Lewis Hamilton: "Ich wollte nie ein Promi sein"

, 06.05.2016

Er ist der Social-Media-Star unter den Formel-1-Fahrern und kennt die Schattenseiten nur zu gut: Doch Lewis Hamilton steht zu seinen Postings

Über mangelnde Medienpräsenz konnte sich Formel-1-Star Lewis Hamilton noch nie beschweren. Nur fällt sie in diesem Jahr nicht ganz so positiv aus, wie vielleicht erwartet. Auf der Strecke kauft ihm Teamkollege Nico Rosberg ein ums andere Mal den Schneid ab, führt in der aktuellen WM-Tabelle mit 43 Zählern Vorsprung. Und weil der Fehlerteufel in dieser Saison vor allem Hamilton zu treffen scheint, lenkt sich er nicht nur beim Babysitten ab, sondern macht die Nacht auch anderweitig zum Tag.

Zuletzt sorgte der 31-Jährige bei dem Instant-Messaging-Dienst Snapchat für Aufsehen. Dort teilte Hamilton Videos von einer durchzechten Partynacht in Miami. Sie zeigen ihn mit Wasserpfeife, reichlich Alkohol und spärlich bekleideten Damen. Es sind nicht die ersten Bilder dieser Art, die der Mercedes-Pilot während der aktuellen Saison in Umlauf brachte, wohl wissend, dass er dafür nicht nur Applaus kassieren würde. "Das bin ich gewohnt, da ich schon sehr lange in den sozialen Medien unterwegs bin", erklärt Hamilton.

Der Brite, dem auf Instagram 2,7 Millionen Abonnenten folgen, verteidigt seine Postings: "Ich sehe mehr das Positive als das Negative." In seinen Anfangsjahren in der Formel 1 habe er alles getan, um die Idee von sich als einer Art Promi zu vermeiden. "Ich habe mich davor gescheut", blickt Hamilton zurück. "Aber ich bin nun mal alle zwei Wochen im Fernsehen, werde ständig fotografiert, wo auch immer ich bin. Statt davor zurückzuschrecken, nehme ich es an", sagt er heute. Mittlerweile teile er so manches Paparazzi-Bild sogar selbst im Netz.

Social Media in der Formel 1 immer wichtiger

Sein Leben und die Möglichkeiten, die sich ihm tagtäglich bieten, schätze er als großes Privileg: "Man sollte das alles nicht als selbstverständlich ansehen. Viele wären gern an meiner Stelle - vielleicht aus den falschen Gründen. Aber es ist eine außergewöhnliche Erfahrung und ich genieße sie", betont der Weltmeister. Seine Beliebtheit im Social Web kann er sich oft selbst nicht erklären: "Jeden Tag folgen mir einige Tausend neue Leute. Da fragt man sich natürlich: Warum haben sie sich jetzt dazu entschieden, mir zu folgen?"

Zwar habe er die meisten Follower in der Formel 1, weiß Hamilton. "Aber das ist nichts im Vergleich zu vielen Leute, die ich kenne, wenn es um soziale Medienpräsenz geht", gibt er sich kleinlaut. "Das wird sich in den nächsten zehn Jahren vielleicht noch entwickeln. Dann werden mich noch mehr kennen." Dass es irgendwann Überhand nehmen könnte, davor habe er keine Angst: "Ich denke nicht, dass es zum Problem wird. Wer weiß schon, wohin das Ganze noch führt, wie viele es werden...", gibt sich Hamilton gelassen.

Nicht jeder sieht das so. Insbesondere für ein Video, das der Brite aufnahm, während er auf einem Motorrad saß, erregte heftige Kritik. So schimpfte Formel-1-Legende Jackie Stewart: "Manchmal muss man eben als Vorbild wirken. Das hört sich langweilig an und für Lewis' Lebensstil ist das langweilig, weil er eben diese eigene Art hat, Dinge zu machen, trotzdem müssen manche Dinge einfach den Regeln entsprechen." Er unterstellte Hamilton Unreife und forderte eine Entschuldigung.

Lewis Hamilton: "Mein Held ist mein Dad"

Dass der 31-Jährige so polarisiert, dürfte auch ein Grund dafür gewesen sein, dass ihn das 'Time'-Magazin im April zu einem der einflussreichsten Menschen der Welt kürte. In der Kategorie Ikonen wurde er zusammen mit Showgrößen wie Schauspieler Leonardo DiCaprio, Sängerin Adele und Leichtathlet Usain Bolt geehrt. "Ich dachte erst mal: 'Oh, das ist cool.' Als ich dann nach der Gala mit meiner Schwester im Flugzeug saß, wurde mir klar, wer alles da war und wie groß das eigentlich ist", zeigt sich der Formel-1-Star beeindruckt.

"Es waren so viele tolle Persönlichkeiten da, die sich für humanitäre Zwecke einsetzen, die in der Wissenschaft, im Sport und so vielen Bereichen Großes geleistet haben. Und ich zähle zu ihnen." Dabei gebühre nicht allein ihm diese Ehre. In seiner Rede, die er auf der "Time 100 Gala" halten durfte, hob er vor allem einen Menschen hervor: seinen Vater. "Er hat all das hier möglich gemacht. Ihm habe ich alles zu verdanken. Deshalb wollte ich das Rampenlicht nutzen und den Leuten zeigen, wer der Held in meinem Leben ist - und das ist mein Dad."

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