Hamilton raucht die Friedenspfeife: "Wir sind erwachsen"

, 16.04.2015

Der Weltmeister hält Differenzen mit Ex-Kumpel Rosberg für ausgeräumt und kritisiert die Formel-1-Journalisten - Button kreidet dem Deutschen Fehler an

Die Formel 1 hätte sich keinen besseren Zeitpunkt als das kommende Wochenende suchen können, um in Bahrain aufzuschlagen: Schließlich ist die Wüstenbahn in Sachir die Strecke, auf der sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg im vergangenen Jahr ihren härtesten Schlagabtausch lieferten. Pünktlich zur Neuauflage hat die Rivalität im Mercedes-Lager eine neue Intensität erreicht. Den Champion lässt das Ganze angeblich kalt: "Alles, was außerhalb des Autos passiert, interessiert mich nicht besonders."

Hamilton zeigt sich unbeeindruckt vom Nachgang des China-Grand-Prix und der offenen Kritik seines Teamkollegen. Auf einen verbalen Schlagabtausch mit Rosberg lässt er sich nicht ein: "Das Reden erledige ich auf der Strecke. So mache ich das, seitdem ich acht Jahre alt bin", gibt der Brite das Vollgastier. Nach drei Pole-Positions und drei Rennergebnissen vor Rosberg kann er sich das erlauben.

Die Harmonie in der Box der Silberpfeile sei ungetrübt, beteuert Hamilton. "Als Team machen wir doch einen tollen Job", sagt er. "Es gibt kein Problem zwischen mir und Nico. Wir haben uns am Vormittag gesehen, alles war gut. Wir sind erwachsen und kommen darüber hinweg." Bei Mercedes könnte der Vorfall Spuren hinterlassen haben. Noch in Schanghai sprach Toto Wolff davon, künftig zu sanfter Teamorder greifen zu müssen, wenn eine Eskalation nach Muster Spa-Francorchamps' 2014 droht.

Button: "Mit der Presse zu reden macht Lewis nur stärker"

Im Gespräch mit 'Sky Sports F1' ist der Sportchef der Stuttgarter darauf bedacht, die Geschehnisse zu relativieren: "In ein Gehirn zu schauen ist schwierig", erklärt Wolff emotionale Reaktionen Rosbergs. "Sie sind sehr wettbewerbsfreudig und wir haben Schlimmeres mit Fahrern erlebt, die an einem bestimmten Tag den Kürzen gezogen haben. Schlimmeres von Lewis und Schlimmeres von Sebastian (Vettel; Anm. d. Red.) - wir haben alle Emotionen, teils bessere, teils schlechtere Tage", so Wolff.

Auf welche Vorfälle er dabei genau anspielt, verschweigt der Österreicher. Jenson Button wundert es nicht, dass es bei den Silberpfeilen köchelt. Der frühere McLaren-Teamkollege Hamiltons meint: "Wenn man an der Spitze kämpft, dann gibt es Knatsch und Missstimmungen, weil man im gleichen Auto sitzt und beide gewinnen wollen. Lewis ist ein sehr wettbewerbsfreudiger Typ, wenn er mit dem Kopf bei der Sache ist." Das ist derzeit offenbar der Fall und genau an diesem Punkt müssten die Kontrahenten ansetzen.

Button meint, dass Rosberg mit dem Ausbruch vor der Medienwelt den falschen Ansatz gewählt hätte: "Über eine Runde halte ich niemanden für schneller als Lewis, aber über die Renndistanz? Vielleicht schon. Mit der Presse über etwas zu reden, womit man nicht glücklich ist, macht Lewis nur stärker", weiß der Routinier, der es als Stallgefährte Hamiltons streckenweise schaffte, ihn in Schach zu halten.

Hamilton rüffelt Presse: Worte nach Gutdünken gedreht

Zurück zu einer möglichen Teamorder: "Wir sprechen nicht über Stallregie", wiegelt Hamilton ab. "Das ist nicht unsere Herangehensweise, sondern so zu fahren, dass am Ende für das Team das Beste herauskommt und so viele Punkte wie möglich eingefahren werden." Dieses Ziel gerät in Gefahr, wenn sich Hamilton und Rosberg gegenseitig auf die Hörner nehmen oder mit taktischen Manövern dem jeweils anderen das Rennen ruinieren. Der Brite beteuert: Sein Schleichmodus in China war kein Kalkül.

Dieser Vorwurf sei noch vor Ort im Debriefing ausgeräumt worden, den Rest hätte die Presse mit ihrer Interpretation seiner diversen Reaktionen besorgt: "Darüber haben wir nach dem Rennen gesprochen. Manche Leute haben meine Worte so gedreht, wie sie sie drehen wollten", beklagt sich Hamilton und hält sich im Rückblick für den schnellsten Piloten, der in Schanghai über die Strecke preschte.

Bahrain-Sieg wäre für Rosberg Lösung aller Probleme

Button gibt ihm Rückendeckung und verweist auf die bessere Startposition, die sich Hamilton mit 0,042 Sekunden Vorsprung in Form der Pole-Position sicherte. "Das ist Motorsport", meint der Ex-Weltmeister und betont, dass bei den meisten Teams - auch bei Mercedes - intern die "First-Call"-Regel gilt. Wer weiter vorne startet darf die Strategie bestimmen, was Hamilton unangreifbar macht. "Nico ist offenbar unglücklich und darf das sein. Aber auf den könnte er mit dem Finger zeigen?", fragt sich Button.

Die Antwort ist logisch: höchstens auf sich selbst. Sportchef Wolff sieht darin nur einen Grund, Rosberg in Bahrain noch stärker zu erwarten als ohnehin. "In dieser sich so schnell wandelnden Welt wird man immer an seinem jüngsten Rennen gemessen. Schlägt er Lewis am Sonntag, gibt es keine Diskussionen mehr bezüglich seines Tempos", hofft der Silberpfeil-Dompteur auf eine natürliche Lösung des Problems. "Er hatte einige Rennen, die nicht perfekt waren, die er nicht gewonnen hat, aber er wäre kein Rennsieger, hätte er nicht die Fähigkeiten, zurückzuschlagen."

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