Lautere Formel-1-Motoren: So könnte es gehen

, 23.01.2015

Mehr Benzin, ein Bi-Turbo oder eine Verlegung des Wastegate-Ventils: Verschiedene Lösungen könnten die Formel-1-Motoren lauter machen

Ein Jahr nach seiner Einführung herrscht in der Formel 1 weitgehende Einigkeit darüber, dass das aktuelle Motorenreglement in seiner jetzigen Form noch nicht der Stein der Weisen ist. Vor allem der leise Sound der Hybrid-Antriebe sorgt nicht nur bei den Fans, sondern auch bei Renn-Organisatoren und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone für Unmut. Ein erster Versuch, die Motoren mittels einer Art Trichter am Auspuff lauter zu machen, scheiterte im vergangenen Jahr kläglich. Doch nach Ansicht von Experten gibt es Mittel und Wege, den Schallpegel spürbar zu erhöhen.

Der Schweizer Motorenbauer Mario Illien, der derzeit Renault bei der Weiterentwicklung des Antriebs unterstützt, hat hier das Wastegate-Ventil ins Visier genommen, welches überschüssigen Ladedruck ablässt. "Es bläst nicht in die Atmosphäre ab, sondern in den Auspuff", erklärt Illien gegenüber dem Fachmagazin 'auto, motor und sport'. "Das Endrohr ist ewig lang und ziemlich dick. Da geht der ganze Sound verloren."

Würde das Ventil nicht in den Auspuff, sondern direkt ins Freie abblasen, würde man zumindest das für Turbo-Motoren typische Pfeifen deutlich besser hören. Dazu müsste jedoch das Technische Reglement geändert werden, welches den Einbau des Ventils an dieser ungewöhnlichen Stelle vorschreibt. "Vermutlich hat die FIA Angst gehabt, die Aerodynamiker könnten das Abblasen anderer Stelle für irgendwelche Tricks verwenden, die Anpressdruck erzeugen", mutmaßt Illien über den Hintergrund dieser Einbau-Vorschrift.

Wastgate-Ventil ein Baustein zu lauteren Motoren

Allerdings wäre die Verlegung des Wastegate-Ventils nur ein Baustein zu lauteren Motoren, denn es ist vor allem dann im Einsatz, wenn über die MGU-H aus Strom Ladedruck erzeugt wird. "Das bläst das Wastegate überschüssigen Druck ab, um den Abgasgegendruck für den Verbrennungsmotor zu reduzieren", so Illien. Damit wäre der Effekt vor allem im Qualifying spürbar, wenn die elektrische Energie in einer Runde komplett zur Steigerung der Performance verwendet wird.

Auch durch höhere Drehzahlen würden die Motoren wieder lauter. Hierzu müsste die derzeit geltenden Durchflussmengen-Begrenzung von 100 Litern pro Stunde angehoben werden. "Könnte mehr Benzin eingespritzt werden, würde mehr Energie am Lader ankommen", so Illien. Damit würde man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn gleichzeitig würde auch die Motorleistung ansteigen.

Klar ist jedoch, dass unter dem bestehenden Reglement keine grundlegende Überarbeitung der Motoren möglich ist, und "Krankheiten" wie der leise Motorensound nur symptomatisch behandelt werden können. Daher debattieren die beteiligten Hersteller derzeit mit dem Motorsport-Weltverband FIA über eine Neufassung des Motoren-Reglements, welches die Formel-1-Autos stärker, lauter und spektakulärer machen soll, jedoch frühestens zur Saison 2017 kommen dürfte.

Ferrari plädiert für völlig neue Motoren

Dabei drückt Mercedes nach Informationen von 'auto, motor und sport' allerdings auf die Bremse. Der deutsche Autobauer möchte möglichst wenig am Regelwerk ändern. Das verwundert nicht, waren die Techniker in Brixworth doch bei der Umsetzung des aktuellen Reglements mit Abstand am erfolgreichsten. Einer Erhöhung der Durchflussmenge gegenüber seien die Schwaben jedoch nicht abgeneigt.

Ferrari schlägt hingegen laut 'auto, motor und sport' einen radikalen Neuentwurf, beziehungsweise einen Schritt zurück vor: Einen 2,2-Liter-V8-Biturbo der bis zu 17.000 Umdrehungen pro Minute dreht, keine MGU-H hat, dafür mit Standard-KERS und Einheits-Turbolader versehen ist. Auch dieser Vorschlag würde die Motoren deutlich lauter machen, da bei einem Biturbo die Auspuff-Endrohre kürzer sind und zudem die MGU-H wegfallen würde, die derzeit wie ein Schalldämpfer im Abgastrakt sitzt.

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