Hamilton & Rosberg: Rabauken aus der ersten Reihe

, 06.09.2014

Während Toto Wolff sich einen zweiten Teamcrash nicht vorstellen kann, fahren seine Stars weiter wie bisher - In Monza entscheidet die erste Schikane

Der Italien-Grand-Prix am Sonntag ist Rennen eins nach dem belgischen Flügelsalat - oder anders ausgedrückt: die Bewährungsprobe für Lewis Hamilton, Nico Rosberg und die neue, alte Maxime im Mercedes-internen Duell um den WM-Titel. Ohne Stallregie, aber unter dem Gebot sportlicher Fairness und Vernunft werden sich die beiden Silberpfeile in der unfallträchtigen ersten Schikane von Monza über die Vorfahrt einigen müssen. Schließlich ist Überholen anschließend kaum noch möglich.

Deshalb ist Rosberg bemüht, die Pole-Position seines Teamkollegen schon auf den ersten Metern nichtig zu machen: "Glücklicherweise werde ich versuchen, beim Start nicht derjenige zu sein, der hinten ist. So gehe ich auch in den Start rein", rasselt der Deutsche mit den Säbeln. Das klingt nicht nach bravem Einordnen. Klar, dass Hamilton den Platz an der Sonne nicht kampflos aufgeben wird. Anweisungen aus der Chefetage spielen die zweite Geige: "Da klingelt es überhaupt nicht in meinem Ohren."

Die Vorkommnisse von Spa-Francorchamps, nach schlussendlich einhelliger Meinung ein klarer Rennunfall, scheinen im Teamduell nicht nachzuwirken. "Wir fahren, wie wir die ganze Saison über gefahren sind", winkt Rosberg ab, um sich zur nötigen Vorsicht im teaminternen Zweikampf zu bekennen. "Es ist sehr klar, was unter dem Wort 'Go!' zu verstehen ist. Wir haben schon so viele Duelle gehabt - jetzt ist es einmal schiefgegangen." Bestes Beispiel war Bahrain, als ohne jeden Karbonschaden gefightet wurde.

Nur Rambos erhalten Kündigung

Toto Wolff macht sich keine Sorgen, dass seine Jungs es übertreiben und Grenzen überschreiten könnten: "Nach all den Gesprächen nach dem Rennen in Spa sollte nun wirklich klar sein, wie die Dinge laufen sollten", meint der Mercedes-Sportchef und erklärt diese Maxime aus Gründen des Konzernimage auch dann für gültig, wenn die WM entschieden sein sollte. Deshalb ist es aus seiner Sicht hinfällig, darüber zu diskutieren, ob ein weiterer Unfall Konsequenzen - konkret den Rauswurf - zur Folge hätte. "Davon sind wir weit entfernt."

Ein zweites Spa soll es trotzdem nicht geben. Wäre das Damoklesschwert der Kündigung eine Drohkulisse? Schließlich winkt als Entschädigung für einen Rabauken ein Formel-1-WM-Titel. Wolff hofft, dass die Aussicht auf weitere Triumphe schwerer wiegt als der schnelle Ruhm: "Wir haben ein dominantes Auto, das hoffentlich auch in den kommenden Jahren vorne fahren wird. Wenn man im Fahrerlager fragen würde, wer es fahren möchte, dann werden die Leute Schlange stehen", argumentiert der Österreicher.

Fairplay beim Datenaustausch

Momentan scheint es für Wolff und die Führungsriege ohnehin keinen Grund zu geben, den beiden Stars auf die Finger zu klopfen. Nach technischen Problemen in unterschiedlichen Sessions des Freien Trainings, die erst Hamilton und dann Rosberg betrafen, gab es einen Austausch von Erkenntnissen und technischen Daten. "Wir sind ein Team und machen das", stellt Hamilton klar. Rosberg ist bemüht, den Eindruck von Feindseeligkeit zu zerstreuen: "In schwierigen Zeiten habe ich in meinem Leben am meisten gelernt. Ich denke, so geht es den meisten."

"Ich will aber nicht ins Detail gehen", vermeidet es der Wiesbadener, über sein Verhältnis zu Hamilton zu sprechen. Wird alles nur aufgebauscht? "In der Medienwelt spielt sich etwas anderes ab als in der Realität. Ich schaue nicht so viel Fernsehen, also konzentriere ich mich auf die interne Welt." Übrigens: Auch die Tageszeitung lässt er von Ehefrau Vivianne auf Formel-1-Artikel prüfen, ehe er liest.

Auf Nachfrage charakterisiert er die Beziehung zu seinem Teamkollegen, den er von Kindesbeinen an zu seinen Freunden zählte, dann doch noch: "Respektvoll ist vielleicht das beste Wort. Das ist die Basis, die wir über die ganzen Jahre haben", erklärt Rosberg. "So schaffen wir es immer wieder durch schwierige Phasen hindurch, dass wir am Ende wieder miteinander sprechen können."

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