Hamilton droht Strafe: Rennkommissare wie "Kart-Arschloch"

, 02.05.2016

Lewis Hamilton droht bei einer weiteren Verwarnung eine Gridstrafe und fühlt sich verfolgt: Wieso ihn die Rennkommissare an ein "Arschloch" aus Kart-Tagen erinnern

Das Pech klebt seit Saisonbeginn an Lewis Hamiltons Fingern, was beim Weltmeister sichtlich Spuren hinterlässt: Der Brite, bei dem im Qualifying der Motor streikte und im Rennen der Wasserdruck für Probleme sorgte, wirkte dieses Wochenende völlig geknickt, während Titelrivale Nico Rosberg seinen siebten Sieg in Serie einfuhr. Jetzt hat der Silberpfeil-Pilot auch noch das Gefühl, dass die Rennkommissare hinter ihm her sind.

Weil er zu Beginn des Qualifyings nicht um das Styroporschild in Kurve zwei herumgefahren war, sprachen Emanuelle Pirro & Co. eine Verwarnung aus - die zweite in diesem Jahr. Bei der dritten droht eine Rückversetzung in der Startaufstellung. "Mir ist klar, dass mir auch noch mindestens eine Rückversetzung um zehn Startplätze blüht", brummt Hamilton nach seinem zweiten Platz. Bereits die Verwarnung in Bahrain, als er in der Boxengasse rückwärts fuhr, sei "verdammt lächerlich" gewesen. Dabei hatten die Rennkommissare in der Startphase des Russland-Grand-Prix sogar ein Auge zugedrückt.

Hamilton und die Rennkommissare: Nicht der erste Clinch

Hamilton fühlt sich an alte Karttage erinnert und hat Mühe, seine Wut zu verbergen: "So langsam kommen Erinnerungen hoch. Es gab diesen einen Rennkommissar, ein echtes Arschloch. Ich habe gehört, er ist immer noch da. Er war einfach da, um den Leuten das Wochenende zu ruinieren."

Er vergleicht diesen unliebsamen Zeitgenossen mit den aktuellen Rennkommissaren in der Formel 1: "Ich sehe so langsam Anzeichen von ihm." Bereits in seiner McLaren-Zeit hatte Hamilton das Gefühl, von den Rennkommissaren härter angefasst zu werden als andere Piloten. "Es ist echt ein Witz. Vielleicht liegt es daran, dass ich schwarz bin", sprudelte es in Monaco im Jahr 2011 aus ihm heraus, nachdem ihm wegen zwei Kollisionen zwei Strafen aufgebrummt worden waren. Später relativierte er die Aussagen und bezeichnete sie als missglückten Witz.

Hamilton rechnet mit weiterem Pech

Nach Lachen ist Hamilton nun aber gar nicht zumute. Kein Wunder, denn in der WM liegt der 31-Jährige bereits 43 Punkte hinter Leader Rosberg. Nachdem sein F1 W07 bei den Tests wahre Marathondistanzen absolviert hat, streikt Hamiltons Auto nun regelmäßig: In Melbourne gab es beim Start ein Problem, in China musste der Motor gewechselt werden, weshalb Hamilton von ganz hinten starten musste. Dazu kamen unverschuldete Kollisionen mit Valtteri Bottas in Bahrain und mit Felipe Nasr in China.

Und dann auch noch das Pech in Russland, während beim Teamkollegen alles glatt läuft. Hamilton, der wegen seines Motorpechs in Q3 als Zehnter starten musste, hadert mit einem weiteren verlorenen Sieg. "Wir haben an diesem Wochenende wirklich ein tolles Setup zusammengebracht, aber einmal mehr konnte ich mir das nicht zunutze machen", klagt er. "Da war nicht der geringste Zweifel, dass ich gewinnen konnte."

Auf seine schlechte Laune angesprochen, meint er: "Ich bin nicht besonders glücklich, denn nichts hat gut geklappt." Während er die Herausforderung am China-Wochenende noch sportlich nahm und sich auf die heißen Duelle freute, hat sich sein Ausblick inzwischen verdunkelt. Wir haben noch 17 Rennen vor uns, aber wenn es nach den vergangenen vier Rennen geht, dann bin ich sicher, dass noch mehr kommen wird", spielt er auf seine Pechsträhne an. "Aber das muss man nehmen und daraus etwas Positives machen."

Wolff schwant Böses: Hat der Motor etwas abbekommen?

Mercedes-Teamchef Toto Wolff, dessen Team in wildesten Verschwörungstheorien von den Fans sogar der Sabotage bezichtigt wurde, versteht Hamiltons offen zur Schau getragenen Unmut: "Man kann von einem Fahrer, der um den Kampf um die Pole-Position gebracht wurde, nicht erwarten, dass er lächelnd herumläuft. Man muss akzeptieren, dass er anders enttäuscht ist als wir als Team. Für uns ist es etwas einfacher zu ertragen, wenn der andere Fahrer auf Pole steht."

Wolff versichert, dass Mercedes "sich den Hintern abarbeitet, um Lewis das bestmögliche Auto zu geben". Manchmal habe man aber eine Pechsträhne, "und da kann mich nicht mehr machen als sich zu entschuldigen". Zumal dem Österreicher nach den Problemen mit dem Wasserdruck bereits Böses schwant: "Es könnte sein, dass der Motor dadurch in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Das müssen wir herausfinden, damit wir wissen, ob wir ihn im Motorenpool behalten können oder nicht."

Währenddessen versucht Hamilton, wie zuletzt nach dem verpatzten China-Wochenende bei seiner montagmorgendlichen Laufrunde auf andere Gedanken zu kommen. "In Niki Laudas Flugzeug habe ich noch gegrübelt, was ich hätte besser machen können", schildert der Brite seine Vergangenheitsbewältigung nach Schanghai. "Am Morgen danach war ich in Berlin Laufen, und das war fantastisch. Nun werde ich das Gleiche machen."

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