon hatte Renault Glück im Unglück.

Hätte Magnussen mit Halo auch so schnell aussteigen können?

Nach dem Zwischenfall fragten sich viele im Fahrerlager, wie die Angelegenheit für Magnussen mit dem Cockpitschutz Halo ausgegangen wäre, der 2018 eingeführt werden soll. Sergio Perez hatte nach seinem Test angemerkt, dass er mit dem sperrigen System Schwierigkeiten beim Aussteigen gehabt habe.

"Da bin ich der falsche Ansprechpartner", meint Magnussen. "Ich habe Halo nie probiert." Laut Perez dauerte es fünf Sekunden länger als bisher. "Man will keine fünf Sekunden brauchen, wenn das Auto brennt", findet der Renault-Pilot.

Wie durch ein Wunder konnte Magnussen am zweiten Training mit einem neuen Benzinsystem und einem neuen Motor ganz normal teilnehmen. In seinen 21 Runden kam er mit 2,720 Sekunden Rückstand auf den 19. Platz, Teamkollege Jolyon Palmer, bei dem die modizierte Tankentlüftung nicht getestet wurde, fehlten auf Spitzenreiter Lewis Hamilton "nur" 1,996 Sekunden, was Rang zwölf ausmachte.

"Toll, wie meine Crew die Kontrolle behielt", bedankt sich Magnussen. "Da wir am Nachmittag fahren konnten, war es kein komplett verlorener Tag. Beim Kurveneingang haben wir ein bisschen zu viel Übersteuern. Wir wissen also, wo wir besser werden müssen."

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