Kritik an Kritikern: Lauda genervt, Ecclestone rudert zurück

, 21.06.2015

Negativschlagzeilen und Dauerkritik Red Bulls bezeichnet Lauda als "störendes Gejammer" - Ecclestone will nie von "beschissenem Produkt" gesprochen haben

Geht es in diesen Tagen um die Formel 1, geht es nur um eines: um Kritik. Es heißt, Rennen seien langweilig, das Geschehen nicht transparent, die Verteilung der Gelder ein Knechtschaftsmodell und das Beschwören visionärer Hybridantriebe eine große PR-Lüge. "Dieses ganze Gejammer stört mich", teilt Mercedes-Patron Niki Lauda - angesprochen auf die Ausstiegsdrohung Dietrich Mateschitz' - in Richtung Red Bull aus. "Man kann Regeln nicht ändern, weil man nicht mithalten kann."

Lauda findet Buhrufe, auch aus dem Mund des Teamchefs Christian Horner und des omnipräsenten Motorsportbeaters Helmut Marko, nicht zielführend. "Das bringt doch nichts", hadert Österreichs Rennlegende. Selbst die Aktiven - ausgerechnet aus den Reihen des Brauseriesen - können es nicht mehr hören: "Wir mögen es nicht, dass sich jede Woche auf ein Neues jemand nach vorne wagt und die Formel 1 angreift", hat Toro-Rosso-Youngster Carlos Sainz die Nase voll.

Dabei war es der Spanier selbst, der die Königsklasse als zu langsam bezeichnete und bemängelte, dass die neuen Autos für die Aufsteiger aus den Juniorklassen keine Herausforderung präsentieren würden. Davon rückt er nicht ab: "Uns gefällt nicht, was passiert. Aber das ist unsere Leidenschaft, unser Job", relativiert Sainz auch im Namen der Fahrerkollegen. Dennoch wünscht er sich, dass sich in der Beletage des Motorsport etwas tut: "Wir sind damit nicht glücklich und darauf aus, etwas zu verändern."

Das scheint nötig, schließlich wurde Zampano Bernie Ecclestone im Laufe der Woche von der französischen Nachrichtenagentur 'AFP' mit den Worten zitiert, die Formel 1 sei ein "beschissenes Produkt". Von dieser Aussage distanziert sich der 84-Jährige jedoch: "Wirklich? Keine Ahnung, wer das gesagt haben soll. Ein schlechtes Zitat", lässt Ecclestone am Rande des Österreich-Grand-Prix in Spielberg kopfschüttelnd verlauten. Für den Zustand seines Patienten findet er euphorischere Worte.

Es geht Ecclestone um die Mercedes-Dominanz: "Unser aktuelles Produkt ist im Moment etwas kopflastig - wegen eines Teams, das sehr viele Rennen gewinnt, wahrscheinlich etwas zu einfach. Schlussendlich läuft aber nicht mehr falsch als sonst auch." Ecclestone ist gut beraten, mit seiner Kritik zurückzurudern. TV-Anstalten überlegen sich ihr millionenschweres Engagement, immer wieder wird auch über einen Ausstieg Red Bulls spekuliert. Die Formel 1 sägt also an dem Ast, auf dem sie sitzt.

Als "keine gute Verkaufsstrategie" schätzt Mercedes-Sportchef Toto Wolff entsprechende Aussagen ein, schließlich hat auch er sein Projekt vor dem Vorstand und den Aktionären zu rechtfertigen. Lockerer sieht die Ecclestone-Kommentare Weltmeister Lewis Hamilton: "Bernies Meinung ist Bernies Meinung. Er ist der große Boss, seine Meinung zählt. Er hat wie alle anderen das Recht auf seine eigene."

Sainz fordert derweil, "zu zeigen, dass die Formel 1 noch lebt und es nicht einfach ist, so ein Auto zu fahren". Sein Lotus-Kollege Pastor Maldonado fordert "irgendetwas, um das Feld wieder dichter aneinander zu bringen und die Lücken zwischen den Teams zu schließen". Ausgerechnet der Mann, der jährlich gemunkelte 35 Millionen Euro an Geldern Venezuelas staatlichen Ölkonzern PDVSA mitbringt, fügt hinzu: "Und etwas, um die Kosten zu reduzieren. Denn es ist sehr teuer."

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