Lewis Hamilton: "Deswegen reagiere ich so emotional"

, 19.10.2016

Lewis Hamilton antwortet auf Vorwürfe, bei Niederlagen zu emotional zu reagieren, und erklärt, wie ihm der Sport hilft, mit seiner schwierigen Jugend klarzukommen

In den vergangenen Wochen wurde Lewis Hamilton vorgeworfen, übertrieben emotional auf Rückschläge zu reagieren: In Sepang hatte er nach dem Motorschaden Verschwörungstheorien geschürt, auch in Suzuka wirkte er nach der Niederlage gegen Nico Rosberg gebrochen. Doch nun rechtfertigt er sein Verhalten. "Immer wieder kommentieren Leute die Tatsache, dass ich emotional werde, und sogar nach Niederlagen fröhlicher sein sollte. Diese Leute vergessen, wie viel ich in diesen Sport investiert habe. Bei mir sind es 23 Jahre."

Bei Hamilton geht das Rennfahren laut eigenen Angaben durch Mark und Bein, deswegen gelinge es ihm manchmal nicht, die Ereignisse mit einer gewissen Distanz zu sehen. "Es handelt sich um eine Erweiterung meines Lebens und meines Körpers", sagt er gegenüber 'ESPN'. "Das ist wirklich schräg, aber ich spüre es. Ich schätze, dass ich deswegen gut darin bin, weil ich nicht nur mit meinem Kopf fahre. Ich spüre es in meinem Herzen, in meinem Brustkorb, meinen Bauchmuskeln, meinem Hintern, in meinem Nacken, ich spüre alles."

Wegen dieses sinnlichen Erlebnisses liebe er die Formel 1: "Ich habe noch nichts gemacht, bei dem ich nur ansatzweise das Gleiche spüre." Außerdem habe er nach einer schwierigen Kindheit in der Londoner Vorstadt durch den Sport mehr Selbstvertrauen gewonnen. "Ich habe mich von einer sehr schüchternen, etwas nervöseren Person zu einer selbstsicheren, erfolgreicheren Person entwickelt", sagt er.

Formel-1-Karriere als Antwort auf Hänseleien der Kindheit

"Ich muss einfach lachen, wenn ich an die Leute denke, die damals gesagt habe, dass ich es nicht drauf habe, dass ich nicht gut genug bin. Manchmal tauchen sie in meinen Gedanken auf, und dann muss ich lachen, wie sie sich mir gegenüber verhielten, nur um sich selbst besser zu fühlen. Sie haben andere niedergemacht, haben gemeint, dass ich ein Nichts bin. Und jetzt, mit dem Wissen, was aus mir geworden ist und wer ich bin, bringt es mich zum Lachen und ich bin in Frieden mit mir selbst."

All die negativen Erlebnisse mit früheren Zeitgenossen spielen nun keine Rolle mehr: "Ich habe das korrigiert und ausbalanciert." Doch dafür musste Hamilton auch einen Preis zahlen: Der Brite steht seit jungen Jahren im Fokus der Öffentlichkeit und konnte auf dem Weg zum Formel-1-Superstar keine unbeschwerte Kindheit erfahren.

Vor Fallen des öffentlichen Lebens nicht gefeit

"Im Licht der Öffentlichkeit aufzuwachsen ist schwierig, und es gibt jede Menge Fallen", erklärt Hamilton. Erst in Suzuka wurde der Mercedes-Pilot von Journalisten kritisiert, weil er während der offiziellen FIA-Pressekonferenz mit seinem Handy spielte und Fotos auf Snapchat hochlud. Daraufhin strich er als Retourkutsche die samstägliche Fragestunde bei seiner Teampressekonferenz.

"Ich hatte großartige Leute um mich herum, die versucht haben, mich vor den Fallen zu schützen, aber solche Dinge passieren mir selbst heute noch", sagt Hamilton, der in Austin übrigens erneut für die FIA-Pressekonferenz nominiert wurde. "Der Unterschied zu früher ist nur, dass ich mich jetzt weniger darum kümmere. Wenn mir so etwas heute passiert, dann ist es eben passiert und ich nehme es mit Humor."

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