Rosberg kritisiert Kritiker: "Nenne Fakten, keine Meinungen"

, 16.04.2015

Warum der Gelackmeierte von China "alles wieder genauso machen" würde - Mahnung war Alarmsignal - "Schmaler Grat" beim Befolgen von Teamorder

Nico Rosberg könnte nach drei Schlappen in Serie gegen Team- und WM-Rivale Lewis Hamilton wie ein geprügelter Hund durch das Paddock in Bahrain schlappen. Er tut es nicht, sondern lächelt zu allen Seiten. Der Deutsche könnte Frust und Wut wegen der vermeintlichen Behinderung durch den Teamkollegen in China zur Schau stellen. Er tut es nicht, sondern begräbt die Sache, ohne einen Rückzieher zu machen. "Ich würde es wieder genauso machen", steht Rosberg zu seinen Aussagen in Schanghai.

Der Vizeweltmeister demonstriert eine breite Brust. Er will trotz der Niederlagen auf keinen Fall den Kopf einziehen und das Team unter Zugzwang setzen, wenn ihm etwas missfällt. "Wenn ich nichts sage, werde ich kritisiert, weil ich nichts sage", wundert sich Rosberg über Nachfragen in der Medienrunde, ob es nicht klüger gewesen wäre, den Ärger in sich hineinzufressen. "Man muss doch sagen, wenn etwas diskutiert werden muss. Es war mir wichtig, Fakten darzulegen, dass wir dass auch diskutieren."

Ein Alarmsignal soll China gewesen sein, kein Angriff auf Hamilton. "Ich habe nie meine Meinung gesagt, ich habe Fakten genannt", wehrt sich Rosberg. "Ich habe ihn nie egoistisch genannt, das hat er selbst gesagt." Die gewünschte konstruktive Diskussion des Vorfalls soll es hinter verschlossenen Mercedes-Türen gegeben haben, womit Rosberg sein Ziel erreicht hat. "Aus! Jetzt geht es weiter", hakt er die Sache ab. "Es bringt nichts, weiter zu grübeln. Es war gar nicht so groß, wir hatten viel schlimmere Zeiten."

Die rote Gefahr: Rosberg befürwortet Teamorder

Zum Beispiel Spa-Francorchamps im vergangenen Jahr, als das Teamduell in Kleinholz endete. Die Causa Belgien ist der Grund, warum Sportchef Toto Wolff mittlerweile offen über eine mögliche Teamorder spricht. "Umso näher Ferrari dran ist, umso schlimmer ist es. In China musste das Team eingreifen, weil Ferrari eine Gefahr war", erklärt Rosberg das Kommando an Hamilton infolge seiner Funkbeschwerde. Der Brite sollte auf das Gas treten, weil Sebastian Vettel den Doppelerfolg gefährdete.

Rosberg hält ein Eingreifen der Chefs in einer solchen Situation für korrekt - unabhängig davon, ob er Profiteur oder Leidtragender ist: "Wenn ein Eins-Zwei-Ergebnis in Gefahr ist, können bestimmte Mittel eingesetzt werden. Am Ende muss auch ich die Meinung des Teams respektieren. Ich bin hier, um zu gewinnen. Gleichzeitig bin Angestellter des Teams. Das ist immer der Kompromiss." Es ist die Neuauflage einer Frage, die die Formel 1 seit Jahrzehnten beschäftigt: Wie viel Opposition ist intern erlaubt?

Bei Mercedes offenbar eine Menge. Beispiel Abu Dhabi: Die Silberpfeile ließen es Rosberg durchgehen, dass er sich trotz der Anweisung, das Rennen in aussichtsloser Lage aufzugeben, ins Ziel schleppte. Beispiel Ungarn: Hamilton machte für den nicht in unmittelbarer Nähe befindlichen Teamkollegen auf anderer Strategie keinen Platz, sondern zog seinen Stiefel durch. Auch das blieb ohne Folgen. "Es ist nicht Schwarz oder Weiß. Deshalb gibt es immer verschiedene Meinungen", sagt Rosberg.

Die Bahrain-Lösung des Problems: Überholen!

Klar ist: Aufhalten, um Konkurrenten das Überholen zu ermöglichen und selbst mehr Punkte gegen den Teamkollegen herauszuholen, ist ein No-Go. "Ich könnte es mir nicht leisten, ihn so verhungern zu lassen, dass er Dritter wird", zeichnet Rosberg die Spielregeln im Duell mit Hamilton nach. Er beteuert, solche Intentionen nicht zu besitzen: "Wenn ich vorne bin, will ich das Rennen gewinnen. Nur daran denke ich. Man kann es zu weit treiben oder man es nicht zu weit treiben. Das ist ein schmaler Grat."

Was Rosberg meint: Hamilton hätte in Schanghai auch gewonnen, hätte er seine Reifen nicht so konsequent geschont, wie er es tat. Am kommenden Wochenende will der Deutsche ihn bei identischem Szenario fahrerisch bestrafen, in Form eines Überholmanövers: "China ist dafür keine gute Strecke, das kann in Bahrain ganz anders sein", rasselt Rosberg mit dem Säbel. "Die beste Antwort, die ich geben kann, ist eine auf der Rennstrecke. Das wäre schon in Malaysia wichtig gewesen." Er erinnert an die Frühphase der Saison 2014, als Hamiltons Gewinnsträhne abriss: "Er hat vier Rennen in Serie gewonnen, dann hatte ich die stärkste Phase meiner Karriere."

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